»Ein Reader hat auch eine Haptik« Andreas Eschbach im Interview

7. April 2014

Mit seinen Science-Fiction-Romanen und Thrillern gehört Andreas Eschbach zu den renommiertesten Schriftstellern im deutschsprachigen Raum. Seine Romane werden in unterschiedliche Sprachen übersetzt, sie greifen immer wieder aktuelle Themen auf. Aktuell ist sein Thriller »Todesengel« im Handel, der sich unter anderem mit Selbstjustiz beschäftigt.

Andreas Eschbach war darüber hinaus einer der ersten Autoren, die sich dazu bekannten, E-Books zu lesen. Klaus N. Frick stellte ihm einige Fragen zu diesem aktuellen Thema, die der PERRY RHODAN-Gastautor per Mail beantwortete.

Klaus N. Frick: Du gehörst zu den Autoren im deutschsprachigen Raum, die sehr früh damit anfingen, sich für das »digitale Lesen« zu interessieren. Warum? Hängt das mit deinem ursprünglichen Beruf zusammen?

Andreas Eschbach: Nein, das war eher ein Hindernis. Von der Arbeit am Computer her wusste ich, dass sich lange Texte an Computerbildschirmen nur schlecht und unbequem lesen lassen. Von daher war mir die Idee, ganze Bücher elektronisch zu lesen, ursprünglich äußerst suspekt.

Klaus N. Frick: Du hast dann angefangen, das Rocket-eBook zu nutzen. Wie bist du dazu gekommen?

Andreas Eschbach: Ich bin von der Firma GemStar angesprochen worden, ob ich es nicht mal testen wolle. Ich habe mich erst gewehrt, den Leuten ungefähr dasselbe gesagt wie dir gerade eben, aber sie waren hartnäckig, und ich habe gedacht, na ja, ausprobieren kann ich es ja mal. Und so kam kurz darauf ein großes Paket mit dem Gerät und allem Zubehör.

Klaus N. Frick: Und wie ging es dir dann damit?

Andreas Eschbach: Ich war angetan von der Technik. Es gab zwar ein Handbuch, aber das hat man wirklich nicht gebraucht, man kam sofort intuitiv damit zurecht. Es waren gleich ein paar Texte drauf, darunter eine längere Kurzgeschichte von Frederik Forsyth. Und mit der hatte ich mein Bekehrungserlebnis: Ich habe sie gelesen, und plötzlich wurde mir bewusst, »hey, ich hatte bis gerade eben völlig vergessen, dass ich auf einem GERÄT lese!« Drei Tage später habe ich die Leute vom GemStar angemailt und gesagt, »Ihr kriegt das Ding nicht mehr zurück, schickt mir die Rechnung.« So kam ich zu meinem ersten E-Book-Reader.

Klaus N. Frick: Nach dem Rocket-eBook flaute das Interesse an E-Books generell ab. Auch bei dir?

Andreas Eschbach: Ja. Die Erfahrung, dass man seine Bücher einbüßt, wenn die Firma, bei der man sie gekauft hat, pleite geht, war schon ziemlich ernüchternd. Außerdem hatte ich gemerkt, dass das E-Book in einem Teufelskreis gefangen war: Es gab wenig Bücher zu kaufen, folglich war der Erwerb eines Readers unattraktiv; weil nur wenige Leute Reader besaßen, war das Anbieten von E-Books für Verlage uninteressant. So kam das damals nicht vom Fleck.

Ich habe das Rocket-eBook dann vor allem benutzt, um meine Manuskripte probezulesen und mir den Ausdruck zu sparen, ansonsten hielt ich das Thema für tot. Und es war ja auch tot, bis mit Amazon ein Riese eingegriffen hat, der die Power und das Köpfchen besaß, die Sache richtig auf die Schiene zu stellen.

Klaus N. Frick: Siehst du einen generellen Unterschied zwischen der Lektüre eines E-Books und eines »richtigen« Buches?

Andreas Eschbach: Ja und nein. Was die eigentliche Lektüre anbelangt, ist es so, dass sich eine richtig gute Geschichte ohnehin dadurch auszeichnet, dass man ganz darin eintaucht, Zeit und Raum vergisst und natürlich auch das Medium selbst. Was anders ist, ist das, sagen wir mal, »Besitzgefühl«. Ein Buch aus Papier vermittelt mir das stärker als eine – letztlich unsichtbare – Datei.

Mag sein, dass sich dieses Gefühl noch ändert, aber meine Lebenserfahrung ist eben die, dass ich Bücher besitze, die über hundert Jahre alt und noch gut lesbar sind, während ich viele Dateien aus den 80er-Jahren verloren habe.

Klaus N. Frick: Und was ist mit der Haptik eines Buches, dem Rascheln von Papier, dem Geruch von Druckerschwärze?

Andreas Eschbach: Oh, ein Reader hat auch eine Haptik. So ein Kindle liegt richtig schmeichlerisch in der Hand. Und wir wollen nicht vergessen, dass manche Bücher richtiggehend stinken, wenn man sie das erste Mal aufschlägt.

Klaus N. Frick: Wo siehst du die Zukunft des E-Books und des gedruckten Buches?

Andreas Eschbach: Darüber könnte man ganze Abende lang diskutieren. Auf jeden Fall wird weder das eine noch das andere wieder verschwinden, sodass man in Zukunft immer die zusätzliche Qual der Wahl haben wird, ob man sich ein Buch fürs Regal oder für das Lesegerät kaufen soll.

Klaus N. Frick: Vielen Dank für die Antworten!