»Es ist auf jeden Fall eine große Ehre« – Teil 2 Interview mit Michelle Stern

12. März 2015

»Zeitriss« – so lautet der Titel für den PERRY RHODAN-Band mit der Nummer 2800. Es ist ein Jubiläumsband, der Einstieg in einen neuen Handlungsabschnitt, und es ist der erste Jubiläumsband der Serie, der von einer Autorin verfasst worden ist.

Gründe genug also, mit Michelle Stern, der Autorin des Romans, ein Interview zu führen. Das übernahm ihr Kollege Michael Marcus Thurner. Wegen seiner Länge veröffentlichen wir das Interview in zwei Teilen – gestern war der erste Teil dran, heute ist es der zweite.

Michael Marcus Thurner: Ein Jubiläumsband hat stets die Aufgabe, auf kommende Handlungsebenen vorzubereiten, neuen Lesern den Einstieg zu erleichtern und für Altleser eine dennoch spannende Handlung zu bieten. Wir reden von der eierlegenden Wollmilchsau für Romanautoren. Wie bist du mit diesem Problem umgegangen?

Michelle Stern: Ich habe mich stark auf einige wenige Figuren beschränkt, die ich im Fokus habe. Besonders am Anfang war es mir wichtig, den Leser abzuholen, egal, wo er gerade steht. Deshalb habe ich mich für einen eher ungewöhnlichen Einstieg entschieden, der zumindest in den ersten Absätzen in einer vertrauten Umgebung spielt, die jeder aus dem Fernsehen oder eigener Erfahrung kennt. Sozusagen ein Wohnzimmer, in das dann das Ungewöhnliche einbricht. Ich wollte nicht zu viele fremde Elemente in den ersten Sätzen.

Michael Marcus Thurner: Du hast in Band 2800 einige prominente Zellaktivatorträger im Einsatz, und wir verraten wohl kein großes Geheimnis, wenn wir ausplaudern, dass der Fokus auf Perry Rhodan liegt. Wie bist du mit der Figur denn diesmal zurechtgekommen?

Michelle Stern: Sehr gut, wobei es bei der Beschreibung einer Figur und dem Eintauchen in ihre Psyche ja gerade bei PERRY RHODAN verschiedene Fraktionen gibt. Ich gehöre eher zu der Fraktion, die mit wenigen Pinselstrichen arbeitet und ich habe mich bemüht, Perry aktiv dazustellen, als Held, der etwas tut.

Michael Marcus Thurner: Wir lernen in Band 2800 ein neues Volk kennen, von dessen Lebensweise ich persönlich höchst fasziniert bin. Es handelt sich um die sogenannten Tiuphoren. Gefallen sie dir ähnlich gut wie mir?

Michelle Stern: Puh. Gut gefallen ist relativ. Sie sind auf jeden Fall interessant entworfene Außerirdische. Unter ihnen leben wollte ich nicht.

Aktuell tauche ich immer tiefer in die Science Fiction an sich ein, die ja unglaublich viele Facetten hat. Auch wenn ich jetzt vielleicht etwas verrate: Obwohl ich ein großer Mittelalter-Fan bin und jahrelang historischen Schwertkampf trainiert habe, mag ich in der Science Fiction momentan keine mittelalterlichen Begrifflichkeiten. Aber das tut dem kreativen Potenzial, das in diesen Wesen steckt, keinen Abbruch. Die Expokraten haben da mal wieder ein schönes Ideenfeuerwerk gezündet, und wie Frank Borsch es nennen würde: Das sind Ermessensfragen. Die einen lieben die mittelalterlichen Anklänge, die anderen eben nicht.

Michael Marcus Thurner: Zwei der Haupthandlungsträger erfahren gewisse Änderungen. Es ist immer schwer, gut eingeführte Figuren umzumodeln, auch wenn die Änderungen nur marginal sind. Hattest du Probleme mit der Neuformulierung der beiden?

Michelle Stern: Das war durchaus schwierig. Ich habe lange überlegt, wie ich die Veränderung der einen Figur inszenieren möchte. Zur anderen musste ich mir weniger Gedanken machen, da deren Veränderung nicht in den Vordergrund gespielt werden sollte – wenigstens legte das Expo das für mich nicht nah.

Michael Marcus Thurner: Wie bist du generell mit der Führung der Expokraten zurechtgekommen, mit den Inhalten, die sie vorgegeben haben?

Michelle Stern: Es hat mich überrascht, wie actionlastig die Inhalte sind. Es gibt eine Menge äußerer Handlung aber auch eine Vielzahl an Informationen und an Vorbereitungen für den neuen Zyklus. Letztlich denke ich, dass diese beiden Elemente ausgewogen sind.

Gerade am Romananfang gab es noch einiges an Strukturarbeit zu leisten, dass sowohl Spannung in den einzelnen Szenen da ist, als auch, dass ein Neu- und Wiedereinstiegsleser nicht überfordert wird. Im hinteren Teil dagegen gab es Szenen, die sich aufgrund der Vorgaben wie von selbst schrieben.

Michael Marcus Thurner: Zum Abschied noch eine Frage zu deiner beruflichen Karriere: du konzentrierst dich derzeit sehr auf die Zusammenarbeit mit der PERRY RHODAN-Redaktion. Wie sieht denn deine Planung für die Zukunft aus? Arbeitest du derzeit auch wieder mal an eigenen Projekten?

Michelle Stern: Nein, an eigenen Projekten arbeite ich gerade nicht. Als ich das Exposé gelesen habe und das Datenblatt zu den neuen Außerirdischen, die du erwähnt hast, habe ich richtig Lust bekommen vielleicht irgendwann selbst einen eigenen Science-Fiction-Roman zu schreiben. Momentan lese ich gerade Peter F. Hamilton, und ich liebe seine Aliens. Es wäre großartig, auch einmal derart detaillierte, exotische Wesen zu entwerfen. In einem Team ist das schwierig, da jeder sie hinterher anders darstellen könnte. Jedenfalls stelle ich es mir schwierig vor.

Aber das ist eher eine Liebhaberei, ein Kokettieren mit der Idee. Allgemein bin ich mit PERRY RHODAN sehr glücklich und kann mich da schriftstellerisch gut ausleben.