Logbuch von Christian Montillon: PERRY RHODAN NEO 100

9. Juli 2015

»Hundert Jahre sind eine lange Zeit« ...

... sagte einst der quasi-unsterbliche Loriot in seiner Rede zum 100. Geburtstag der Berliner Philharmoniker. Wobei er diese treffenden Worte Thomas Mann zuschrieb. Was durchaus stimmen mag.

Nun lebt PERRY RHODAN NEO noch keine hundert Jahre, wohl aber hundert Romane lang, und das ist ebenfalls erstaunlich. Es mag eine Floskel sein, die in diesen Tagen öfter bemüht wird, aber sie stimmt: Ich hätte das nicht für möglich gehalten, als die Serie startete. Aber auch der NEO-Perry erweist sich als zäh und widerstandsfähig ... wenngleich ganz bewusst nicht quasi-unsterblich wie sein Vorbild in der Hauptserie oder auch auf ganz andere Weise der oben erwähnte Loriot.

Ich war von Anfang an dabei, und ich weiß noch, wie ich mich zum Schreiben von PERRY RHODAN NEO 2 zurückgezogen habe. In eine Jugendherberge nämlich, ins Schreibexil. Schönes Wetter herrschte, das Essen schmeckte, das Laptop brummte, und ich saß auf der Rückseite der Jugendherberge im Schatten großer Bäume oder in meinem Etagenbett und tippte. Wenn ich nicht gerade Spaziergänge machte und über die Handlung grübelte.

Die Herausforderung war schließlich groß: PERRY RHODAN neu erfinden, und das mit dem ersten Roman nach der Nummer 1, an der Frank Borsch und die Redaktion sehr lange Zeit gebastelt haben. Mein Roman würde quasi der erste im »normalen Betrieb« sein.

Ich wollte es ... anders machen, und doch typisch PERRY RHODAN. Ich entschied mich, eine Art »Road Movie« zu schreiben, und hetzte einen Teil meiner Helden durch das Amerika der nahen Zukunft – voller schäbiger Hotelzimmer und mancherlei pikanter Details. Nicht sonderlich perrytypisch, könnte man meinen. So bangte es mir auch ein wenig, als ich den Roman zu Frank Borsch schickte.

Doch was sagte der zu meiner Freude? »Das ist ganz anders ... aber typisch PERRY RHODAN!« Juhu! Ziel erreicht.

Ich bin dabei geblieben, von Anfang an bis jetzt, da das große Jubiläum ansteht. Ich kann mit Fug und Recht sagen, dass ich alle Phasen der Serie miterlebt und mitgeprägt habe.

Das begeistert mich, und ich habe den größeren Freiraum, den der erweiterte Umfang bei NEO bietet, immer ausgenutzt. Etwa zuletzt in NEO 93, »WELTENSAAT«, indem ich eine Nebenfigur erfand (Worat) und dieser gleich mal die Hälfte des Manuskripts widmete.

Aber derlei Scherze war Frank Borsch längst von mir gewohnt: Ich ging stets kreativ mit seinen Exposévorgaben um. Er wusste immer, dass ich »mein eigenes Ding« draus mache, meine eigene Struktur entwickele, auch mal auf den ersten fünfzig Seiten gar nichts aus seinem Exposé verarbeite ... aber letztlich irgendwo doch seinen Vorgaben folge.

Also, mein lieber NEO-Perry: »100 Bände sind eine lange Zeit!« Prost!
 

Christian Montillon