»Fußabdruck im Perryversum« – Teil zwei Interview mit Harald Havas

12. Januar 2016

Der in Wien lebende und arbeitende Journalist und Publizist Harald Havas ist vor allem den PERRY RHODAN-Lesern in Österreich bestens bekannt. Aber auch außerhalb des Landes kennen und schätzen viele den vielseitigen Mann.

Grund genug für den PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner, sich mit Harald Havas zu unterhalten. Wegen seiner Länge kommt das Interview in zwei Teilen – gestern war der erste dran, heute haben wir den zweiten.

Michael Marcus Thurner: Es gibt auch einige Berührungspunkte im sehr fruchtbaren Wiener Kreativ-Umfeld. Michi Wittmann kennst du sehr gut als Zeichner – und Leo Lukas aus der Kabarettisten-Szene. Hab ich doch ein Berufsbild in deiner Beschreibung vergessen?

Harald Havas (Foto: www.havas.at)Harald Havas: Michel Wittmann kenne ich schon lange aus der österreichischen Comic-Szene. Und Leo Lukas eben aus dem Kabarettbereich.

Ja, es gibt tatsächlich eine Tätigkeit, die oben nicht erwähnt wurde. Ein Freund von mir, Olivier Lendl, ist Kabarettist und ich habe ihn ab 1996 PR-mäßig – diesmal meine ich damit Public Relations und nicht Perry Rhodan – unterstützt. Daraus wurde für mich mehr oder weniger die Tätigkeit eines Managers. Und über verschiedene Auftrittsorte, Festivals und Ähnliches lernte ich nach und nach einen Großteil der heimischen Kabarettszene kennen.

Unter anderem Leo Lukas. Außerdem ist Leo im Rateteam von »Was gibt es Neues?«, die österreichische Version des deutschen Comedy-Rate-Show »Genial daneben«. Für diese Sendung habe ich zu Beginn aufgrund meines großen, nun, einschlägigen Wissens, nun, einschlägige Fragen beigesteuert. Und tue das immer noch gelegentlich.

Michael Marcus Thurner: Ich glaube, Leo war es auch, der dich dazu verleitet hat, ab Band 2700 wieder mal in die Serie reinzuschauen, nachdem du nach dem »Thoregon«-Zyklus eine längere Pause gemacht hast. Du konsumierst die Hörbücher, nicht wahr? Ist das ein Medium, das dich besonders anspricht? Wie ist es denn im Vergleich zum tatsächlichen Lesen?

Harald Havas: Ich glaube, du warst der Verführer! Eigentlich lag es an der Existenz der Hörbücher, dass ich wieder eingestiegen bin. Ich komme nämlich aktuell sehr wenig zum Lesen, aber da ich immer in der Nacht mit dem Hund meiner Tochter eine größere Runde drehe, drehen muss, und das eher langweilig ist, konsumiere ich dabei per Smartphone Hörbücher.

Als ich nach einigen Versuchen drauf kam, dass Unterhaltung dabei besser funktioniert als Sachbücher oder anspruchsvollere Literatur, bin ich unter anderem die lange von mir vernachlässigten »Scheibenwelt«-Romane angegangen sowie einige »Star Trek«-Romane oder »Artemis Fowl«, den »kleinen Bruder« von »Harry Potter«. Dann ist mir meine alte Flamme PERRY RHODAN eingefallen – und das erschien mir eine geniale Kombination zu sein! Ich habe dann jemanden, und ich bin ziemlich sicher, dass das du warst, bei einem Comic-Con gefragt, wo denn ein Wiedereinstieg sinnvoll wäre. Mir wurde Band 2700 angeraten, ich hab angefangen und bin dabei geblieben!

Aktuell bin ich bei Nummer 2769, von eurem jüngst verstorbenen Kollegen Rainer Castor. Und ich komme bei diesem Band nicht umhin – und das ist bitte mit einem seufzenden Augenzwinkern zu verstehen und nicht bösartig –, mich zu fragen, ob wir wohl dem Geheimnis des Universums einen Schritt näher kämen, wenn wir all die Zahlen in diesem Roman addieren würden ...

Einen wirklichen Unterschied zum Lesen kann ich eigentlich nicht feststellen. Außer dass mir das Fehlen der Leserbriefe und anderer redaktioneller Beiträge erspart, meinem Hang zum Perfektionismus zu erliegen. Ich bin früher oft mit den Heften nicht weitergekommen, weil ich noch nicht jeden Buchstaben der Beitexte ausgelesen hatte ...

Ein zweiter Unterschied ist der: Ich bin ein sehr visueller Mensch und merke mir unter anderem die Namen Hunderter, wenn nicht Tausender Romanfiguren oder Superhelden durchs Lesen. Aber beim Hören merke ich mir praktisch keinen Namen. So könnte ich auch nach siebzig Bänden einige der wichtigsten Handlungsfiguren, sagen wir zum Beispiel den Tamaron der Tefroder, nicht sicher benennen.

Michael Marcus Thurner: Du hörst also den 2700er-Zyklus und bist demnach ein wenig hintennach. Dennoch möcht ich fragen, wie du denn mit der Serie zufrieden bist? Gibt es Wünsche an das Autorenteam und die Redaktion, Kritik, Verbesserungsvorschläge?

Harald Havas: Also, die Zusammenarbeit hat sich gegenüber früher eindeutig professionalisiert. Es gibt kaum logische Anschlussfehler, die früher immer wieder vorkamen. Auch die handelnden Personen sind charakterlich über die Romane verschiedener Autoren hinweg erstaunlich konsistent. Das geht etwas zu Lasten der früher ausgeprägteren Individualität der Autoren, macht dafür aber die Gesamtstory angenehmer und flüssiger. Obwohl ... gerade deine Romane und die von Leo würde ich sofort blind erkennen! Tatsächlich bin ich aber sehr zufrieden und hab nicht wirklich etwas anzumerken.

Das Einzige, das ich mir ab und zu im aktuellen Zyklus denke, ist, dass man nach drei bis vier Jahren Herrschaft der Onryonen in der Milchstraße doch schon den einen oder anderen Gefangenen gemacht haben müsste und daher mehr über das Volk und das Tribunal wissen sollte, als der aktuelle Stand mir weismacht. Und vielleicht auch das eine oder andere Stück Beutetechnik über den einzigen Linearraumtorpedo hinaus. Aber das sind, wie man so sagt, Erdnüsse.

Nein, tatsächlich, ich bin sehr zufrieden. Und hab bei durchschnittlich zwei Bänden pro Woche glücklicherweise auch noch einiges vor mir.

Übrigens sind die Sprecher alle sehr gut, auch wenn sie sich manchmal nicht darüber einig sind, ob es nun BostiCH oder BostiTSCH heißt, und alle Gucky ein wenig anders interpretieren. Ach ja, und wenn niemand Renier Baaken sagen könnte, dass ich noch immer jedes Mal darüber stolpere, wenn er »beob-achten« statt »be-obachten« sagt, wäre das nett.