Logbuch: Was macht eigentlich Iratio Hondro?

24. Mai 2013

Es ist Freitag, der 10. Mai 2013. Ich bin am Düsseldorfer Flughafen, genauer: im Maritim. Hier findet die 22. FedCon statt – die »Federation Convention« zu den Themen »Star Trek« und Verwandtes.

Die 22. FedCon ist, wie Kollege Christian Humberg mir verrät, in Wahrheit erst die 21. FedCon. FedCon 13 nämlich ist ausgefallen – wie man hört, pflegen US-amerikanische Schauspielerinnen und Schauspieler eine gewisse Abneigung gegen die Zahl 13.

Dennoch tummeln sich offenbar etliche Mimen aus US-amerikanischen Science-Fiction- und Fantasy-Fernsehserien im Foyer und in den Kongresssälen des Hotels – ungeachtet der bedrohlichen Jahreszahl 2013, die zu überspringen oder auszulassen den Anti-13-Lobbyisten dieser Welt dann doch nicht gelungen ist.

Kollege Christian Humberg, der die Gesprächsrunde mit dem Publikum moderieren soll, hat, wie verabredet, beim Stand des Cross-Cult-Verlags gewartet – jenes Verlags also, der neben anderen unterhaltsamen und lehrreichen Serien auch meinen derzeitiges Lieblingscomic in deutscher Sprache publiziert, »Chew« nämlich, die Serie um den mutierten Agenten einer dystopischen USA, in der nach einer verheerenden Vogelgrippe die FDA, also die behördliche Lebensmittelüberwachung die Kontrolle über das Land an sich gerissen hat.

Was in etwas so ist, als würde sich die gelernte Radio- und Fernsehtechnikerin Ilse Aigner zur Tyrannin über die Bundesrepublik Deutschland aufschwingen. Nun ja – ein eher schräger Comic.

Das Panel PERRY RHODAN – beziehungsweise das Perry-Panel – findet laut Programm im Saal Duesseldorf statt.
Bevor Perry aufs Podium darf, gehört die Bühne noch James Cawley und Brian Gross, die zum Thema »Star Trek Phase II New Episode« reden.

Phase II ist, wie ich mich belehren lasse, ein Fan-Projekt, das versucht, die ursprüngliche TV-Serie im Internet fortzusetzen – ein Film-Projekt also.

Eine der ersten Fragen, die man mir in Sachen PERRY RHODAN stellt, ist denn auch, wann endlich ein PERRY RHODAN-Film ins Kino kommt. Ich gebe meine persönliche Einschätzung bekannt, dass nach Lage der Dinge eher ein PERRY RHODAN-Bollywood-Musical die Massen begeistern wird, als dass wir Rhodan in einem Spielfilm sehen.

Schließlich sind, wie ich erkläre, die Rechte an einer Verfilmung verkauft, und die Sache liegt wo auch immer, aber nicht in der Hand der Autoren oder gar der Exposéredaktion.

Nachdem dieses Thema abgehakt ist, geht es zur Sache – sachkundig und engagiert, wie ich es von Leserinnen und Lesern der Serie seit vielen Jahren kenne.

Kollege Humberg leitet das Gespräch liebenswürdig und souverän. Die anstehende Jubiläumsnummer 2700 hat viele der Zuhörer spürbar elektrisiert, und da die Leseprobe bereits ausliegt, verrate ich nicht zuviel, als ich verrate, dass Andreas Eschbach, dessen Roman den Zyklus eröffnen wird, sich nun auch in Terrania verewigt hat – in dieser Stadt, an der Generationen von Autoren mitgebaut haben und in der sich viele Kolleginnen und Kollegen mittlerweile fast so heimisch fühlen wie an dem Ort, an dem sie hierzulande behördlich gemeldet sind.

Und womit Andreas Eschbach sich verewigt habe? Mit einem Spukhaus, verrate ich. Und kann gleich beruhigen: Weder wird Rhodan deswegen zu einem Meister des Übersinnlichen mutieren, noch zu einem Geisterjäger. Dass aber Eschbachs Idee der Stadt eine völlig neue Facette gibt und allerlei Spielmöglichkeiten, gebe ich natürlich gerne zu.

Ob wir nicht wieder einmal eine Figur wie Iratio Hondro bringen wollen?, fragt ein Leser. Einen abgrundtief bösen, menschlichen Despoten?

Hm, sage ich und werfe einen Blick auf das Cover von Nummer 2700. Ja, gute Idee. Machen wir gerne. Und hoffe klammheimlich, dass der legendäre Plophoser Iratio Hondro gegen unseren neuen Schurken Vetris-Molaud geradezu gutherzig erscheinen möge.

Ob, will eine Leserin wissen, wir daran denken, dass Rhodan eines Tages noch ein Universum zu erben hat – oder sei der Untertitel nichts als billige Werbung?

Allgemeines Gelächter. Wenn es Werbung gewesen ist, dann eine sehr nachhaltige. Schließlich ziert dieser Untertitel den Titel schon seit vielen Jahren nicht mehr. Vom Titelblatt ist er längst verschwunden, aus den Köpfen der Leserinnen und Leser nie.

Natürlich, sage ich, ja, Rhodan ist der Erbe des Universums, und irgendwann werden wir erzählen, wie und warum und welches Universum er erbt. Wir Autoren sind schließlich selbst gespannt. Und ich verspreche: Wie immer die Lösung aussieht, wir schließen aus, dass Rhodan sich darüber zu einem Supermann wandelt oder gar zu einer Erlöserfigur. Rhodan ist Mensch und wird es bleiben – das macht den Umgang mit ihm als Figur so unerschöpflich.

Humberg, die Uhr im Blick, gestattet zwei letzte Fragen.

Ob Unsterbliche sterben werden? Warum nicht?, fragte ich zurück. Nur Rhodan selbst hat eine Überlebensgarantie. Was aber nicht heißt, dass wir alsbald alle anderen Figuren unter das Fallbeil legen. Der Henker von Rastatt ist im Ruhestand. Schließlich muss man Figuren ja auch nicht gleich eliminieren, um Platz für neue Figuren zu schaffen. Dass mit Toufec auch eine vergleichsweise neue Figur im kommenden Zyklus mit von der Partie sein wird, sorgt für Applaus.

Die Zeit ist um, aber während ab- und umgebaut wird, bleiben noch ein paar Augenblicke für Gespräche am Bühnenrand. Ich werde mit etlichen weiterführenden Fragen und Hinweisen versorgt, die ganze Zyklen füllen könnten.

Unglaublich und unglaublich schön, in wie vielen Köpfen und mit wie viel Phantasie das Perryversum eine Rolle spielt, es weiter gedacht und fortgeführt wird.

Selbst hier, unter den zahllosen Jedi-Rittern, Iron Men, Vulkaniern, Klingonen und Sternenflottenoffizieren am Flughafen Düsseldorf.

Wim Vandemaan