»... ein weiterer wichtiger Schritt voran« – Teil zwei Verena Themsen und ihr Blick auf eine alternative PERRY RHODAN-Welt

31. Juli 2015

Vier besondere Romane beschäftigten sich in der laufenden PERRY RHODAN-Handlung mit einer möglichen anderen Realität des sogenannten Perryversums: »Die falsche Welt«, so der Titel des entsprechenden Vierteilers, wurde von Andreas Eschbach und Verena Themsen geschrieben.

»Die falsche Welt« bildet eine »Serie innerhalb der Serie«, eine »Welt, die nicht wahr sein darf«, die aber für die Bewohner dieser fiktiven Welt wirklich ist. Der Vierteiler erzählt die Geschichte eines Tamaniums und einer Welt Lemuria. Über all dies regiert ein weiser Herrscher – der sogenannte Matan –, der in der Lage ist, sich selbst an verschiedene Stellen seines Reiches materialisieren zu lassen.

Zwei Romane stammen von Verena Themsen; sie schildern den Höhepunkt und Abschluss der Geschehnisse auf dem »alternativen« Mond sowie einer Erde, deren Bewohner sich nicht mehr als Menschen verstehen. Grund genug, die Autorin zu »Im Netz der Kyberspinne« und dem Folgeband zu befragen.

Das Interview wurde per Mail geführt, die Fragen stammen von Klaus N. Frick. Und weil das Interview ein wenig umfangreicher wurde, bringen wir es in zwei Teilen; gestern war der erste Teil dran, heute folgt der zweite.

Klaus N. Frick: Die Agentin Miuna Lathom, diese sogenannte Kyberspinne, scheint dir gelegen zu haben. Das ist ja eigentlich ein Zukunfts-Krimi innerhalb des Romans. Fiel dir das leicht, würdest du in der Richtung gern mehr machen?

VCover Band 2814 von Arndt Drechslererena Themsen: Es ist einfach so, dass ich starke Frauenfiguren genieße, und ja, davon würde ich sehr gerne mehr schreiben. Ich finde, solche Figuren fehlen der Serie im Moment sehr; wir haben zwar eine Menge interessanter Frauenfiguren in der zweiten Reihe oder als kompetente Antagonistinnen wie es bei Miuna der Fall ist, aber die Riege der Unsterblichen ist faktisch frauenlos, seit Dao-Lin-H'ay kein Teil der Handlung mehr ist.

Ich denke, dass wir dringend daran arbeiten müssen, das wieder zu ändern, und ich würde sehr gerne dazu beitragen, diese Figuren aufzubauen. Ich benutze bewusst den Plural – ich denke, hier ist mehr als nur eine einzelne Quotenfrau gefragt.

Klaus N. Frick: Leider schreibst du nur wenige Romane im Jahr, die Leser hätten gern mehr. Was sagst du ihnen, wenn sie nach »mehr, mehr, mehr« rufen?

Verena Themsen: *lacht* Ich sage ihnen, dass sie sich gedulden müssen, bis ich entweder einen Nullzeitdeformator erfunden habe oder in Rente gegangen bin!

Im Ernst, natürlich würde ich gerne mehr schreiben – oder ein Teil von mir würde das gerne. Aber ich habe einen abwechslungsreichen Beruf, der mir viel Spaß macht, eine Familie, die bei meiner Freizeit an erster Stelle steht, und dann auch noch das eine oder andere Hobby neben dem Schreiben.

Aber wer weiß – vielleicht werden meine Romane ja gerade deshalb gut, weil ich von einem Output zum nächsten eine ganze Menge Input bekomme, Eindrücke und Erfahrungen sammle und Gedanken wälze. Außerdem ist ja nur das Rare wirklich wertvoll, oder?

Klaus N. Frick: Du bist recht häufig beim PERRY RHODAN-Stammtisch in Mannheim anzutreffen. Was bedeuten dir solche Fan-Kontakte?

VeCover Band 2815 von Arndt Drechslerrena Themsen: Eine Menge, in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ist für mich als »Erst-Leserin-dann-Autorin« PERRY RHODAN schon immer mehr gewesen als »nur« die Romane. Die Autoren waren immer präsent, kamen auf Cons, waren ansehbar, ansprechbar, anfassbar. Man konnte mit ihnen über die Ereignisse innerhalb und außerhalb der Serie reden und den Verlauf innerhalb gewisser Grenzen mit beeinflussen. Man hatte immer das Gefühl, gehört zu werden. Es ist mir wichtig, diese Tradition – so gut es meine Zeit erlaubt – fortzuführen, und die Aktivitäten beim und mit dem Stammtisch bieten dafür einfach die beste Gelegenheit.

Natürlich könnte ich einfach häufiger Präsenz auf Cons zeigen. Auf Cons ist man aber nach meinem Gefühl schnell in der »Autoren-Ecke« und auf gewisse Weise abgesetzt. Meist hat man auch Programmpunkte und Verpflichtungen, weshalb man oft erst am Abend wirklich entspannt man selbst sein kann. Beim Stammtisch habe ich das die ganze Zeit. Natürlich kommt ab und zu einmal eine Frage, vor allem, wenn sie wissen, dass ein Roman von mir im Raum steht, und ab und an ist ein Autogramm gefragt. Aber alles in allem bin ich dort einfach ein Science-Fiction-Fan unter anderen Science-Fiction-Fans, und das gibt mir die Möglichkeit (ohne bewusst darüber nachdenken zu müssen), ein Gefühl für die Leute zu bekommen, für die ich schreibe, und dabei Spaß und Entspannung zu haben.

Klaus N. Frick: Danke für das Interview!

Verena Themsen: Immer gerne!