»Es ist schon so etwas wie eine Adelung« – Teil zwei Michael Marcus Thurner im Interview mit dem PERRY RHODAN-Gastautor Oliver Fröhlich

3. Januar 2014

Nach seinen ersten Beiträgen für PERRY RHODAN NEO, die nicht nur den Kollegen, sondern ebenso den Lesern gut gefielen, konnte Oliver Fröhlich auch in der PERRY RHODAN-Serie sein Können zeigen: Sein Roman »Das Venus-Team« erschien am 13. Dezember 2013, es war Band 2730 der laufenden Serie.

Grund genug für den PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner, den Kollegen einmal ein wenig zu befragen. Er veröffentlichte das Interview auf seiner eigenen Internet-Seite; bei unserer PERRY RHODAN-Seite kommt es jetzt mit einiger Verspätung. Und da es recht lang ist, bringen wir es in zwei Teilen – der erste Teil kam gestern, hier ist der zweite Teil.

Michael Marcus Thurner: Kommen wir zum eigentlichen Inhalt des Romans, und natürlich wollen/dürfen wir nicht zu viel darüber verraten. :) Du hattest einige sehr bekannte Persönlichkeiten aus dem PERRY RHODAN-Kosmos zur Verfügung, aber auch welche, die neu waren (nennen wir diese Leute mal »das Eliteteam«). Welche der beiden Gruppen waren für dich schwerer zu handhaben?

Oliver Fröhlich: Das kam auf die jeweiligen Szenen an. Grundsätzlich sind neue Figuren natürlich leichter zu handhaben, weil niemand sie bisher kennt. Andererseits kennt man sie auch selbst noch nicht, kann also nicht auf Altwissen zurückgreifen. Hinzu kommt, dass ich das Eliteteam erst mal nicht so getroffen habe, wie es gewünscht gewesen wäre.
Also musste ich hier noch mal tüchtig nacharbeiten, und nun finde ich den Trupp richtig klasse. Lass es mich andersherum beantworten: Die Szene, die mir beim Schreiben am meisten Spaß gemacht hat, ist mit bekanntem Personal besetzt.

Michael Marcus Thurner: Auch die Welt, auf der deine Geschichte spielt, ist von früheren Autoren vordefiniert worden. Du bewegst dich sozusagen auf geschichtsträchtigem Terrain. War das für dich eine Belastung oder warst du froh, dich auf diese Beschreibungen »draufsetzen« zu können?

Oliver Fröhlich: Ich fand es schön, einen bereits bekannten Schauplatz für mich selbst erforschen zu dürfen. Allerdings gab es von dieser Welt nur zwei oder drei Außenansichten. Der Rest spielt »drinnen«, also in Häusern oder Raumschiffen, wodurch es auf das Terrain selbst gar nicht mehr so ankam. Es hätte also genauso gut der Planet Yramollaronia sein können (und jetzt sag nicht, den gibt’s im Perry-Kosmos schon!).

Michael Marcus Thurner: Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es nicht leicht ist, den typischen RHODAN-Ton zu treffen. Wie bist du mit Deiner Arbeit zufrieden? Gab es Schwierigkeiten, gab es besondere Knackpunkte?

Oliver Fröhlich: Das Angebot, den Band schreiben zu dürfen, kam leider in einer Zeit, in der ich ohnehin schon im Stress steckte. Trotzdem hätte ich es mir nie verziehen, wenn ich abgelehnt hätte. Deshalb gab es durchaus Schwierigkeiten beim Schreiben. In der Hektik sind mir ein paar Szenen nicht so gut gelungen und folgerichtig um die Ohren geflogen.
Glücklicherweise gibt es genug offene Augen im Verlag, deren Besitzer einen darauf aufmerksam machen, wenn Passagen nicht funktionieren. Nachdem ich den Roman noch einmal überarbeitet habe, bin ich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Wie sehr ich zufrieden sein darf, entscheiden aber die Leser.

Michael Marcus Thurner: Du warst bei meinem Schreibcamp, wir haben dort auch viel über Kritik und Selbstreflektion diskutiert. Kritisiert zu werden ist mitunter eine sehr schmerzhafte Angelegenheit. Wie kommst du persönlich mit diesem Thema zurecht?

Oliver Fröhlich: Wie kann man das am besten beantworten? Ich könnte sagen, dass mich Kritik kalt lässt. Denn wenn ich sie für nicht gerechtfertigt halte, braucht sie mich nicht zu jucken, und wenn sie gerechtfertigt ist, kann ich daraus nur lernen. Ich muss aber gestehen, das wäre gelogen. Tatsächlich ärgere ich mich jedes Mal, wenn ich Kritik erhalte. Wenn ich sie für nicht gerechtfertigt halte, dann deshalb, weil ich sie für nicht gerechtfertigt halte. Wenn sie aber gerechtfertigt ist, ärgere ich mich über mich selbst, weil ich Anlass zu gerechtfertigter Kritik gegeben habe.
Je nachdem, wie heftig die Kritik ausfällt, bin ich unterschiedlich lange geknickt. Wenn diese (zwischen fünf Minuten und fünf Tagen liegende) Zeitspanne aber vorüber ist, bin ich dankbar für die Kritik und versuche, etwas daraus zu lernen. Man muss es einfach so hart sagen: Nur durch Kritik können wir lernen, weil wir uns bemühen, diesen Schmerz nicht wieder spüren zu müssen.

Michael Marcus Thurner: Du arbeitest mit einem Schreibprogramm, das für die Bedürfnisse von Autoren zurechtgeschneidert wurde, mit »papyrus«, in das unter anderem Ideen sowie Vorschläge von Andreas Eschbach integriert wurden und werden. Du scheinst begeistert davon zu sein. Erzähl bitte ein bissl was über die Vorteile und die Möglichkeiten des Programms ...

Oliver Fröhlich: Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob ich das Programm in der Breite ausnutze, in der es möglich wäre. Nein, lass mich das korrigieren: Ich weiß, dass ich es nicht tue! Aber selbst die Funktionen, die ich nutze, begeistern mich. Ich finde beispielsweise die Rechtschreibkontrolle hervorragend, weil hier der Duden-Korrektor integriert ist und nicht erst draufinstalliert werden muss. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber mir kommt es vor, als führe das zu einem Geschwindigkeitsgewinn. Außerdem ist das Synonymwörterbuch sehr umfangreich.
Dann gibt es aber auch kleinere Funktionen, die in der Summe überzeugen. Zum Beispiel öffnen sich pap-Dateien immer an der Stelle, an der man sie verlassen hat. Dann gibt es da noch die Klemmbretter neben dem Schreibblatt, auf die man wunderbar Notizzettel kleben kann, die man dann immer im Blick hat. Früher habe ich noch echte Notizzettel benutzt, die hatten aber die schlechte Angewohnheit, zu verschwinden und erst wieder aufzutauchen, wenn das Manuskript bereits abgegeben war. Außerdem kann man sich Schreibziele setzen. Papyrus zeigt einem dann stets an, wie viel man noch bis zu seinem Ziel schreiben muss.

Michael Marcus Thurner: Soweit ich es überblicken kann, handelt es sich mit PR 2730 vorerst einmal um einen Gastroman, den du für die Erstauflage abgeliefert hast, bei PR NEO hast du, wie gesagt, deinen Stammplatz. Wo soll dich denn deine schriftstellerische Entwicklung hinbringen? Möchtest du auch mal serienunabhängig schreiben, eigene Bücher veröffentlichen?

Oliver Fröhlich: Fragen, auf die ich die Antworten selbst gerne kennen würde. Ich mache mir da vorsichtshalber gar nicht so viele Gedanken. Im Augenblick genieße ich den Luxus, so viele Angebote zu haben, dass ich auch immer mal was ablehnen muss (es aber leider noch nicht gut genug kann ... da arbeite ich noch dran). Ich lass mich einfach überraschen, was ich noch alles machen darf. Oder wie mein Opa schon immer sagte: »Wie es kommt, so wird es gefressen.«
Serienunabhängig schreiben wäre auch mal was. Wie du dank des Schreibcamps weißt, gibt es da auch die eine oder andere Idee. Ob ich sie jemals umsetze, ist aber wohl auch eine Zeitfrage. Auch hier lasse ich mich überraschen, was die Zukunft so bringt.