»Der Fluch der Kosmokratin« – zwischen Stilblüten und Tiefgang Werkstattbericht von Hubert Haensel

5. Oktober 2015

Wohl jeder Autor hat in seinen Texten irgendwann die eine oder andere Stilblüte, über die man schmunzeln oder auch lachen kann. Ich finde solche Ausrutscher in meinen Manuskripten hin und wieder, lache dann gern selbst darüber und bin im Grunde genommen froh, wenn ich manchen Fauxpas rechtzeitig vor der Manuskriptabgabe finde.

Selbstverständlich war das vor dreißig oder vierzig Jahren keinen Deut anders. Mit der Ausnahme vielleicht, dass es zu jener Zeit der Schreibmaschinen, des Kohlepapiers und der schwer lesbaren Durchschläge schwieriger war als heutzutage, die eigenen Stilblüten aufzufinden. Also gehört es mit zu meiner Arbeit, beim Zusammenstellen der Silberbände und der Bearbeitung der vorliegenden Texte auch auf Stilblüten zu achten und diese zu entschärfen.

Diesmal gab es den Satz: »Er biss sich auf die Lippen.« Liest sich auf den ersten Blick eigentlich unverfänglich, ist aber, sofern es sich bei der beschriebenen Person um einen Terraner handelt, schlicht eine biologische Unmöglichkeit. Auf die Lippen, steht da, also auf Ober- und Unterlippe zugleich.

Der geplagte Bearbeiter des Silberbandes hat versucht, das nachzuvollziehen, doch es wollte nicht klappen. Immer schaffte ich es nur, mich auf eine Lippe zu beißen. Fazit: Der Satz ist im fertigen Buch geändert.

Oder ein zweites Beispiel: »Er las aus ihren Worten die Begeisterung.« Nein, das war kein Brief, auch kein gemailter Text, sondern eine Unterhaltung. Dieser Satz fällt für mich unter die Kategorie »Hör mal, wie das riecht«, ist also auch so eine biologische Problemstellung, die sich in der Umgangssprache trotz allem bald etabliert haben dürfte. Da fällt mir ein, dass ich mir dieses »Hör mal, wie das riecht«, für die nächste Schilderung eines Außerirdischen aufheben sollte. Dann wird so ein kleiner grünhäutiger Gnom gleich richtig authentisch.

Warum ich heute auf diese beiden Beispiel-Stilblüten zu sprechen – ich meine: zu schreiben – komme? Weil es Sätze gibt, über die viel zu wenig berichtet wird, die so etwas sind wie das Salz in der Suppe, aber zumeist ebenso versteckt wie manche Stilblüte. Solche Sätze, die ich meine, sind nicht immer lustig, eher tiefschürfend. Aber vor allem gehören sie für mich zu PERRY RHODAN und zu dem, was die Serie an wunderbaren Kleinigkeiten zu bieten hat.

Jeder kann in Silberband 132 »Der Fluch der Kosmokratin« selbst nachlesen, welcher unserer Helden diese Überlegungen anstellt. Da steht unter anderem »In diesen Sekunden erkannte er, dass die Fähigkeit des bewussten Erlebens eine der größten Kostbarkeiten der Evolution war.«

Im Eifer des Gefechts wird manch einer schnell darüber hinweglesen. Aber ich finde, solche Sätze sind es wert, dass man einen Moment länger mit dem Blick darauf verweilt. Es stimmt nämlich. Ohne die Fähigkeit des bewussten Erlebens hätten wir nicht die Freude an PERRY RHODAN, die wir haben.

Was mich noch mehr zum Nachdenken angeregt hat, so sehr, dass ich mich damit sogar im Nachwort des Silberbandes 132 beschäftigt habe, sind folgende Zeilen: »Wenn er starb, würde seine Materie zwar nicht vergehen, denn die Atome blieben erhalten, aber alles würde sich zerstreuen und neue Verbindungen eingehen. Vielleicht würden seine Atome eines Tags winzige Bestandteile anderer intelligenter Wesen sein.«

Beispiele wie diese lassen sich oft in PERRY RHODAN finden. Man muss nicht unbedingt danach suchen, es genügt, PERRY RHODAN bewusst zu erleben.

In diesem Sinn: Silberband 132 »Der Fluch der Kosmokratin« erscheint im November 2015. Lest oder hört einfach mal hinein (je nach gewünschtem Medium). Es ist schön, neben der aktuellen Erstauflage auch die alte Zeit wieder Revue passieren zu lassen.
 

Hubert Haensel