»Ein Umfang von 24 Heftromanen« – Teil 2 Ein Interview mit Rainer Castor zu seinen 800 PERRY RHODAN-Kommentaren

9. Juli 2014

Ein Jubiläum ganz besonderer Art konnte dieser Tage der PERRY RHODAN-Autor Rainer Castor feiern. Ein Grund für seinen Wiener Autorenkollegen Michael Marcus Thurner, ihn per Mail zu befragen. Da das Interview so umfangreich ist, bringen wir es in zwei Teilen. Heute kommt der zweite Teil, gestern veröffentlichten wir den ersten Teil.


Michael Marcus Thurner: Gab es im Laufe der Jahre Kommentare, die dir besonders am Herzen lagen?

Rainer Castor: Bei nun mehr als 800 insgesamt gab es im Laufe der Zeit zweifellos solche – ich kann rückwirkend aber beim besten Willen nicht sagen, welche das nun waren. Wichtig ist vor allem aber, dass der jeweils aktuell anstehende »hinhaut« und in der vorgegebenen Länge passt. Vor diesem Hintergrund gilt also gewissermaßen: Besonders am Herzen liegt mir stets der, der gerade zum Schreiben ansteht. *ggg*


Michael Marcus Thurner: Kam es auch schon mal vor, dass du bestimmte Gedanken, die du in PRKs verarbeitet hattest, später auch in Heftromane übernommen hast? Weil sie dir wichtig erschienen oder sie dich gereizt haben?

Rainer Castor: Durchaus – es ist ja keine Arbeit im luftleeren Raum, sondern eines bedingt das andere. Somit fließen in den PRKs angesprochene Dinge ebenso ein, wie es umgekehrt die Heftinhalte sind, die bei Kommentaren aufgegriffen werden.


Michael Marcus Thurner: Gehen wir zu den Anfangstagen deiner Arbeit für die PRKs zurück. Wie schwer fiel es dir denn, dich »freizuschwimmen«? Deine Vorgänger Terrid oder Mahn hatten ja ganz eigene Vorstellungen von dieser Arbeit oder, um es mal so zu nennen, sie hatten eigene »Stimmen«. Musstest du dich erst von ihnen emanzipieren?

Rainer Castor: Erstaunlicherweise eigentlich nicht. Die Übernahme von Peter Terrid erfolgte ja leider aus tragischem Anlass – und es standen, wenn ich es noch richtig im Kopf habe, gleich aus Termingründen einige Texte an. Ich hatte da gar keine Zeit, großartig nachzudenken, sondern habe einfach losgelegt. Mit der jeweiligen Themenwahl verband sich quasi automatisch meine Art zu schreiben – und daran hat sich eigentlich nichts geändert.

Abgesehen davon: Es hätte auch nichts gebracht bzw. wäre sogar ein fataler Fehler gewesen, beispielsweise irgendwelche Eigenarten der Vorgänger nachahmen zu wollen. Insbesondere Wolfpeter hatte eine ganz eigene Art der Herangehensweise, die nun mal die von Peter Terrid war und nicht die von Rainer Castor. Vergleichbares gilt für Kurt Mahr als Begründer der Reihe.


Michael Marcus Thurner: Kommen wir zu deinem nächsten PERRY RHODAN-Roman. Er wird mit der Nummer 2769 erscheinen, also im September. Wie fühlt sich's denn so an, nach mehr als zwei Jahren wieder mal ein Manuskript zu schreiben?

Rainer Castor: Abgesehen davon, dass es sogar schon fast vier Jahre sind (seufz – PERRY RHODAN 2576 war mein Letzter), ist es unter dem Strich dann doch nicht gar so fremd, wie es vielleicht auf den ersten Blick wirken mag. Ich bin ja nicht »aus dem Schreiben raus«, da mit den Kommentaren ständig neue Texte entstehen oder beispielsweise bei den ATLAN-Blauband-Bearbeitungen auch Passagen von mir einfließen. Und dass jeder neue Roman ohnehin eine Herausforderung ist, die gemeistert sein will, dürfte eine Binsenweisheit sein.


Michael Marcus Thurner: Du giltst als einer DER Arkoniden-Spezialisten im Team, und nachdem die Sehnsucht der Leser nach einem ganz bestimmten Vertreter dieses Volkes schon sehr groß ist, muss ich diese Frage stellen: Wirst du mit deinem Roman Atlan in die PERRY RHODAN-Handlung zurückbringen?

Rainer Castor: So leid es mir tut – nein.


Michael Marcus Thurner: Ich gestehe, ich hab die Antwort gewusst, und ich vermute, dass jetzt ein Haufen Leute ein wenig enttäuscht sein werden.

Rainer Castor: Nun, denen sei als kleiner Trost versprochen, dass Atlan zumindest eine Erwähnung finden wird, wenn auch eine, die sich auf die Zeitabenteuer bezieht. Mal sehen, vielleicht baue ich auch noch die eine oder andere weitere ein – noch habe ich das Manuskript ja nicht abgegeben.


Michael Marcus Thurner: Es gibt dennoch ein – technisch bestimmtes – Rahmenthema in 2769, das auf dich zugeschnitten ist. Kannst du ein bissl was dazu verraten?

Rainer Castor: Hm, es gibt ja schon kursierende Andeutungen, dass es u.a. um Linearraumtorpedos geht (und um alles, was damit zusammenhängt). Ein anderer Aspekt ist der, dass die USO ein neues Flaggschiff erhält …


Michael Marcus Thurner: Du widmest dich in PR 2769 den Angehörigen eines eher vernachlässigten Volkes.

Rainer Castor: Genau betrachtet sind es sogar die mehrerer Völker – die Mooffs wurden irgendwo schon genannt. Mit Ekhas als einem der Schauplätze ist klar, dass die Ekhoniden eine Rolle spielen werden. Und dann wird eine der Personen ein Laosoor sein, von denen wir auch schon eine Weile nichts mehr gehört haben.


Michael Marcus Thurner: Überhaupt werden in diesem Roman einige Themen aufgegriffen, die im laufenden Zyklus eher zu kurz gekommen sind; insofern handelt sich's um einen Schlüsselroman, der Zusammenhänge begreiflich macht. Ist das so arbeits- und rechercheintensiv, wie ich's mir vorstelle?

Rainer Castor: Hm, vermutlich ist es nicht gar so schlimm – durch die Mitarbeit bei der Expo-Erstellung sowie durch das Schreiben der Kommentare bin ich ja ständig in dieser Recherchearbeit drin. Aber du hast insofern Recht, dass die konkrete Arbeit an und für einen Romantext noch mal was Anderes ist. Und »Schlüsselroman«? – nun ja, hängen wir's nicht ganz so hoch ...


Michael Marcus Thurner: Im aktuellen Zyklus ändern sich in der Milchstraße einige Parameter. Die Tefroder gewinnen – scheinbar – an Macht, die Arkoniden verlieren – scheinbar – an Macht. Völker wie die Naats treten ins Rampenlicht, wie überhaupt Wert auf die Beschreibung neuer politischer Konstellationen gelegt wird. Was bedeutet das für dich, der du die Hintergründe und Zusammenhänge im Bereich der Milchstraßenvölker verwaltest?

Rainer Castor: Weniger Arbeit, als du vielleicht vermutest. In den beiden zurückliegenden Zyklen hat die Entwicklung in der Milchstraße zwar keine große Rolle gespielt, aber mit PR 2500 war immerhin der Zeitsprung vom TRAITOR-Abzug ins Jahr 1463 NGZ verbunden – und damit wiederum einiges an Entwicklung im und rund um das Galaktikum und diverse Völker in der Milchstraße, die damals quasi »nebenher« das eine oder andere interne Update erfuhren. Vieles davon wird erst jetzt konkret in Romaninhalte umgesetzt und mit neuen Details unterfüttert.

Wenn du dir beispielsweise einige Detailkarten im Datenblatt zur Milchstraße von Expo 2624 ansiehst, wirst du schon vieles finden, was erst ab PR 2700 konkreter wurde.


Michael Marcus Thurner: Wird man dich in Zukunft wieder öfter als Autor der Erstauflage erleben?

Rainer Castor: Durchaus möglich – mal sehen, wie es zeitlich hinhaut.


Michael Marcus Thurner: Wie sieht's denn mit PERRY RHODAN NEO aus? Hast du nicht Interesse daran, dort auch mal deine Spuren zu hinterlassen?

Rainer Castor: Da ich mich nicht teilen kann, wird es mit PR NEO leider nichts. Ich wäre ja schon froh, wenn es mit ein paar Romanen für die Erstauflage klappen würde.