»Es ist schon so etwas wie eine Adelung« – Teil eins Michael Marcus Thurner im Interview mit dem PERRY RHODAN-Gastautor Oliver Fröhlich

2. Januar 2014

Nach seinen ersten Beiträgen für PERRY RHODAN NEO, die nicht nur den Kollegen, sondern ebenso den Lesern gut gefielen, konnte Oliver Fröhlich auch in der PERRY RHODAN-Serie sein Können zeigen: Sein Roman »Das Venus-Team« erschien am 13. Dezember 2013, es war Band 2730 der laufenden Serie.

Grund genug für den PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner, den Kollegen einmal ein wenig zu befragen. Er veröffentlichte das Interview auf seiner eigenen Internet-Seite; bei unserer PERRY RHODAN-Seite kommt es jetzt mit einiger Verspätung. Und da es recht lang ist, bringen wir es in zwei Teilen – der zweite Teil kommt dann morgen.

Michael Marcus Thurner: Oliver, du hast eine Karriere als Autor durchgemacht, die dich vom Online-Fanzine »Zauberspiegel« über Bastei-Serien bis zum Gastspiel bei der PERRY RHODAN-Erstauflage geführt hat. Erzähl doch bitte mal, wie das beim »Zauberspiegel« war und für welche Serien du danach geschrieben hast.

Oliver Fröhlich: Beim »Zauberspiegel« habe ich für die Online-Serie »Der Hüter« geschrieben. Gleichzeitig habe ich Artikel und Rezensionen verfasst und Autoren aus dem Heftromanbereich interviewt. So lernte ich ein paar von ihnen besser kennen. Dadurch ergab es sich eines Tages, dass der leider viel zu früh verstorbene Volker Krämer mich fragte, ob ich nicht mal einen Band zu »Professor Zamorra« beisteuern wolle. Natürlich wollte ich.
Danach kamen »Dorian Hunter«, »Maddrax«, »2012 – Jahr der Apokalypse« und PERRY RHODAN NEO. Außerdem habe ich für ATLAN und »Bad Earth« jeweils einen Roman beigesteuert. Demnächst werde ich erstmalig einen Beitrag für »Das Haus Zamis« schreiben. Na ja, und dann ist da natürlich der Roman für die PERRY RHODAN-Erstauflage, den du erwähnt hast.

Michael Marcus Thurner: Du bist – noch – kein hauptberuflicher Autor. Hast du Ambitionen, Deinen (sicheren) Arbeitsplatz irgendwann mal aufzugeben und zur Gänze in die Selbständigkeit zu rutschen?

Oliver Fröhlich: Das kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Denn dann würde das, was ich jetzt als Hobby mache, plötzlich zum Beruf – und ich müsste mir ein neues Hobby suchen.

Michael Marcus Thurner: Wir beide hatten vor einigen Jahren schon mal miteinander zu tun. Ich habe dir ein Expo für ein ATLAN-Taschenbuch geschrieben, das großteils auf einer Lavawelt spielte. Wenn du möchtest, kannst du bei dieser Gelegenheit mal über den Expo-Autoren schimpfen.

Oliver Fröhlich: Dieses Angebot kommt ein paar Jahre zu spät. Inzwischen habe ich mich nämlich längst wieder beruhigt. ;) Im Ernst: Als ich das Expo gelesen habe, war ich erst mal entsetzt, weil es gemessen am Umfang des Romans, der daraus entstehen sollte, so verdammt kurz war. Also habe ich es wieder und wieder und wieder gelesen und dann gleich noch einmal. Allmählich sind ein paar Nebenideen aufgetaucht.
Als ich den Band dann schrieb, haben sich plötzlich Verbindungen und Verwicklungen ergeben, die das Expo so gar nicht vorgesehen hatte. In dieser Phase war ich begeistert von dem Expo, weil es mir so viele Freiheiten ließ. Als der Roman sich dann dem geforderten Umfang näherte und ich noch immer viele Handlungsfäden offen hatte (eigene und vorgegebene), habe ich das Expo wieder verflucht, weil es mich nicht besser gezügelt hat.
Im Nachhinein bin ich aber froh, dass es so war, wie es war, und ich mir ein paar verschrobene Sachen ausdenken konnte.

Michael Marcus Thurner: Bei PERRY RHODAN NEO kristallisiert sich allmählich eine Stamm-Autorenschaft heraus, zu der ich dich auch zählen möchte. Wie funktioniert da die Zusammenarbeit, wie intensiv ist der Gedankenaustausch mit den Kollegen bzw. mit Frank Borsch?

Oliver Fröhlich: Frank achtet darauf, dass man sich mit einem Expo wohlfühlt. Deshalb ist der Gedankenaustausch von den ersten Handlungsideen bis zum fertigen Expo sehr intensiv. Auch danach kann man mit Fragen oder Anregungen jederzeit zu ihm kommen. Nach der Fertigstellung der ersten Fassung wird es dann noch mal intensiver, weil Frank einem sehr viele Anregungen gibt, wo und wie man den Text verbessern kann.
Der Gedankenaustausch mit den Kollegen fällt naturgemäß nicht so intensiv aus, aber auch da ist natürlich der Kontakt vor allem mit den Autoren des Vor- oder des Folgebandes stets da.

Michael Marcus Thurner: Die Manuskriptlänge bei NEO ist recht ungewöhnlich. Kommst du damit zurecht?

Oliver Fröhlich: Nein. Das liegt aber nicht an NEO, sondern daran, dass sich bei mir irgendwie jede Manuskriptlänge aufs Ende zu als zu kurz erweist. Selbst wenn 1.000.000 Anschläge gefordert wären, würde ich bei 950.000 zu jammern beginnen, dass noch so viel Handlung übrig ist.

Michael Marcus Thurner: Nun hattest du die Möglichkeit, mit Band Nummer 2730 einmal in die PERRY RHODAN-Erstauflage reinzuschnuppern. Wie ist denn so dein Eindruck? Wie beurteilst du die Expos, wie kommst du mit dem ganzen Drumherum zurecht? Das ist doch anders als bei anderen Serien, bei denen du sonst mitarbeitest ...

Oliver Fröhlich: Die Expos kenne ich ja schon länger, weil ich einer der geheimnisumwitterten Testleser der Expokraten bin. Insofern war zumindest das nichts Neues für mich. Verrate ich zu viel, wenn ich sage, dass das Expo etwas länger war als das, das ich einst für ein ATLAN-Taschenbuch bekommen habe – und das, obwohl der Roman nur ein Drittel der Länge haben sollte? Ja? Na, dann verschweig ich es lieber.
Grundsätzlich gefallen mir die Expos aber sehr gut, weil selbst in ihnen schon häufig die Spannung zu spüren ist, die dann später auch im Roman vorherrscht. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, dass sich mir diese Chance geboten hat, denn einen Roman für die PR-Erstauflage schreiben zu dürfen, ist schon so etwas wie eine Adelung.

(Soweit das Interview für heute. Teil zwei folgt morgen.)