»Die Ewigen Diener« – zukünftiges déjà-vu? Werkstattbericht von Hubert Haensel zum PERRY RHODAN-Silberband 133

1. März 2016

Die Handlung klingt geheimnisvoll genug ... Perry Rhodan ist in der dreißig Millionen Lichtjahre entfernten Galaxis M 82 in Bedrängnis geraten, seine zwanzigtausend Schiffe zählende Galaktische Flotte wurde in alle Richtungen verstreut. Den Terranern im Solsystem ergeht es gar nicht besser. Sie haben es mit einem besonderen Gegner zu tun, der abtrünnigen Kosmokratin Vishna, und sie fährt ein »schweres Geschütz« gegen die Terraner auf.

Aber zumindest hier und heute möchte ich nicht über den Armadaschmied Schovkrodon schreiben, der Perry Rhodan dank eines Rhodan-Doppelgängers zu besiegen hofft, auch nicht über die Streitmacht, die Vishna gegen das Solsystem aufbietet. Ich bin nämlich während der Arbeiten an diesem Silberband über ein Thema gestolpert, das so haargenau in unsere Gegenwart passt. Als wäre es erst heutzutage niedergeschrieben worden und nicht schon im Jahr 1983, in dem die betreffenden Romane der PERRY RHODAN-Erstauflage verfasst wurden ...

Ist Science Fiction also tatsächlich in der Lage, kommende Entwicklungen und Probleme vorherzusagen? Nun ja, zwischen heute und der Erstausgabe liegen gerade einmal 33 Jahre, keine 3300. Wenn der Autor also Grund hatte, damals schon zum Nachdenken anzuregen: Wiederholen sich die Schwierigkeiten in unserer realen Welt in regelmäßigen Abständen?

Wenn das zutrifft, muss ich sagen, hat die Menschheit nichts, aber auch gar nichts dazugelernt. Denn niemand sollte denselben Fehler mehrmals machen.

Ich wiederhole hier den Textausschnitt, an dem ich mit meinen Gedanken so unerwartet hängen blieb:

»Ich frage mich, ob es besser wäre, wenn dem Psi-Trust die Nachrichten der TSUNAMIS verwehrt blieben.«

»Diese Überlegung stellt jeder an«, sagte Keen. »Der Erste Terraner, die Hanse-Sprecher, du – und ich ebenfalls. Tatsache ist, dass wir in einer freien Gesellschaft leben. Jeder hat das Recht, sich zu informieren, so gut er kann. Wie soll ich eine Informationssperre über den Psi-Trust verhängen? Ich hätte eine Minute später ein Dutzend Anwälte der Menschenrechts-Liga, des Vereins für Informationsfreiheit, der humanistischen Mission und sonstiger Klubs am Hals. Und weißt du was? Wenn sie den Fall zu Gericht brächten, müssten sie gewinnen.«

»Also gehen wir zugrunde, weil wir nicht willens sind, vorübergehend auf eines unserer Grundrechte zu verzichten?«, fragte Davis.


Stronker Keen hob die Schultern. »Wir reden von einem Nervenzusammenbruch der Psioniker, keineswegs vom Untergang der Menschheit. Aber selbst wenn es um das ultimate Schicksal ginge ... nun, ich fürchte, du hast recht. Wir lassen uns eher umbringen, bevor wir auf ein Grundrecht verzichten.«

»Ist das vernünftig?«, rief Davis bebend.

Keen schüttelte den Kopf. »Nein, das ist es nicht«, sagte er. »Aber das Positive an dieser Haltung ist: Sie hat die Menschheit erst groß gemacht. Ohne diese Einstellung wären wir längst zu Sklaven irgendeiner Macht geworden.«

Sollten Sie also in einer Tageszeitung ähnliches lesen oder in einer Diskussionsrunde im Trivid – hoppla, so weit sind wir noch nicht, es bleibt immer noch beim einfachen TV – entsprechendes über Gefährdungslagen, Grundrechte und Strategien hören: Es scheint ein verdammt langer Prozess zu sein, bis wir Menschen lernen, in Frieden mit uns selbst und unseresgleichen zu leben. Wer damit beginnt, könnte durchaus Gefahr laufen zu glauben, dass er den Kopf für eine Vision hinhält, die sich ohnehin nie erfüllen wird. Aber wenn wir nicht anfangen, erreichen wir nie eine bessere Zukunft.

In dem Sinne bin ich nun doch gespannt, wie die Terraner im Solsystem ihren Kopf aus der Schlinge ziehen werden – heute ebenso wie in zweitausend Jahren. Gleiches gilt für Perry Rhodan und die Galaktische Flotte in M 82.

Sie schaffen es, das kann ich an dieser Stelle schon verraten, aber es wird in beiden Fällen nicht einfach.

Jedem, der diese Epoche in der PERRY RHODAN-Historie noch nicht kennt, lege ich deshalb die Silberbände ab Buch 130 »Der Frostrubin« besonders ans Herz. Und wer diese Abenteuer schon vor dreißig Jahren gelesen hat: Hier sind sie in schöner Buchform (natürlich auch als E-Book und Lesung) in überarbeiteter und leicht gekürzter Form zu haben. Auf jeden Fall eine packende Erinnerung an die Zukunft!



Hubert Haensel