»Das Perryversum ist ein faszinierender Kosmos« Gisbert Haefs im Interview

23. Juni 2014

Mit seinem Roman »Der Tamaron«, der als PERRY RHODAN-Band 2758 erscheint, hat Gisbert Haefs zum zweiten Mal einen Gastbeitrag zur größten Science-Fiction-Serie der Welt geliefert. Bereits 2005 hatte er mit »Der eiserne Finger Gottes« gezeigt, wie gut er sich in das Perryversum einfügen kann – jetzt schildert er die Biografie eines wichtigen Handlungsträgers.

Grund genug, mit dem Autor ein kurzes Interview zu führen. Die Fragen stellte Klaus N. Frick.


Klaus N. Frick: Du bist seit langem mit der PERRY RHODAN-Serie verbunden, nicht erst seit deinem Gastroman vor neun Jahren. Hast du die Serie bereits als Jugendlicher gelesen?

Gisbert Haefs: Mit 13 (also 1963) habe ich die ersten Leihbücher in die Hände gekriegt und dann irgendwann im Sommer/Herbst 1964 die Hefte entdeckt; mein erstes war Nr. 156, »Lemy und der Krötenwolf«. Dann habe ich nach und nach 1 bis 155 aufgetrieben. Und weitergelesen, bis es mir so um die 800 herum allzu »kosmisch« wurde. Danach nur noch sporadisch – aber gesammelt habe ich weiter; die komplette Erstauflage liegt im Keller.


Klaus N. Frick: Du warst viele Jahre lang mit Hans Kneifel befreundet. Inwiefern hat sein Blick auf das Perryversum das deine geprägt?

Gisbert Haefs: Eigentlich gar nicht. Wir haben natürlich auch mal über PR und die Arbeit daran (Exposés, Anekdoten über Kollegen usw.) geredet, bis die Weinflaschen leer und die Aschbecher voll waren, aber meistens ging es um andere Dinge.


Klaus N. Frick: PERRY RHODAN ist ein besonderer literarischer Kosmos mit eigenen Gesetzen. Wenn du deine Romane schreibst, hältst du dich an historische Fakten und an Erfundenes. Wie war's denn im Vergleich dazu, einen PERRY RHODAN-Roman zu schreiben?

Gisbert Haefs: Ganz ähnlich. Hier sind ja alle Hintergründe der bisherigen Handlung im Prinzip die historischen Fakten, die ich zu respektieren habe, und die Erfindungen müssen dazu passen.


Klaus N. Frick: Schon in den 80er-Jahren hast du in deinen Krimis allerlei PERRY RHODAN-Begriffe verarbeitet,  beispielsweise einen Cheyenne namens Don Red Horse. Finden sich zum Ausgleich in deinem PERRY RHODAN-Roman einige Anspielungen?

Gisbert Haefs: Ja, natürlich, ein bisschen Spielerei muss doch sein. Allerdings sind es eher PERRY RHODAN-Anspielungen; z.B. das große Plüschtier, in dessen Nagezahn ein Tefroder etwas versteckt. Oder der Agent Neshan Fenelik – der Name ist ein Anagramm …


Klaus N. Frick: Science Fiction hat ja mehr mit dem historischen Roman zu tun, als manche glauben: Es geht oft um einen umfassenden Weltenentwurf, den der Autor mit Leben füllt. Ist das Perryversum in gewisser Weise schon ein »historischer Ort«?

Gisbert Haefs: Und ob. Und wie! Es hat die Leser nicht nur unterhalten, sondern auch verändert, eine Gemeinde gebildet, und es beeinflusst sicherlich für viele auch die Wahrnehmung der Realität. Bestimmt nicht so sehr, wie Harlan Ellison es bei den Trekkies feststellte – als er in einem Vortrag etwas über »Star Trek«-Dreharbeiten und Leonard Nimoy erzählte, standen einige im Publikum auf und fragten, sehr böse und beinahe drohend, ob er ihnen etwa erzähle wolle, Mr. Spock gebe es nicht?

Aber aus den Leserbriefen kann man manchmal den Eindruck gewinnen, dass für einige Leute ihre Lieblingsfiguren mindestens so real sind wie das wirkliche Leben. Apropos: Wie geht's eigentlich Roi Danton und Atlan? 


Klaus N. Frick: An welchem Roman oder an welcher Übersetzung arbeitest du denn derzeit?

Gisbert Haefs: Was Übersetzungen angeht: Dieser Tage erscheint bei Fischer eines meiner allerliebsten Lieblingsbücher mit den rasanten, frechen Erzählungen des jungen Rudyard Kipling, »Plain Tales from the Hills«, unter dem Titel »Falsche Dämmerung«, und demnächst geht es weiter mit seinen witzigen Schulgeschichten Stalky & Co. Und ich hoffe, bis zum Erscheinen von »Der Tamaron« meinen vierten Karthago-Krimi fertiggestellt zu haben, »Die Dirnen von Karthago«, der 227 v. Chr. spielt, also zwischen den beiden großen Kriegen.