»Fußabdruck im Perryversum« – Teil eins Interview mit Harald Havas

11. Januar 2016

Der in Wien lebende und arbeitende Journalist und Publizist Harald Havas ist vor allem den PERRY RHODAN-Lesern in Österreich bestens bekannt. Aber auch außerhalb des Landes kennen und schätzen viele den vielseitigen Mann.

Grund genug für den PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner, sich mit Harald Havas zu unterhalten. Wegen seiner Länge kommt das Interview in zwei Teilen – heute ist der erste dran, morgen kommt der zweite.

Michael Marcus Thurner: Ich glaube, der Begriff »Tausendsassa« wurde extra für dich erfunden. Ich kenne dich als Redakteur eines leider verblichenen Comic-Fachmagazins (»Comic-Forum«), als Journalist, als Comic-Texter und -scribbler, als Buchautor, als Kuriositäten-Sammler, als Übersetzer, als Gestalter eines ganz speziellen Wiener Stadtplans, als Kurator von Ausstellungen, als Miterfinder von »Wickie, Slime und Paiper«, einer Retro-Welle, in der die Erinnerung an die siebziger und die achtziger Jahre erneut heraufbeschworen wurde, als Spiele-Erfinder – und sogar als Hauptfigur eines Comic-Strips namens »Fred«.

Harald Havas (Foto: www.havas.at)Habe ich etwas vergessen? – Ja. Und zwar die eigentliche Frage: Ist das bei dir ein Drang, dich immer wieder neu zu erfinden als Kreativer? Bist du diesbezüglich ein Getriebener, oder geht es eher profan darum, mit guten Ideen den Lebensunterhalt zu bestreiten?

Harald Havas: Zur ersten Frage: Man könnte diese Liste tatsächlich noch fortsetzen, aber das wäre vermutlich nach einer Weile ermüdend. Aber vielleicht sollte man als Ergänzung erwähnen, dass ich auch als Juror, Vortragender und Forschender im Comic-Bereich tätig bin. Gerade in Deutschland kennt man mich am ehesten in diesen Funktionen.

Zur anderen Frage: nun, beides. Nur sehr wenige meiner Projekte habe ich in Angriff genommen, weil ich eine Idee unbedingt umsetzen wollte. Ich bin nicht der Typ von Autor, der ein Buch schreibt und dann einen Verlag sucht, sondern der Typ, der mit einer Idee zu Verlagen geht und sich erst, wenn einer zusagt, tatsächlich an die Tastatur setzt. Das ist schlicht auch überlebensnotwendig. Dennoch bin ich natürlich in erster Linie Kreativer und habe eine große Lust, mich durchaus in recht verschiedenen Bereichen und Genres auszutoben. Hätte ich die nicht, würde ich vermutlich schon lange in irgendeiner Redaktion, einer Werbeagentur oder sonst wo meine Stunden absitzen.

Aber es gibt auch Ausnahmen: Die phonetischen Karten waren ein schneller Gag für meinen Facebook-Account und sind mittlerweile zu Postkarten, Plakaten und einem kleinen Job für den Wiener Tourismusverband geworden!

Michael Marcus Thurner: Kommen wir zu deiner Geschichte als PERRY-Leser. Da gab und gibt es einige Berührungspunkte, obwohl du nun kein eingeschworener Stammleser bist. Aber du bist auf besondere Art und Weise von einem PERRY RHODAN-Autor »angefixt« worden, von Ernst Vlcek. Wann war das, wie hat er dich denn verführt?

Harald Havas: Die Geschichte beginnt mit einem doppelten Zufall. Während eines Wandertags mit der Schule fand ich, bereits Science-Fiction-Fan durch Fernsehserien wie »Raumschiff Enterprise« oder »UFO«, auf einer Bank ein schon leicht durchnässtes und von irgend jemandem liegengelassenes PERRY-Heft. Das habe ich im Laufe des Wandertags bereits im Gehen verschlungen. Und später meinem um einige Jahre älteren Bruder davon erzählt. Denn ich wusste, dass auch er ein Faible für Science Fiction hatte.

Er nickte daraufhin wissend und stellte sich als gelegentlicher PR-Leser heraus. Außerdem erzählte er mir, dass einer seiner Nachbarn sogar Autor der Serie sei – Ernst Vlcek! Das war Ende der siebziger Jahre. Mein Bruder hat mich dann einmal Ernst vorgestellt. Der schritt großzügig zum Schrank und überreichte mir die Hefte eins bis hundert, in verschiedenen Auflagen durchgemischt.

Die habe ich mit Begeisterung gelesen. Und bin dann immer wieder phasenweise in PERRY eingetaucht. Ich bin aber an meinem eigenen Anspruch gescheitert. Eine Weile habe ich nämlich die 4. Auflage parallel zur 1. Auflage gelesen, mit dem Ziel, eines Tages die ganze Serie gelesen zu haben. Das erwies sich in der Praxis neben Schule, Uni, Jobs und anderen Interessen aber leider als undurchführbar, und ich hab irgendwann aufgegeben. Aber ich war immer wieder mal für einen Zyklus mit dabei.

Michael Marcus Thurner: Einen kleinen Fußabdruck im Perryversum hast du als Mitübersetzer des Thoregon-Zyklus ins Englische hinterlassen. Dieser Versuch, in den USA neuerlich Fuß zu fassen, ist leider recht bald gescheitert. Meines Wissens wurden lediglich die Heftromane 1800 bis 1803 übersetzt. Was war denn deine Aufgabe dabei gewesen?

Harald Havas: Durch die 1997 schon existierenden Segnungen des weltweiten Netzes und diverser Online-Foren hatte ich Kontakt zu einem Amerikaner, Dwight Decker, seines Zeichens amerikanischer Übersetzer europäischer Disney-Comics. Klingt seltsam, ist aber so. Wir haben uns immer wieder zu diversen Comic-Themen ausgetauscht. Und als er als Übersetzer von PERRY RHODAN angeheuert wurde, wurde ich sozusagen von ihm als Coach engagiert. Das heißt, ich sorgte für die Aufklärung missverständlicher deutscher Formulierungen und konnte etwas leichter als er Bezüge und Fachausdrücke aus dem Perryversum recherchieren. PERRY war damals noch nicht besonders stark online vertreten.

Das hat mir viel Spaß gemacht, und ich hätte das sicher auch gerne noch weiter betrieben, aber leider war die
amerikanische Ausgabe nicht sehr erfolgreich. Aber immerhin blieb ich dadurch dem »Thoregon«-Zyklus als Leser bis zum bitteren Ende erhalten.