»Die größte Geschichte von allen« – Teil 2 PERRY RHODAN NEO-Autor Rainer Schorm im Interview

21. Mai 2014

Mit seinem Roman »Revolte der Naats« feiert der in Freiburg wohnende Schriftsteller Rainer Schorm seinen Einstand bei PERRY RHODAN NEO. Mit dem Perryversum ist der Autor und Grafiker schon seit seiner Jugend verbunden – umso engagierter ging er seinen ersten NEO-Roman an. Klaus N. Frick stellte ihm einige Interview-Fragen, die der Autor per Mail beantwortete.

Wegen seiner Länge bringen wir das Interview in zwei Teilen auf unserer Internet-Seite. Gestern kam bereits der erste Teil, heute folgt der zweite.

Klaus N. Frick: Immerhin erschien im Schillinger-Verlag sogar ein Buch mit Kurzgeschichten von dir. Wie kam das bei den Lesern an?

Rainer Schorm: Die Reaktionen, die ich mitbekommen habe, waren sehr positiv. »In Freiburgs Schatten« ist ja eher ein Zyklus von Erzählungen, der stark im Historischen wurzelt; nicht so sehr eine Sammlung irgendwelcher Storys. Zumal die meisten Texte für »short stories« wieder zu lang sind. Was mich gereizt hat, war, die konkrete, nahe Umgebung auszuloten. Unheimliches geschieht eben nicht nur in New York, Moskau oder von mir aus in Arkham. Der regionale Krimi ist sehr viel früher auf diese Idee gekommen.

Wie gruselig es in der Nachbarschaft zugehen kann, ist vielen nicht klar. Zumal der zeitliche Horizont heutzutage meist ziemlich jämmerlich ist. Deshalb spielt die Vergangenheit immer eine Rolle in diesen Erzählungen – mit Einzelheiten, die in der Gegenwart so gut wie niemand mehr kennt. Die unbekannte Vergangenheit ist häufig völlig fremdartig – und schon deshalb unheimlich. Freiburg und Umgebung bieten da sehr viel mehr, als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Man muss übrigens nicht hier wohnen, um die Erzählungen zu verstehen.

Klaus N. Frick: Heißt das, dass dich zeitliche Dimensionen oder historische Epochen besonders interessieren?

Rainer Schorm: Zeitliche Dimension: Gerade im RHODAN war das auch immer eine Schiene, die mich ungeheuer fasziniert hat. Die Lemurer, die Ur-Marsianer, die Shuwashen, meinetwegen das Tba … oder später die Reise in eine 18 Millionen Jahre alte Vergangenheit (ich finde die Mundänen noch immer ziemlich eklig!). Die Entstehung der unterschiedlichen Superintelligenzen. Dieser große zeitliche Rahmen macht die Serie mit aus.

In NEO gibt’s das »Ringen« ja auch nicht erst seit fünf Jahren! Und dort ist der Horizont noch offen! Was Frank dabei leistet, ist erstaunlich. Die Zusammenarbeit habe ich sehr genossen. Überhaupt ist dieses Team erstaunlich.

Ein kleiner Rundumschlag gefällig? Wer waren noch mal die Argonauten? Ein verirrtes Häufchen Raumfahrer vom Planeten Argos: genau! Gegen die Odyssee von Rhodans Gehirn nach Naupaum und Catron ist die des Ithakafürsten geradezu ein Spaziergang.

Was ich damit sagen will: PERRY RHODAN ist eine der ganz großen epischen Geschichten. Da sie aktuell läuft, ist das vielen wahrscheinlich nicht ganz klar. Meiner bescheidenen Meinung nach lässt sie alle anderen, die man vielleicht aus Film und Fernsehen kennt, weit hinter sich. Das hat auch damit zu tun, dass die Serie über Jahrzehnte wachsen konnte und viele Autoren ihre ganz persönlichen Farben hineingemischt haben. Scheer brachte die Technik mit ins Boot, die Faszination der »großen Maschine«, Clark Darlton die Atmosphäre der Unendlichkeit, die Romantik. Kurt Mahr die Physik. Hans Kneifel und Ernst Vlcek haben den RHODAN kulturell gemacht. Thomas Ziegler brachte den Muurt-Wurm (in Sahnesauce natürlich!) und H.G. Ewers die Kaffeekanne. Was Leo Lukas einbringt, weiß ich gar nicht so genau, aber es ist brillant! Das sind nur ein paar Beispiele … wenn ich alle aufzähle, sind wir in zwei Wochen noch nicht fertig.
Mit NEO erhält der RHODAN jetzt seine eigene Parallelwelt. Dank Frank.

Klaus N. Frick: Und wie soll es nach dem ersten NEO-Roman weitergehen?

Rainer Schorm: Das fragst du mich? Noch mehr tolle Geschichten hoffe ich … an mir soll’s nicht liegen. Man hat als Autor (oder Künstler grundsätzlich) nicht oft die Chance, Teil einer wirklich großen Geschichte zu werden.

Klaus N. Frick: Vielen Dank für das Interview!

Rainer Schorm: Ich danke natürlich dir!