»Ein Umfang von 24 Heftromanen« – Teil 1 Ein Interview mit Rainer Castor zu seinen 800 PERRY RHODAN-Kommentaren

8. Juli 2014

Ein Jubiläum ganz besonderer Art konnte dieser Tage der PERRY RHODAN-Autor Rainer Castor feiern. Ein Grund für seinen Wiener Autorenkollegen Michael Marcus Thurner, ihn per Mail zu befragen. Da das Interview so umfangreich ist, bringen wir es in zwei Teilen. Heute kommt der erste Teil, morgen veröffentlichen wir den zweiten Teil.


Michael Marcus Thurner: Anlass für dieses Interview sind dein achthundertster PERRY RHODAN-Kommentar (PRK) und dass du nach langer Zeit wieder mal einen Heftroman zur PERRY RHODAN-Erstauflage beiträgst. Zu beidem gratuliere ich recht herzlich, Herr Kollege!

Rainer Castor: Ebenso herzlichen Dank, Herr Kollege *ggg*


Michael Marcus Thurner: An anderer Stelle (in einem Interview für die LKS und in Kommentar Nr. 800 selbst) hast du einiges zum Aufwand geschrieben, den du für Deine PRKs betreibst. Insgesamt seien es Texte für mehr als 24 Heftromane, die du im Rahmen dieser Arbeit geschrieben hättest. Das glaube ich dir nicht ganz.

Rainer Castor: Öhm, dass die reinen PRK-Texte einem Umfang von rund 24 Heftromanen entsprechen? Doch – tun sie. *ggg*

Nur grob geschätzt war dagegen im genannten LKS-Interview meine Angabe zum Umfang der diversen Hintergrundarbeiten (als Teil der Mitarbeit an den Expos) von nochmals rund 24 Heftromanen …

Da ich diesbezüglich keine Statistik geführt habe, könnte es auch leicht die doppelte, dreifache Menge oder noch mehr sein – ich weiß es wirklich nicht, weil dazu die Einzelexpos seit PR 2000 abzuklappern und auszuwerten wären. Diverse rein interne Hintergrunddateien geben da leider nur unzureichend Aufschluss, summieren sich allerdings, wie ich eben bei einer raschen Prüfung gesehen habe, auch schon ganz schön.


Michael Marcus Thurner: Du bist zum Beispiel sehr intensiv auf das neue Raumschiff der Serie, auf die RAS TSCHUBAI, eingegangen und hast ihm sieben Folgen hintereinander gewidmet. Ich gehe davon aus, dass das Hintergrundmaterial, das du für diesen »Kurzzyklus« gesammelt hast, wesentlich umfangreicher ist.

Rainer Castor: Das ist es in der Tat – du kennst ja selbst die Langfassung des Datenblatts zur RAS TSCHUBAI. *ggg* Das hat allerdings auch und vor allem damit zu tun, dass ich die Gelegenheit genutzt habe, die konkreten Angaben zur RAS TSCHUBAI mit allgemeinen Angaben und (historischen) Hintergründen zu verbinden, so dass das Datenblatt unter dem Strich ein Nachschlagewerk darstellt und als aktualisiertes Kompendium auch einen Überblick zum derzeit aktuellen Stand der LFT-Technik gibt.


Michael Marcus Thurner: Wie viele Stunden hast du tatsächlich für die Ausarbeitung der RAS TSCHUBAI aufgewandt und was war bei dieser Hintergrundarbeit alles zu beachten?

Rainer Castor: Zu viele – jedenfalls mit Blick auf die Bezahlung. *ggg* Die genaue Zahl kenne ich nicht, aber es waren in der Tat »einige« Stunden. Zusätzlich zum reinen Text gibt es ja noch die Ergänzungsdatei mit diversen Skizzen, Schnitten, Deckplänen etc.

Genau darin liegt auch das, was zu beachten ist: Um einen Riesenpott von 3000 Metern Durchmesser mit »technischem Leben« zu erfüllen, muss ich zunächst selbst mal wissen/herausfinden, wo was beispielsweise in welcher Größe untergebracht werden kann. Dazu dienen vor allem die diversen Skizzen – dass diese anschließend auch euch Kollegen, wie ich hoffe, der Veranschaulichung dienen, ist da eher ein Nebeneffekt. Für mich sind sie zunächst mal notwendig, um »den Rest« hinzubekommen.

Die Beschreibung und Darstellung in Textform läuft dann parallel bzw. im Anschluss, wobei die reine Zusammenfassung/Auflistung der Basisdaten im Fall der RAS TSCHUBAI auf etwas mehr als vier Seiten passt – also die Hauptrubriken Größenangaben, Besatzungsstärke, Rechner(technik), Energieversorgung, Antriebe, Defensiv- und Offensivausstattung, Beiboote.

In der ausführlichen Beschreibung geht es dann um Details und, wie oben schon geschrieben, teilweise auch um die Hintergründe und historische Entwicklung im Sinne eines Nachschlagewerks. Die Angaben beziehen sich hierbei dann nicht auf die RAS TSCHUBAI allein, sondern sind auch auf andere LFT-Schiffe und – bis zu einem gewissen Grad – auf sämtliche anderen Raumfahrzeuge übertragbar.

Ob und was davon jemals in den Romanen landet, ist wiederum ein ganz anderes Thema. Ausführungen beispielsweise zur Innenstruktur und den diversen Möglichkeiten der Horizontal- und Vertikalverbindungen in der RAS TSCHUBAI mögen vielleicht auf den ersten Blick ziemlich überflüssig erscheinen – aber wer sich beim Romanschreiben drauf einlässt, kann bei der nächsten Verfolgungsjagd an Bord ebenso konkrete wie lebendige Beschreibungen ableiten. *ggg*


Michael Marcus Thurner: Ich möchte die PRK zur RAS TSCHUBAI nun nicht als »Abfallprodukt« bezeichnen. Aber ich gehe wie gesagt davon aus, dass du die Texte aus von dir entwickeltem Datenmaterial zusammengefasst hast.

Rainer Castor: Durchaus richtig – und in diesem Sinn sind es in der Tat Zusammenfassungen, die irgendwo zwischen den reinen Basisdaten und dem ausführlichen Datenblatt einzuordnen sind. Das geht natürlich nicht bei allen Kommentaren. Oft handelt sich's um weiterführende Gedanken zum kosmopolitischen Geschehen oder zur Technik. Vor diesem Hintergrund waren die Ausführungen zur RAS TSCHUBAI eher eine Ausnahme, wenngleich sich das umfangreiche Datenblatt durchaus für das eine oder andere technische Thema ausschlachten lässt ... *ggg*


Michael Marcus Thurner: Nach welchen Kriterien entscheidest du denn, was in einem bestimmten Roman erscheint? Orientierst du dich an den Expo-Vorgaben der dazugehörigen Heftromane?

Rainer Castor: Etwas anderes bleibt einem angesichts der parallelen Arbeitsweise nicht übrig. Wegen des Vorlaufs entstehen die meisten Kommentare, ehe ich auch nur eine Zeile des jeweiligen Romans gesehen habe. Es sei denn, die Autorenversion ist sehr früh fertig und verschickt. Oder ich greife eine Thematik etwas zeitversetzt auf – dann kann ich ggf. konkrete Romaninhalte nutzen und an der einen oder anderen Stelle interessante Sätze/Passagen unterstützend zitieren.

Was nun die konkrete Themenauswahl betrifft: Häufig liegt sie bei den jeweiligen Expos auf der Hand. Gutes Beispiel ist da der Dreiteiler zum Hyperfunk ab PR 2711. Aufhänger war der Notruf der HALUTA IV und seine Weiterleitung quer durch die Milchstraße, während die Fortsetzungen ein wenig allgemeiner auf die mit Hyperfunk verbundenen Dinge eingingen.

Es gibt allerdings auch genügend Fälle, da springt nix direkt ins Auge, und mir fällt auf Anhieb (noch) nichts ein. Meist hilft dann der Blick über den Tellerrand des konkreten Romans auf allgemeinere Themen, die sich als Alternative anbieten. Bislang (ich klopfe mal auf Holz) konnte ich jedenfalls stets vor Abgabetermin etwas »zusammenschustern« ...


Michael Marcus Thurner: Gibt es auch manchmal Vorgaben der Redaktion, was du veröffentlichen sollst?

Rainer Castor: Nö, an so etwas kann ich mich nicht erinnern. Wenn überhaupt, gab es von Klaus mal die eine oder andere Anregung, was vielleicht ein interessantes Thema sein könnte. Das habe ich auch gern aufgegriffen – frag mich jetzt aber nicht, was das jeweils konkret war: Ich weiß es leider nicht mehr.


Michael Marcus Thurner: Einem Autor geschieht es schon mal, dass er einzelne Kapitel oder Textstellen umschreiben muss. Ist dir das bei den Kommentaren schon mal passiert?

Rainer Castor: Zwangsläufig, und gar nicht so selten. Beim PRK liegt das vor allem an der Längenbeschränkung – es steht nun mal nur eine Druckseite zur Verfügung. Da kommt es immer mal wieder vor, dass der zunächst gewählte Ansatz für ein Thema nicht rund wird, sprich, eine Viertelseite oder so zu kurz oder zu lang ausfällt. Dann heißt es halt Umstellen, Umformulieren, häufig auch Kürzen – oder mit einem anderen Ansatz vielleicht einen Zwei- oder Mehrteiler daraus formen. Mitunter kann das eine ziemliche Tüftelei sein. Komplett verworfen habe ich allerdings noch keinen fast fertigen Text. Meist merke ich schon nach zwei, drei Sätzen, ob's was wird oder nicht. Und beim Rest heißt es dann Tüfteln ...


Soweit der erste Teil des Interviews. Teil zwei folgt morgen.