Logbuch: Palast der Intrigen – Teil 3 Ein Werkstattbericht von Rüdiger Schäfer

20. Dezember 2013

Wie ich schon in früheren Werkstattberichten schrieb, ist das Warten auf das erste Feedback immer das Schlimmste – zumindest für mich. Dankenswerterweise ließ mich Frank nicht allzu lange zappeln. Seine – wie immer außerordentlich detaillierte – Meinung erreichte mich schon vier Tage später, am Freitag, den 8. November um 6:20 Uhr morgens. Sowohl der Neokrat als auch ich sind passionierte Frühaufsteher.

Zu meiner Erleichterung sprach er mir insgesamt ein großes Kompliment aus, und begann dann mit der üblichen Manöverkritik. Ich hatte an besagtem Freitag Urlaub, da ich abends ein paar Gäste zum gemütlichen Beisammensein eingeladen hatte, und konnte mich somit gleich mit Franks Kommentaren auseinandersetzen. Die waren wie immer ausgesprochen hilfreich.

Natürlich ärgert es einen schon ein bisschen, wenn man eigene Denkfehler oder inhaltliche Disharmonien vorgehalten bekommt. Andererseits ist das die einzige Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Schreiben können viele Menschen – gut und spannend zu schreiben ist dagegen eine Fähigkeit, die man sich hart erarbeiten muss. Und allein schafft man das nicht.

Wenn man Franks Anmerkungen liest, denkt man immer wieder: »Na klar, warum hast du das nicht selbst bemerkt?«, oder »Meine Güte, wie konntest du das übersehen?« Es ist der klassische Fall von Betriebsblindheit – und der vielleicht wichtigste Grund dafür, warum die Manuskripte nicht nur vom Exposéautor, sondern auch von Chefredakteur Klaus N. Frick und Lektor Helmut Ehls intensiv gelesen werden. Denn eines ist so sicher, wie das Amen in der Kirche: Wird ein Fehler übersehen, kriegt man den spätestens am Erscheinungstag des Romans von den Lesern um die Ohren gehauen.

Franks größter Kritikpunkt war – wie oben erwähnt – mein Umgang mit Onat da Heskmar. Er kam ihm einfach zu unsympathisch und negativ rüber; schließlich hilft er unseren Helden und darf deshalb kein mürrischer, zum Zynismus neigender Opa sein. Das, so der Neokrat, würde unter anderem auch die Dynamik der Gruppe stören.

Leider musste ich dem NEO-Chefautor Recht geben. Bei den Beziehungen zwischen den Figuren verlasse ich mich stets auf mein Gefühl. Dialoge und Interaktionen entwickeln sich dann praktisch während des Schreibens von allein. Hier war ich offenbar ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Insofern nahm ich mir noch einmal alle Onat-Szenen vor und fügte einen weiteren Dialog zwischen ihm und Perry Rhodan hinzu. Perry und der greise Arkonide waren danach zwar noch immer keine besten Freunde, gingen nun aber deutlich gesitteter miteinander um.

Das Urteil von Klaus N. Frick fiel ebenfalls positiv aus. Wie gewohnt gab es von ihm hauptsächlich Feedback und gute Tipps zur stilistischen Qualität – und an der kann man immer arbeiten.

Meinen persönlichen Abschluss bildete schließlich ein Telefonat mit Helmut Ehls. Der in Freiburg lebende Journalist und Autor hatte schon zwei meiner ATLAN-Taschenbücher redigiert, und wir unterhielten uns etwa eine Stunde lang angeregt über meinen Text, aber auch über die Lektoratstätigkeit allgemein. Helmut weiß aus seiner langjährigen Berufserfahrung viel Interessantes zu erzählen, und die Zeit verging wie im Flug.

Mit PR NEO 60 endet mein Jahr 2013 – zumindest was den schriftstellerischen Teil betrifft. Im Dezember habe ich vier Wochen Urlaub. Auch vom Schreiben. Die letzten zwölf Monate waren mit drei NEO-Romanen und zwölf redigierten ATLAN-Taschenheften anstrengend, und ich freue mich darauf, mal so richtig auszuspannen und die Batterien wieder aufzuladen. Wie Frank mir verriet, wartet im neuen Jahr bereits das nächste NEO-Exposé auf mich.

Allen Fans und Lesern wünsche ich einen guten Übergang, ein gesundes und erfolgreiches 2014, und dass der Jahresbeginn mit meinem Roman ein unterhaltsamer und kurzweiliger wird.

(Die Teile 1 und 2 kamen bereits vorgestern und gestern.)

Rüdiger Schäfer