»Drei Romane ergeben ganz andere Möglichkeiten zum Erzählen« Interview mit Michael Marcus Thurner

13. November 2014

Der November 2014 steht für die PERRY RHODAN-Leser ganz im Zeichen einer Trilogie: In drei zusammenhängenden Romanen schildert Michael Marcus Thurner ein Abenteuer von kosmischem Ausmaß, das Reginald Bull als Hauptfigur aufbietet und mit dem Kunstplaneten Wanderer einen speziellen Handlungsort präsentiert.

Grund genug für Klaus N. Frick, den PERRY RHODAN-Redakteur, dem in Wien lebenden Autorenkollegen einige Fragen zu stellen. Das Interview wurde per Mail geführt.

Klaus N. Frick: Die »Wanderer«-Trilogie, wenn wir sie so nennen können, ist nicht die erste Trilogie, die du im Rahmen der PERRY RHODAN-Serie verfasst. Deine JULES VERNE-Trilogie, die im Sommer 2013 erschienen ist, war gewissermaßen der erste Streich. Warum wolltest du jeweils die drei Bände schreiben?

Michael Marcus Thurner: Ich komme mit der Länge recht gut zurecht (auch wenn im Fall der RomanCover Band 2777 von Swen Papenbrocke 2777 bis 2779 die Handlungen nicht völlig miteinander verbunden sind).

Ich schreibe nicht ausschließlich für PERRY RHODAN und lege großen Wert darauf, viel Abwechslung zu haben. Immer nur auf Heftromanlänge hinzuschreiben, das gefällt mir persönlich nicht sooo sehr. Der große Reiz bei Doppelromanen oder bei »Dreiern« ist halt, dass man sich ein wenig mehr ausbreiten und intensiver auf Charaktere eingehen kann.

Klaus N. Frick: Ein einzelner PERRY RHODAN-Roman verlangt vom Autor eine Konzentration aufs Wesentliche einerseits und eine möglichst umfassende Präsentation des Universums andererseits – das kann bei einem Roman schon schwierig werden. Steigern sich die Schwierigkeiten bei einer Trilogie nicht zu sehr?

Michael Marcus Thurner: Nein. Das lässt sich mit ein wenig Gefühl für Prägnanz schon erledigen. Und natürlich gibt es Redakteure sowie Lektoren, die einen auf Fehler aufmerksam machen. (Dafür bin ich übrigens unendlich dankbar.)

Klaus N. Frick: Jetzt mal zur Trilogie selbst ... Hand aufs Herz: Wer von den Charakteren, die du durch die Handlung scheuchst, hat dir denn am besten gefallen?

MCover Band 2778 von Swen Papenbrockichael Marcus Thurner: Hm. Meine Antwort spoilert wohl ein wenig – aber ich habe mich emotionell am meisten auf eine ehemalige Wegbegleiterin Perry Rhodans eingelassen, die in Wanderer aufgegangen war. Ich wusste nicht allzu viel über sie, und auch bei der Recherche wurde ich nicht viel schlauer aus ihr. Sprich: Es gab wenig Hintergrundmaterial zu ihr. Ich hatte also recht viel Freiheiten, um die Dame zu charakterisieren.

Ich hätte ihr gerne das eine oder andere zusätzliche Kapitel gewidmet – eigentlich war es ein Einziges, mit dem ich ihr ein wenig Tiefe geben konnte –, aber das funktionierte aus diversen Gründen nicht. Schade. Ich mochte diese Figur wirklich sehr.

Und wenn ich eine zweite Hauptdarstellerin erwähnen darf: Toio Zindher ist das Idealbild einer starken Persönlichkeit. Ein bestimmter Chefredakteur war zwar mit meiner Definition der Figur nicht immer einverstanden, aber ich finde Toio in ihrem persönlichen Spannungsfeld – hier die Treue zum Reich der Tefroder, da eine gewisse Sympathie zu einem der anderen Haupthandlungsträger – höchst interessant.

Klaus N. Frick: Und wenn ich schon am Fragen bin: Wie bist du mit Wanderer klargekommen? Die Welt gehört für die meisten PERRY RHODAN-Leser zu den geheimnisvollsten und wichtigsten Schauplätzen überhaupt.

Cover Band 2779 von Arndt DrechslerMichael Marcus Thurner: Uiuiui, das ist eine fiese Frage.

Wanderer ist faszinierend. Niemand von uns weiß, was auf Wanderer genau vor sich geht, und eigentlich wollen wir das auch gar nicht so genau wissen. Diese Welt sollte geheimnisvoll und aufregend bleiben - und dennoch musste ich ein bissl über sie verraten. Das hört sich ein bissl nach einem Dilemma an, nicht wahr?

Jedenfalls hab ich mich bemüht, Wanderer nicht beliebig werden und rätselhaft bleiben zu lassen. Ich hoffe, dass mir dieser Balanceakt halbwegs gelungen ist.

Klaus N. Frick: Hast du in den drei Bänden eigentlich irgendwelche privaten Hinweise versteckt?

Michael Marcus Thurner: In einigen Namen und Orten sind Anspielungen versteckt, die aber wohl kaum jemand verstehen wird. Das ist auch nicht immer Sinn der Sache. Diese Details helfen mir persönlich sehr, einen Text zu »meinem eigenen« zu machen.

Klaus N. Frick: Was kommt eigentlich nach der Trilogie? Strebst du beim nächsten Mal gleich vier Bände am Stück an?

Michael Marcus Thurner: Ehrlich: Das würde mich sehr reizen. Aber dann womöglich in einem in sich abgeschlossenen Themenkomplex, in einem richtigen »Viererblock«. Vielleicht so, dass ich die Geschichte anhand von vorgegebenen Eckdaten selbst erfinden kann/darf.

Ich weiß nicht, ob dies jemals möglich sein wird, aber vielleicht mache ich mal eine dezente Andeutung den beiden Expokraten Christoph Dittert und Hartmut Kasper gegenüber.

Klaus N. Frick: Vielen Dank für die Antworten.

Michael Marcus Thurner: Ich hab zu danken. Ich hoffe, dass die »Wanderer«-Trilogie beim Leser gut ankommt. Mir hat das Schreiben sehr viel Spaß gemacht.