»... ein weiterer wichtiger Schritt voran« – Teil eins Verena Themsen und ihr Blick auf eine alternative PERRY RHODAN-Welt

30. Juli 2015

Vier besondere Romane beschäftigten sich in der laufenden PERRY RHODAN-Handlung mit einer möglichen anderen Realität des sogenannten Perryversums: »Die falsche Welt«, so der Titel des entsprechenden Vierteilers, wurde von Andreas Eschbach und Verena Themsen geschrieben.

»Die falsche Welt« bildet eine »Serie innerhalb der Serie«, eine »Welt, die nicht wahr sein darf«, die aber für die Bewohner dieser fiktiven Welt wirklich ist. Der Vierteiler erzählt die Geschichte eines Tamaniums und einer Welt Lemuria. Über all dies regiert ein weiser Herrscher – der sogenannte Matan –, der in der Lage ist, sich selbst an verschiedene Stellen seines Reiches materialisieren zu lassen.

Zwei Romane stammen von Verena Themsen; sie schildern den Höhepunkt und Abschluss der Geschehnisse auf dem »alternativen« Mond sowie einer Erde, deren Bewohner sich nicht mehr als Menschen verstehen. Grund genug, die Autorin zu »Im Netz der Kyberspinne« und dem Folgeband zu befragen.

Das Interview wurde per Mail geführt, die Fragen stammen von Klaus N. Frick. Und weil das Interview ein wenig umfangreicher wurde, bringen wir es in zwei Teilen; heute ist der erste Teil dran, morgen folgt der zweite.

Klaus N. Frick: Du hast bei diesem speziellen Projekt mit Andreas Eschbach zusammengearbeitet. Wie lief das ganze denn ab?

VCover Band 2814 von Arndt Drechslererena Themsen: Wie alles begann, stand schon einmal in den News ... wie Christian Montillons Anruf mich umgehauen hat und welche Überlegungen ich erst einmal anstellen musste. Nach meiner Zusage gingen einige Wochen ins Land, bevor es los ging; reichlich Zeit für mich, mich nach Strich und Faden verrückt zu machen vor Nervosität.

Für mich war die Beteiligung an diesem Projekt ein weiterer wichtiger Schritt voran. Im Gegensatz zu den allermeisten Kollegen aus dem Autorenteam habe ich ja bislang keinerlei professionelle Veröffentlichungen außerhalb des Pabel-Moewig Verlags vorzuweisen. Ich habe im Moment auch weder die Zeit noch das Bedürfnis, das zu ändern. Umso wichtiger sind mir darum die verschiedenen Erfahrungen, die ich innerhalb dieses Rahmens sammeln kann. Eine direkte Zusammenarbeit mit Andreas Eschbach war etwas, von dem ich mir einiges versprach und was mich entsprechend bewegte.

Als die Exposés schließlich da waren, entwickelte sich bald ein sehr unkomplizierter Kontakt miteinander, mit allerlei Abstimmung und Gedankenaustausch zu Einzelheiten der Handlung. Auch über die Serie im allgemeinen und die Vor- und Nachteile eines Lebens in der Normandie haben wir kurz philosophiert. Allzu viel Zeit blieb für so etwas allerdings nicht; wir hatten beide je zwei Romane abzuliefern. Allerdings freue ich mich schon auf unser nächstes Treffen und die Möglichkeit, vielleicht einmal ein wenig mehr zu plaudern und vor allem ihm noch einmal persönlich dafür zu danken, dass er mich als Mitstreiterin für den Viererblock gewählt hat.

Klaus N. Frick: Und was war das für ein Gefühl, an einem solchen Projekt mitzuwirken?

VCover Band 2815 von Arndt Drechslererena Themsen: Es war einerseits großartig und andererseits belastend, denn ich hatte viel größere Angst als sonst, dem Stoff womöglich nicht gerecht zu werden. Diese Angst begleitet mich jedes Mal, aber jeder positiv von der Leserschaft aufgenommene Roman mildert sie aufgrund der Hoffnung, dass man mir einen einzelnen Ausrutscher auch mal würde verzeihen können. Aber bei so einer einmaligen Sache wie dem Viererblock um die »Falsche Welt« hätte ich selbst Probleme gehabt, es mir zu verzeihen.

Am Schluss hatte ich allerdings gar keinen Raum mehr für solche Sorgen; alle freien Plätze in meinem Denken waren von der Geschichte eingenommen, und das ist immer ein gutes Zeichen. Ich habe die Handlung nicht nur ausgemalt, sondern sie in meinen Gedanken durchlebt. Wenn dieser Punkt erreicht ist, kann ich lebendig und glaubwürdig schildern, und bislang kamen die Ergebnisse stets gut an. Ich hoffe, dass sich das auch dieses Mal bewahrheitet.

Klaus N. Frick: Bei der Figur des jugendlichen Helden Germo Jobst hatte ich das Gefühl, dass dir dieser besonders gut liegt. Gibt's einen Grund, warum du Germo so gut beschreiben konntest?

Verena Themsen: Als ich mich in den ersten meiner beiden Romane eingearbeitet habe und die Frage entscheiden musste, welche Szenen aus welcher Sicht am besten zu schildern wären, fiel mir auf, dass ich mit Germo jemanden hatte, der alles aus einer ganz eigenen, unverbrauchten Sicht schildern konnte. Die Welt, die für die Haupthandelnden völlig fremd ist, ist seine Heimat, über die er nur dann reflektiert, wenn seine Begleiter ihn etwas fragen.

Dafür wirft er ganz andere Fragen über Dinge auf, die Atlan und Jawna eigentlich völlig selbstverständlich scheinen, und nimmt ihre Handlungen auch völlig anders wahr. Das ist eine gute Basis für Neuleser.

Dazu kommt, dass er zwar einiges erlebt hat, aber kein Held ist, sondern eigentlich nur ein ganz normaler Junge sein möchte. Dadurch ist es denke ich leichter, sich mit ihm zu identifizieren.

Für mich kam dazu, dass nicht allzu viel über Germo vorgegeben war; man hatte uns mit dieser Figur viel Freiheit gelassen. Der Vorteil in einem solchen Fall ist, dass ich die Figur so gestalten kann, dass sie mir liegt und mir gut von der Hand geht. Bei Germo faszinierte mich der Gegensatz zwischen seiner Jugend und der Tatsache, dass er schon eine Menge durchgemacht haben musste, ehe es ihn in einer kontrollierten Welt wie der des Matan an die Seite von einem »Querdenker« wie Ch'Daarn verschlagen haben konnte.

Bei der jugendlichen Seite habe ich mich teilweise an meiner Tochter orientiert. Ich habe mich gefragt »wie würde sie in einer solchen Situation reagieren?« oder »was würde sie jetzt sagen?«, und dann habe ich daraus etwas gemacht.

Zu dem Rätsel des Zusammentreffens mit Ch‘Daarn kam die Frage, wie Germo zu seinem speziellen Gerät gekommen war. Ich habe mir dazu und zu den sonstigen Wendepunkten seines Lebenslaufs Möglichkeiten ausgedacht und in deren Rahmen Andeutungen gemacht, die seine Reaktionen und seinen Charakter erklären sollten. Bevor die komplette Geschichte erzählt wird, werden wohl noch ein paar Tage ins Land gehen. Germo ist ein verschlossener, auf seine Privatsphäre bedachter Junge, und es wird sicher eine Weile dauern, bis sich das so weit ändert, dass er seine Vergangenheit aufdeckt.