»Ein Privileg, als Schriftsteller zu arbeiten« – Teil eins Ein Interview mit Rüdiger Schäfer

20. Juni 2017

Mit Band 151 von PERRY RHODAN NEO beginnt eine neue Handlungsstaffel innerhalb der Science-Fiction-Serie. Davor bildet Band 150 das Bindeglied zwischen zwei Staffeln; verfasst wurde dieser Roman von Rüdiger Schäfer.

Er ist zudem für die Hintergrundarbeit und die Exposés der gesamten Serie verantwortlich – zusammen mit Rainer Schorm. In einem Interview beantwortet er die Fragen des Autorenkollegen Michael Marcus Thurner.

Wegen seiner Länge bringen wir das Interview in zwei Teilen. Heute kommt der erste Teil, morgen folgt der zweite.

Michael Marcus Thurner: Lass uns bitte gleich zu Beginn unseres Interviews zum traurigsten Kapitel in deiner Zeit als Exposéautor für PERRY RHODAN NEO kommen. Dein kongenialer Arbeitspartner Michael H. Buchholz ist vor einigen Monaten verstorben. Ihr wart persönlich gut befreundet, und auch bei der Arbeit gab es eine enge Kooperation. Du konntest und wolltest die Expos nicht allein weiterschreiben, neu im Team ist Rainer Schorm. Was ist von Michael H. Buchholz in der neuen NEO-Staffel ab Band 150 noch zu spüren – und wie gut funktioniert diese neue Zusammenarbeit mit Rainer Schorm bereits?

Rüdiger Schäfer: Michael und ich hatten den groben Kurs der Serie bis etwa Band 200 skizziert – mit der Option, bei Band 150 einen Schnitt und notfalls auch einen Abschluss zu präsentieren. Damals wussten wir ja noch nicht sicher, ob es nach der Nummer 150 weitergehen würde. Erfreulicherweise wollen die Leser aber mehr NEO, also geben wir in neuer Besetzung weiter Gas.

Was von Michael auf jeden Fall in der Serie bleibt, sind die vielen von ihm entwickelten Figuren. Eric Leyden und sein Kater Hermes wurden zum Beispiel von seinem Hirn geboren. Dazu Orome Tschato, Tani Hanafe und Autum Legacy, um nur einige zu nennen. Das sind alles faszinierende und tiefgründige Charaktere, die in der Handlung weiterleben. Insofern wird Michael immer ein Teil von NEO bleiben.

Rainer Schorm ist wirklich ein Glücksfall. Wir sind nicht nur der gleiche Jahrgang, sondern funken ziemlich genau auf derselben Wellenlänge. Er hat gleich ein paar tolle Ideen mitgebracht, und gemeinsam haben wir die nächste Staffel schon so gut wie durchkonzipiert. Außerdem hat er sich von Beginn an intensiv in die Arbeit gestürzt. Das gab mir die Gelegenheit, Band 150 zu beenden (den ich ja mit Michael gemeinsam schreiben wollte), und wir konnten die in den letzten Wochen verlorene Zeit wieder aufholen.

Michael Marcus Thurner: Bei PERRY RHODAN werden verstorbene Autoren oft mit einer Titelbildzeichnung gewürdigt. Wird es auch bei NEO eine Verbeugung vor Michael H. Buchholz geben?

Rüdiger Schäfer: Nein, da ist nichts geplant. Für mich ist jeder weitere NEO, der erscheint, eine Verbeugung vor Michael, denn ohne ihn und seine Ideen wäre das nicht möglich gewesen. Es ist ein Privileg, wenn man als Schriftsteller arbeitet: Auch wenn man selbst irgendwann nicht mehr da ist – die eigenen Werke überdauern und halten die Erinnerung wach.

Rainer und ich hatten kurz darüber diskutiert, ob wir in Andromeda eine Figur einführen, die an Michael erinnert, aber das muss passen und darf nicht aufgesetzt wirken.

Michael Marcus Thurner: Lass uns aber jetzt zur Serie selbst zurückkommen. Was für ein Fazit kannst du nach mittlerweile fünfzig Bänden ziehen, die du PERRY RHODAN NEO bereits mitgestaltest? Hat alles von Anfang an so funktioniert, wie du es geplant hattest? Gab es aus deiner Sicht Fehler, wo siehst du Verbesserungspotential?

Rüdiger Schäfer: Es ist unglaublich, wie schnell man sich an diesen Job gewöhnt – und wie bei jeder Tätigkeit erlebt man auch als Exposéautor Licht und Schatten, wobei die positiven Aspekte aber ganz klar überwiegen. Es ist einfach unglaublich schön, wenn man bei einem so langlebigen und erfolgreichen Projekt wie PERRY RHODAN mitarbeiten darf, noch dazu als jemand, der für die Handlungsgestaltung verantwortlich ist. Und noch schöner ist es, wenn den Lesern das, was man macht, gefällt. Insofern fällt mein Gesamtfazit uneingeschränkt positiv aus!

Verbesserungspotential gibt es immer. Neben dem rein Kreativen fällt zum Beispiel viel Arbeit im Bereich Koordination und Kommunikation an. Wir sind ein Team, das aus vielen sehr unterschiedlichen Individuen besteht. Da prallen hier und da auch mal Meinungen aufeinander. Für den eigentlichen Prozess kann das aber sogar förderlich sein.

Ansonsten wächst man für gewöhnlich mit der Aufgabe. Man lernt ständig dazu. Nur auf den allgegenwärtigen Termindruck könnte ich verzichten, aber das geht wohl allen Beteiligten so …