»Freundschaft mit dem Erben des Universums« – Teil eins Michael Marcus Thurner interviewt Robert Corvus

29. September 2015

Er startete zuerst bei PERRY RHODAN NEO durch, bevor er bei PERRY RHODAN-Stardust auf sich aufmerksam machte: Robert Corvus machte sich einen sehr guten Namen bei den Lesern der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Mit seinem Doppelband, der mit den Nummern 2824 und 2825 erscheint, landet er jetzt auch in der Hauptserie.

Der PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner ergriff die Chance und interviewte den Kollegen. Weil die Antworten so informativ und ausführlich ausfielen, bringen wir das Interview in drei Teilen. Heute ist der erste Teil an der Reihe, die Teile zwei und drei folgen morgen und übermorgen.

Cover Band 2824 von Swen PapenbrockMichael Marcus Thurner: Deiner Biographie auf robertcorvus.net entnehme ich, dass du bereits in der Jugend PERRY RHODAN gelesen hast. Ich kann mich an meine eigene Gefühlslage erinnern, als ich das erste Mal für den Verlag schreiben durfte. Es war ein überwältigendes Gefühl, von der Leser- zur Autorenseite rüberwechseln zu dürfen. Ist es dir ähnlich gegangen, wie fühltest du dich? Oder gab es nach der Arbeit an deinen NEO-Romanen keine große Aufregung mehr?

Robert Corvus: Statt eines großen Sprungs habe ich drei kleine Schritte gemacht. Zuerst durfte ich mich bei NEO einbringen. Das hat sich tatsächlich wie eine Rückkehr zu den Sternen angefühlt, die mich in meiner Jugend in die Weiten der Science Fiction gelockt haben. Dasselbe Gefühl des Staunens, des Aufbruchs und Entdeckens war wieder da.

Dann bekam ich Gelegenheit, bei der Miniserie PERRY RHODAN-Stardust mitzumischen. Dabei habe ich den wesentlichen Unterschied zwischen NEOversum und Perryversum ausgemacht. Bei NEO, das nah an unserer Gegenwart angesiedelt ist, lautet die Frage, welche Möglichkeiten die neue Technologie den Figuren eröffnet. Im Perryversum dagegen fragt man sinnvollerweise umgekehrt: An welche Grenzen stößt diese weit fortgeschrittene Technologie noch?
Die Handlungsbögen waren in der Stardust-Miniserie gut überschaubar, und insbesondere das initiale Arbeitstreffen bei Uwe Anton hat mir geholfen, mich einzufinden.

Cover Band 2825 von Dirk SchulzDeswegen hatte ich auch eine Vorstellung von der Aufgabe, die sich mir mit einem Gastbeitrag in der Hauptserie stellte. Die Verflechtungen sind komplexer, aber den Geruch des Serienuniversums hatte ich bereits in der Nase. Dennoch bleibt der Doppelband etwas Besonderes für mich, nämlich die 2317te und 2318te Fortsetzung von PERRY RHODAN 507, »Zwischenspiel auf Tahun«, mit dem damals meine Freundschaft mit dem Erben des Universums begann.

Michael Marcus Thurner: Für PERRY RHODAN NEO hast du fünf Beiträge abgeliefert und schon mal Bekanntschaft mit den Serien-Mechanismen gemacht. War das Arbeiten mit den PERRY RHODAN-Expos für dich also »business as usual« oder dann doch wieder Neuland?

Robert Corvus: Früher habe ich als Organisationsberater gearbeitet. Wenn ich jeweils ein Ablaufdiagramm für die Entstehung eines PERRY RHODAN NEO, eines PERRY RHODAN-Stardust und eines PERRY RHODAN erstellen würde, würden sich diese kaum unterscheiden. Da aber bis auf die Konstante Klaus N. Frick andere Personen die beteiligten Rollen ausfüllen, gestaltet sich die Praxis dann doch etwas unterschiedlich. Mit Frank Borsch habe ich viel telefoniert, bei Uwe Anton gab es das Arbeitstreffen zu Beginn der Miniserie, und beim Gastbeitrag in der Hauptserie lief bis auf eine kurze telefonische Rückfrage alles per Mail.

Auch die Exposés sehen ein bisschen unterschiedlich aus. Bei NEO steht zum Beispiel unter jeder Szene, welche der beteiligten Figuren sich duzen und welche sich siezen. Im Perryversum kann das entfallen, weil es die Anrede »Sie« nicht mehr gibt. Auch arbeitet das Exposéteam der Hauptserie verstärkt mit Abbildungen, um einen Eindruck von Schauplätzen und Protagonisten zu vermitteln.

Summa summarum bin ich mit allen Stilen gut zurechtgekommen. Wichtiger als die Formalia eines Exposés ist mir, dass ich mich möglichst früh in die Stoffentwicklung einbringen kann. Das hat in jedem Kontext geklappt, ich durfte immer bereits die Exposéentwürfe anschauen und meine Meinung dazu äußern, die auch stets in die Endfassung eingeflossen ist. Man kann sich das also besser als iterativen, kollegialen Prozess vorstellen denn als strenge Sequenz.

Michael Marcus Thurner: Kommen wir zum eigentlichen Anlass dieses Interviews, zu deinen PERRY RHODAN-Romanen mit den Nummern 2824 und 2825. Ein Doppelband, der an einen Gastautor vergeben wird, ist eine Novität (abgesehen von jenen Romanen Andreas Eschbachs, die in einen Mini-Zyklus mit vier Romanen eingebettet waren). Hast du darum gebeten, oder wurde dir dieses Angebot von den Expokraten gemacht?

Robert Corvus: Das war mein Wunsch. Abgesehen von PERRY RHODAN schreibe ich beinahe nur Paperbacks und Taschenbücher im Umfang von 600.000 Anschlägen und mehr. Schon ein NEO mit seinen 300.000 Anschlägen ist für mich ungewohnt kurz, umso mehr das übliche Heftromanformat von grob 185.000 Anschlägen. Bei PERRY RHODAN-Stardust durfte ich bereits einen Doppelroman beisteuern; das hat gut geklappt, deswegen schwebte mir das auch für meinen jetzigen Beitrag vor.

Da ich nicht aus der Mitte der aktuellen Leserschaft komme, ist für mich das eigentliche Schreiben der Rohfassung nicht der Hauptarbeitsblock. Dieser liegt vielmehr in der Recherche. Auch deswegen ist es für mich effizient, einen thematisch zusammenhängenden Doppelband zu schreiben.

In der ersten Vorüberlegung sollte das KRUSENSTERN-Abenteuer nur zwei Heftromane umfassen; erst später kam das Exposéteam zu dem Schluss, dass die Geschichte besser in vier Episoden erzählt werden kann. Mein erster Reflex war daraufhin, anzubieten, alle vier zu schreiben. Ich habe dann aber in der Perrypedia gesehen, dass ein Viererband bei PERRY RHODAN nur einmal vorkam, nämlich bei Ernst Vlcek. Mir war zuvor nicht bewusst, dass es sich um eine solche Besonderheit handelt. Als ich das gelesen habe, erschien mir das Angebot unpassend, sodass ich davon Abstand genommen habe.