»Es geht um die Tiefe der Persönlichkeit« – Teil eins Interview mit Michael Marcus Thurner

18. Januar 2017

Mit »Schule der Mutanten« verfasste Michael Marcus Thurner einen der grundlegenden Romane von PERRY RHODAN NEO, weitere Beiträge für die Serie folgten. Nachdem man lange Zeit von ihm in dieser Serie nichts mehr gehört hatte, ist er jetzt zurück: Der in Wien lebende Autor verfasste den Startband zur nächsten Handlungsstaffel – bekanntlich beginnt mit Band 141 die »METEORA«-Staffel.

Grund genug, mit dem Schriftsteller ein Interview per Mail zu führen. Die Fragen stellte Klaus N. Frick. Wegen seiner Länge kommt das Interview in zwei Teilen: heute Teil eins, morgen Teil zwei.

Klaus N. Frick: Nach langer Pause bist du zu PERRY RHODAN NEO zurückgekehrt. Warum hat das so lang gedauert?

Michael Marcus Thurner: Da gibt’s ein ganzes Potpourri an Gründen. Ich hatte in den letzten drei Jahren mehrere Projekte im Fantasy-Bereich am Laufen, die ich unbedingt abschließen wollte. Ich durfte darüber hinaus eine Vielzahl an Romanen für die PERRY RHODAN-Erstauflage schreiben – und ich veranstalte zwei Mal im Jahr intensive Schreibcamps, die zusätzlich an meinem Zeitpolster knabbern.

Aber es wäre billig, würde ich’s nur auf den Zeitmangel schieben. Ich hatte mit meinem letzten Beitrag, das war Band 39, »Der König von Chittagong«, einige Probleme. Der Expokrat Frank Borsch war mit der Erstversion genauso wenig zufrieden wie ein gewisser Chefredakteur – und ich selbst auch nicht. Es war damals, denke ich, eine gute Entscheidung, es mit PERRY RHODAN NEO mal bleiben zu lassen und mich auf die PERRY RHODAN Erstauflage zu konzentrieren. Ich hatte Probleme, mich in zwei Universen hineinzudenken, die immer weiter auseinander drifteten.

Umso schöner ist jetzt die Rückkehr. Witzigerweise bin ich just beim Schreiben einer Kurzgeschichte wieder auf den Geschmack gekommen, die in Band 10 der Platin-Edition veröffentlicht wurde – und in der es um »Der König von Chittagong« geht.

Klaus N. Frick: Du hast den Auftakt zu einer neuen Handlungsstaffel geschrieben. Fiel dir das leicht, oder war der Wiedereinstieg schwierig?

Michael Marcus Thurner: Es war sehr einfach für mich. Vor allem, weil mir Michael H. Buchholz und Rüdiger Schäfer ein Exposé vorgelegt hatten, das meinen Vorlieben mit vielen Handlungsfreiheiten entsprach und das es nicht erforderte, allzu viel nachzulesen. Denn ich hatte mich bei NEO während der letzten Jahre nur peripher informiert gehalten.

Klaus N. Frick: Kannst du in zwei, drei Sätzen umreißen, was in diesem Roman eigentlich das Thema ist?

Michael Marcus Thurner: Das ist leicht erklärt: Perry Rhodan wird auf mysteriöse Weise aus seinem gewohnten Umfeld gerissen und findet sich auf einer völlig fremden Welt wieder, gefangen zwischen zwei Machtblöcken, die sein Auftauchen politisch zu ihrem jeweiligen Vorteil nutzen möchten.

Da es sich bei Band 141 um den Auftakt der neuen Zehner-Staffel mit dem Titel »METEORA« handelt, wird Perry Rhodan auch mit einer neuen Herausforderung konfrontiert, die ES ein wenig in den Mittelpunkt rückt. Mir gefällt besonders gut, dass ich ein klassisches Einzelabenteuer mit »kosmischem Hauch« anzuckern durfte.

Klaus N. Frick: Wie unterscheidet sich eigentlich der Perry Rhodan der Erstauflage von dem Perry Rhodan bei NEO? Oder machst du da keine Unterschiede?

Michael Marcus Thurner: Oberflächlich betrachtet, geht es um die Tiefe der Persönlichkeit Perry Rhodans beziehungsweise um sein Alter und um die schiere Menge seiner Erfahrungen. In NEO ist er längst noch nicht so gefestigt wie in der Erstauflage.

Um ehrlich zu sein, ist Perry in der Erstauflage manchmal verdammt schwer durch eine Romanhandlung zu geleiten, weil er nun mal jedes Gefahrenmoment bereits x-fach erlebt und überlebt hat. Bei NEO ist er noch – relativ – unerfahren. Er darf Fehler machen. Ihm fehlt Hintergrundwissen. Er darf aktiver mitwirken. Das war für mich bei NEO 141 eine sehr angenehme Erfahrung.