»Die größte Geschichte von allen« – Teil 1 PERRY RHODAN NEO-Autor Rainer Schorm im Interview

20. Mai 2014

Mit seinem Roman »Revolte der Naats« feiert der in Freiburg wohnende Schriftsteller Rainer Schorm seinen Einstand bei PERRY RHODAN NEO. Mit dem Perryversum ist der Autor und Grafiker schon seit seiner Jugend verbunden – umso engagierter ging er seinen ersten NEO-Roman an. Klaus N. Frick stellte ihm einige Interview-Fragen, die der Autor per Mail beantwortete.

Wegen seiner Länge bringen wir das Interview in zwei Teilen auf unserer Internet-Seite. Heute kommt der erste Teil, morgen folgt der zweite.

Klaus N. Frick: Wir zwei kennen uns seit den 80er-Jahren. Sehe ich das richtig, dass du durch die Fan-Szene und PERRY RHODAN überhaupt zu deinem Beruf gekommen bist? Wäre deine schriftstellerische und grafische Arbeit ohne die Serie denn eigentlich denkbar?

Rainer Schorm: Gute Frage. Die Antwort ist rein spekulativ. Denkbar natürlich. Die kreative Ader war bereits zuvor vorhanden. Sie hätte sich bestimmt auf die eine oder andere Weise Bahn gebrochen. Ohne die SF, Phantastik und den RHODAN – vielleicht wäre ich Lyriker geworden (oh mein Gott!) oder Jurist (oh ihr Götzen! Gelbe vorzugsweise …)

Ich hatte schon immer eine stark bildliche Orientierung – zumindest daran trägt PERRY RHODAN keine Schuld. Der Kunstunterricht während der Schulzeit und die Ergebnisse sind ein deutlicher Hinweis. Was die Ausprägung angeht, ist deine Vermutung allerdings richtig. Das alles war Fokus und Inspiration, genau wie die alten Fanzines. Die waren eine wunderbare Plattform um Texte und Bilder unterzubringen. Letztendlich kann ich das als Betroffener aber wahrscheinlich am wenigsten beurteilen.

Klaus N. Frick: In den 80er-Jahren hast du viele Zeichnungen in Fanzines veröffentlicht, sogar Comics. Hast du die Unterlagen von damals eigentlich noch griffbereit, falls die mal jemand nachdrucken möchte?

Rainer Schorm: Sicher nicht alles. Ich neige zwar nicht dazu, solche Dinge wegzuwerfen, aber du weißt, welche Folgen Umzüge und ähnliche Katastrophen haben. Auch wenn ich wirklich nicht wüsste, wen das heute noch interessieren könnte.

Klaus N. Frick: Mal ernsthaft: Viele Leser hat in ihren jungen Jahren vor allem die Grafik von PERRY RHODAN beeindruckt. Wie war das bei dir?

Rainer Schorm: Genau so. Brucks Titel haben mich bereits fasziniert, als ich von der Serie nur wusste, dass es sie gab. Bilder der ZBV-Taschenbücher könnten sogar der allererste Eindruck gewesen sein. Ich erinnere mich noch sehr genau, als ich das Cover von »Eliteeinheit Luna Port« in einem dieser Drehständer am Kiosk sah. Darüber stand groß und gelb: »Perry-Rhodan-Autor K. H. Scheer«. Ganz ohne Zweifel war dieser »Rhodan« etwas Besonderes. Ich hing am Haken, man kann’s nicht anders sagen. Das könnte so um 1973 gewesen sein. Band 1000 lag noch in weiter Ferne.

Wie enorm Johnny Brucks Leistung war, ist mir übrigens erst so richtig klar geworden, als Frank Gerigk seinen Bruck-Band präsentierte. Ich wusste ja, dass der Mann gut und fleißig war, aber dieser Rahmen ist für einen Gebrauchsgrafiker schon beinahe beängstigend.

Chapeau!

Beispiele wie das Rhodan-Portrait auf Band 19 oder die pure Kraft der startenden TITAN auf Band 39 blieben haften. Diese Bilder hab‘ ich nie wieder aus dem Kopf bekommen. Das geht weiter mit solchen Bildern wie »Aphilie«, »Intrigen auf Payntec«, »Erbe des Tba« oder »Laire«. Eine Prägung, ganz sicher! Übrigens habe ich damals die ersten drei PERRY RHODAN-Hörspiele (Europa) gehört, bevor ich etwas gelesen hatte. Das Kopfkino war nicht mehr aufzuhalten.

Neben Band 19 (der damals vierten Auflage) war der Band 39 der zweite Roman, als ich regelmäßig zu lesen begann. (Zu dieser Zeit konnte man häufig in den bereits erwähnten Drehständern ältere Romane finden, die nicht sofort retourniert wurden.) Meine ersten Rhodan-Aliens (von Arkoniden mal abgesehen) waren also die Naats. Wenn das keine Rückkehr zu den Wurzeln ist …

Klaus N. Frick: In den vergangenen Jahren hast du viele Romane in unterschiedlichen Verlagen veröffentlicht, alle unter Pseudonym. Magst du dazu ein wenig erzählen, oder ist das geheim?

Rainer Schorm: Nein, natürlich nicht. »Regina Shadow« ist eine ganz andere Baustelle. Das ist Phantastik im weitesten Sinne und auch die Zielgruppe ist eine ganz andere als bei NEO. Zudem habe ich dort nur sehr wenige Vorgaben. Es ist eine sehr schöne Spielwiese, auf der man Ideen ausprobieren kann. (Ich habe eben nicht nur eine Neigung zur SF, sondern auch zur Phantastik. Zur Fantasy übrigens sehr viel weniger … sieht man mal von Tolkien, Donaldsons »Thomas Covenant, dem Zweifler« und Moorcocks »Ewigem Helden« in all seinen Inkarnationen ab.)

Warum das Pseudonym, wird sich manch einer fragen. Ganz einfach: Menschen mögen Schubladen, Kritiker ganz besonders. Für manch einen Verlag oder eine bestimmte Reihe gilt das ebenso. Bisweilen wird eine bestimmte Benamung gewünscht oder erwartet. Reihen- oder Verlagspseudonyme gibt’s zuhauf, wie du ja weißt. Ganz einfach. Zumal man ja nicht als »Schätzing« oder »King« anfängt. Der Name an sich verkauft zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts.

Wenn man etwas professionell betreiben will, muss es etwas abwerfen. Das ist heutzutage nicht mehr ganz so einfach. Erinnere dich mal an das Pabel-Verlagsprogramm in den achtziger Jahren.

Von der Publikation als solcher oder der Ehre kann man die Miete nicht bezahlen. Und sofort einen gut dotierten Vertrag bei einem großen Verlag bekommen, ist ziemlich illusorisch. Internet-Publikation sehe ich momentan auch nicht als reelle Alternative. Klicks zahlen sich (auf diesem Niveau) noch nicht genügend aus. Die Mentalität im Net steht dem auch häufig entgegen.

Mehr steckt da nicht dahinter. Die Regina-Shadow-Texte sind eine weitere Facette. Ich gebe mir immer Mühe, die Geschichte so gut zu erzählen, wie ich das eben kann. Die Storys sind auch dort meist gründlich recherchiert. Eine persönliche Macke, wenn du so willst.

Soweit der erste Teil des Interviews. Den zweiten Teil bringen wir dann morgen.