»Details entwickeln sich während der Arbeit« – Teil 2 Exposéautor Christian Montillon im Interview

26. März 2015

Zusammen mit Wim Vandemaan ist Christian Montillon für die Ausgestaltung der PERRY RHODAN-Handlung verantwortlich. Beide Autoren schreiben gemeinsam die Exposés, die als Grundlage für die einzelnen Romane dienen – und das ist beim Zyklus »Die Jenzeitigen Lande«, der am 17. April 2015 startet, ebenfalls so.

Um mehr Hintergründe über seine Arbeit als Exposéautor zu erfahren, stellte Michael Marcus Thurner einige Fragen an Christian Montillon. Das Interview wurde per Mail geführt.

Wegen seiner Länge kommt es in zwei Teilen. Gestern veröffentlichten wir den ersten Teil, heute kommt der zweite.

Michael Marcus Thurner: In den Expos ab Band 2800 habe ich Hinweise auf Figuren gefunden, die starke zyklusrelevante Rollen einnehmen sollen. Sichu Dorksteiger ist zum Beispiel eine dieser Figuren. Frauen, so wird uns Autoren vorgeworfen, werden selten gut dargestellt. Bei Sichu dürfte es aber funktionieren. Warum ist das so, was meinst du?

Christian Montillon: Hm, das ist eine schwierige Frage. Ich glaube schon, dass das eine beiderseitige Angelegenheit ist, wenn es überhaupt stimmt. Können PERRY RHODAN-Autoren nicht mit Frauenfiguren umgehen? Ich weiß nicht recht. Können PERRY RHODAN-Leser nicht mit Frauenfiguren umgehen? Ich weiß nicht recht.

Ich persönlich finde, dass zum  Beispiel Farye Sepheroa gut funktioniert, und sie ist ja eine Frau. Im Ernst: Farye gefällt mir. (Lasst das nicht meine Frau hören!)

Dass es mehr männliche Figuren bei PERRY RHODAN gibt als weibliche, mag stimmen. Das liegt an vielen Faktoren, auch am »Erbe«. Sagen wir es platt: Wie viele wirklich relevante Frauenfiguren gibt es denn von früher her? Wie viele tragen denn einen Zellaktivator und sind von Anfang an dabei?

Wenn man »nur« die neuen Zyklusfiguren der letzten Zeit zählt, kommt man vielleicht auf ein überraschendes Ergebnis, was die Frauenquote angeht.

Michael Marcus Thurner: Eine reizvolle Gestalt ist der Kelosker Gholdorodyn, der auch in den Bänden nach 2800 prominent vertreten ist. Ich habe mir sagen lassen, dass die meisten Autoren gut mit ihm zurechtkommen, obwohl er eigentlich ein sperriger Charakter ist. Ich möchte zudem auf einen gewissen Ara-Arzt hinweisen, der seit vielen Jahren durch die Serie spukt und jetzt wieder die Bühne für einen Gastauftritt bekommt. Was, meinst du, macht eine gute Figur im PERRY RHODAN-Kosmos aus? Warum »funktioniert« die eine – und die andere wiederum nicht?

Christian Montillon: Wenn ich das nur wüsste, Michael, wenn ich das nur wüsste … Dann würde ich alle Figuren so anlegen, dass sie gut funktionieren.

Eigentlich ist damit alles gesagt, aber ich versuche noch etwas: Eine gute Figur muss einen Nerv treffen, und sie muss nachvollziehbar sein. Das heißt: Völlige Fremdartigkeit funktioniert nicht – dann kann der Leser keine Beziehung/emotionale Bindung zur Figur finden. Zu menschlich funktioniert bei einem Alien auch nicht, sonst ist es der Kumpel von nebenan. Dieses »Einen-Nerv-treffen«, das ist etwas, das sich irgendwie nicht vorausberechnen lässt.

Michael Marcus Thurner: Wie klappte die Zusammenarbeit mit der Autorin von PERRY RHODAN 2800, Michelle Stern? Gab es vorbereitend einen intensiven Dialog, konnte sie sich selbst ins Inhaltliche einbringen?

Christian Montillon: Michelle konnte sich ins Inhaltliche genauso einbringen, wie das auch bei jedem anderen Roman der Serie der Fall ist und für jeden Autor gilt. Sie hat für den Jubiläumsband ein Exposé erhalten wie für jeden anderen Band auch. Der intensive Dialog hat hinterher begonnen ... und natürlich war er bei diesem sehr zentralen, richtungsweisenden Band intensiver als bei einer anderen Nummer.

Michael Marcus Thurner: Derzeit wird heftig an der Konzeptionierung des Zyklus bis 2850 gearbeitet. Da geschieht viel hinter den Kulissen. Worauf ich mich besonders freue, ist ein »Vierer-Block«, der auf der Zusammenarbeit zweier Autoren beruht. Der einer Stammkraft und der eines besonderen Gastautors. Das Resultat wird man erst in einigen Monaten lesen und bestaunen können, aber möchtest du dazu bereits jetzt was verraten? Ein blankes »Nein!« akzeptiere ich nicht.

Christian Montillon: Es ist etwas, das es auf diese Art noch nie gab. Und die »Stammkraft« ist Verena Themsen. Der Gastautor ist jemand, der kein Unbekannter ist. Die Hauptfigur ist Atlan.

So, genug gesagt.

Michael Marcus Thurner: Lass uns die Leser noch ein bissl neugieriger machen: Möchtest du zu den Begriffen »Imperium der Empörer«, »Hüter der Zeiten« und »Kodex« etwas sagen? Hm?

Christian Montillon: Vom Imperium der Empörer haben wir in den Bänden 2700 bis 2799 schon gehört, jetzt erfahren wir, was es damit auf sich hat. Es lohnt sich, hier mal nachzuschauen, WAS wir darüber in den Romanen geschrieben haben.
Viel Spaß beim Suchen.

Hüter der Zeiten: Oh, du meinst die von Zeedun.

Kodex: Das ist der Zusammenschluss der wichtigsten Völker einer ganz besonderen Galaxis. Mindestens eins dieser Völker dürfte dabei eine ziemliche Überraschung sein.

Michael Marcus Thurner: Ihr arbeitet gemeinsam auf Band 2850 hin, der eine weitere Zäsur darstellen soll. Gibt es darüber hinaus schon Überlegungen? Wie weit reicht eure Planung derzeit?

Christian Montillon: 2850 wird eine stärkere Zäsur sein als 2800. Und ja, wir haben Überlegungen über diesen Punkt hinaus, wissen auch ganz klar, was in PR 2900 geschehen wird. Auch hier gilt: Natürlich kennen wir die Details noch nicht, doch die Richtung, die die Serie an diesem Punkt nehmen wird, kennen wir. Das kann sich aber noch verschieben, noch ändern ... warten wir mal ab.