»Aussuchen, runterladen, loslesen.« PERRY RHODAN NEO-Autor Oliver Fröhlich plaudert über die Vorzüge der E-Books

23. April 2014

E-Books? Die hat der Teufel gemacht, die kommen mir nicht ins Haus. Ich brauche das Gefühl des Papiers unter den Fingern, das Knistern der Seiten in den Ohren beim Umblättern, den Geruch der Druckerschwärze in der Nase und überhaupt all die sinnliche Erfahrung des Lesens, an der so viel mehr Sinnesorgane als die Augen beteiligt sind.

So oder ähnlich hätte – nein: habe – ich noch vor drei Jahren geantwortet, wenn man mich auf Kindle & Co. angesprochen hat. Das hat sich inzwischen geändert. Zuerst nur, um Manuskripte von Kollegen zu lesen, die noch nicht erschienen waren, die ich aber weder am PC-Bildschirm schmökern noch ausdrucken mochte.

Später kamen englischsprachige Romane dazu, weil ich erkannte: »Hey, da muss ich unbekannte Wörter nicht immer gesondert nachschlagen, sondern kann sie auf dem Reader antippen, und der übersetzt mir die Wörter gleich.« Das war klasse. Und es funktionierte immer. Na ja, meistens. Okay, es funktionierte sehr oft.

Noch später, als iPad und iPhone samt Kindle-Apps den Haushalt eroberten, las ich auch deutschsprachige Bücher. Die Geräte synchronisierten sich gegenseitig, und so konnte ich im Wartezimmer des Arztes, im Bett, wo auch immer ein Buch an der richtigen Stelle weiterlesen, egal welches Gerät ich dabei hatte.

Endlich füllten sich zuhause die Regale nicht weiter mit Büchern, die man nur einmal las, aber trotzdem nicht verkaufen oder wegwerfen wollte.

Endlich musste man nicht mehr bis zum nächsten oder übernächsten Tag warten, wenn man mal ein Buch bestellte, das man gaaanz dringend lesen wollte. Aussuchen, runterladen, loslesen. So einfach war das plötzlich.

Endlich bestellte man keine Bücher mehr, bei denen man nach zwanzig Seiten feststellte, wie wenig sie einem gefielen. Jetzt lud man sich vorher die Leseprobe herunter, und wenn man dann immer noch ein schlechtes Buch erwischte, war man selbst schuld.

Inzwischen besitze ich meinen dritten Kindle (also jedes Jahr einen, weiß der Geier, warum) und bin begeistert von all den Möglichkeiten und Vorteilen, die das E-Book bietet. Aber ganz ehrlich? So völlig auf »echte« Bücher oder Romanhefte möchte ich nicht verzichten. Manchmal brauche ich es einfach noch, das Gefühl des Papiers unter den Fingern, das Knistern der Seiten in den Ohren beim Umblättern, den Geruch der Druckerschwärze in der Nase.

Oliver Fröhlich