»Freundschaft mit dem Erben des Universums« – Teil zwei Michael Marcus Thurner interviewt Robert Corvus

30. September 2015

Er startete zuerst bei PERRY RHODAN NEO durch, bevor er bei PERRY RHODAN-Stardust auf sich aufmerksam machte: Robert Corvus machte sich einen sehr guten Namen bei den Lesern der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Mit seinem Doppelband, der mit den Nummern 2824 und 2825 erscheint, landet er jetzt auch in der Hauptserie.

Der PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner ergriff die Chance und interviewte den Kollegen. Weil die Antworten so informativ und ausführlich ausfielen, bringen wir das Interview in drei Teilen. Gestern war der erste Teil an der Reihe, heute ist es Teil zwei, und der dritte Teil kommt morgen.

Cover Band 2824 von Swen PapenbrockMichael Marcus Thurner: Du hast bereits im ersten Expo eine Figur zugeteilt bekommen, bei der ich einen richtigen »Wow!«-Effekt hatte. Ohne jetzt allzu viel verraten zu wollen – ich meine Amaya. Wie ist es dir mit ihr gegangen? Gibt es Figuren, bei denen du sofort und intuitiv spürst: »Ja, genau, die stelle ich in den Mittelpunkt, die ist mein Anker«?

Robert Corvus: Solche Figuren gibt es. Neben Amaya war das für mich im Exposé von »Ein Stern in der Dunkelheit« auch Marian Yonder, der Kommandant des Fernerkundungsschiffs, das lange Reisen in den Leerraum unternimmt, um die verlorene Welt des Solsystems zu finden. Er folgt einer Sehnsucht, die wohl viele Science-Fiction-Fans verspüren.

Amaya ist ebenfalls faszinierend, das stimmt. Ich bin mir bei einem bestimmten Hinweis im Exposé nicht sicher, ob mir das Exposéteam damit eine Karotte vor die Nase gehalten hat. Da hieß es, die Innensicht Amayas zu schildern, sei schriftstellerisch sehr anspruchsvoll, und man hätte Verständnis dafür, wenn der Autor (also ich) diese Perspektive meiden sollte. Das hat in etwa den gleichen Effekt, wie einem Kind eine Schachtel Kekse hinzustellen und ihm zu sagen: »Die sind besonders lecker, aber iss nichts davon.« Selbstverständlich gibt es in PERRY RHODAN 2824 nun diese Innensicht, und schon allein, weil Amaya eine Perspektivfigur wurde, ich mich also in ihre spezielle Weltsicht hineinversetzt habe, ist sie für mich eine besonders plastische Figur.

Cover Band 2825 von Swen PapenbrockGenerell bin ich sehr zufrieden damit, dass mir die Exposés die Chance gaben, drei Kernthemen der Science-Fiction zu bearbeiten: künstliche Lebensformen, die Reise in die Weite des unerforschten Weltraums und die Entdeckung einer neuen Welt.

Michael Marcus Thurner: Zumindest in Band 2824 müssen einige Funktionen erklärt werden, bei denen du schon sehr tief in die RHODAN-immanente Technikwelt eintauchen musst. (Ich meine die Posbis.) Wie gut bist du denn mit der Serie vertraut, haben dir diese Passagen Probleme bereitet?

Robert Corvus: Natürlich habe ich den Ehrgeiz, meine Manuskripte so abzugeben, dass sich die enthaltenen Aussagen stimmig in den Serienhintergrund einfügen. Meine hauptsächliche Leseerfahrung von etwa vierhundert Heften liegt so lange zurück, dass sie sedimentiert ist und bei konkreten Fragestellungen kaum noch nützt. Stattdessen helfen die technischen Erläuterungen in den Exposés, die Risszeichnungen und die Einträge im Glossar und dem Kommentar, die in den Heftromanen beigefügt sind. Eine hervorragende Ressource zum Aufspüren von Quellen ist die Perrypedia.

Trotzdem bin ich gerade als Gastautor auf die Hilfe des eingespielten Teams angewiesen. Meine Erfahrung ist hier sehr positiv. Sowohl die Exposéautoren als auch die Redaktion, der Technikexperte, der Erstleser und der Lektor waren sehr hilfreich und haben mir durch ihre Erklärungen und zugeschicktes Material ermöglicht, die notwendigen Anpassungen vorzunehmen, sodass nun hoffentlich keine allzu großen Klopfer mehr enthalten sind und die Fans ihr Serienuniversum wiedererkennen.

Michael Marcus Thurner: Die Bände 2824 und 2825 sind generell sehr komplex. Du bringst unter anderem Angehörige eines Volkes in die Handlung zurück, von denen der PERRY-Leser schon lange nichts mehr gehört hat. Musstest du Romane nachlesen, hast du dich über die Perrypedia informiert?

Robert Corvus: Ich musste und wollte Romane und Exposés nachlesen. Ich habe mir alle Manuskripte beginnend mit PERRY RHODAN 2800 zuschicken lassen, um sie durchzuarbeiten. In der Perrypedia habe ich mich zur KRUSENSTERN informiert und mir die Nummern der Heftromane herausgeschrieben, in deren Handlung dieses Raumschiff auftaucht. Auch diese habe ich (in Manuskriptform) sofort bekommen. Im ersten Schwung waren das etwa zehn, im Zuge meiner Recherche habe ich dann noch ungefähr fünf nachgefordert.

Zusammen mit den Manuskripten ab 2800 habe ich damit über dreißig Heftromane durchgearbeitet, um meine zwei schreiben zu können. Dabei habe ich mir Notizen gemacht, einerseits zu Gegebenheiten des Perryversums (die Stilllieder haben mir sofort gefallen) als auch zu Spezifika der KRUSENSTERN. Ich habe zum Beispiel eine Liste aller namentlich genannten Besatzungsmitglieder erstellt und später als kleines Dankeschön in der Perrypedia die noch fehlenden Posbis ergänzt.

Trotzdem hat mich Kollege Leo Lukas hinter die Fichte geführt. Er hat Madame Ratgeber ein lachsrosafarbenes Posbi-Plasma gegeben. Ich hatte mir diese Färbung als Faktum für alle Posbis notiert, wurde dann aber nach Manuskriptabgabe eines Besseren belehrt. Damit hatte ich die Chance, meine Fehlannahme zu korrigieren. Madame Ratgebers Plasma ist noch immer rosafarben, was wir damit erklären, dass sie ein wenig exzentrisch ist und es färbt. Bei den anderen Posbis hat das Plasma inzwischen die gewohnt bräunlich-bläuliche Farbe.