Logbuch: Palast der Intrigen – Teil 2 Ein Werkstattbericht von Rüdiger Schäfer

19. Dezember 2013

Band 60 war bislang der NEO, der mich am meisten Zeit gekostet hat, und das lag vor allem am hohen Rechercheaufwand. Was die Hintergrunddaten zu Arkon I, dem Kristallpalast und den Arkoniden angeht, orientieren wir uns weitgehend an dem verfügbaren Material der Erstauflage. Warum etwas neu erfinden, das bereits in detaillierter und erprobter Weise vorliegt? PR-Datenpapst Rainer Castor hat in dieser Hinsicht eine so unglaubliche (und vor allem umfangreiche) Arbeit geleistet, dass man zwar manchmal in der Datenflut zu ertrinken droht, andererseits aber auch alles findet, was man braucht.

Mein Ziel war es, den Lesern Arkon I nicht nur zu beschreiben, sondern sie dorthin mitzunehmen. Zu diesem Zweck hatte Frank die ersten beiden Kapitel eher ruhig, also ohne irgendwelche Actionszenen konzipiert. Dadurch stand mir zwar ausreichend Raum zur Verfügung, um die Ankunft unserer Helden zu schildern, ich musste jedoch gleichzeitig darauf achten, nicht mit endlosen Umgebungsbeschreibungen zu langweilen.

Trotz der vielen verfügbaren Arkon-Daten konnte ich es mir nicht verkneifen, das ein oder andere dazuzuerfinden. Über das Innere des Kristallpalasts war in der Erstauflage noch nicht viel geschrieben worden, und so gestaltete ich den Dol'Khapor, den Hort der Begegnung, und die Höhle von Arbaraith nach eigenem Gusto.

Auch das Fest der glücklichen Wiederkehr (Pekah ti Mestit) und das große Grußwort Tegal Mokat waren nicht vorgegeben und sind nun fester Bestandteil der arkonidischen Kultur im Neoversum. Und wenn in Zukunft jemand einen Tir’Tolom trinkt, sonne ich mich in dem warmen Gefühl, dass dieser Cocktail auf meinem Mist gewachsen ist.

Besonderen Spaß hatte ich mit dem Rückblick auf die gemeinsame Vergangenheit von Crest und Onat da Heskmar. Im Exposé war dieser Komplex als Gespräch zwischen Perry Rhodan und dem greisen Arkoniden angelegt, aber ich wusste sofort: Diese Handlungsschiene hat so viel Potenzial, dass man daraus einen eigenen Roman hätte machen können. Also schmückte ich das Szenario ein wenig aus und verarbeitete das Material zu drei kompletten Kapiteln. Für die Leser ist das ein echter Bonus, denn die Biographie Crests lag bisher doch weitgehend im Nebel der Zeit verborgen.

Ein paar Probleme hatte ich mit der Figur des Onat da Heskmar. Irgendwie wurde ich mit dem greisen Arkoniden nicht so richtig warm, sondern widmete mich viel lieber Perry Rhodan und Iwan Goratschin, aus deren Sicht ich die Ereignisse abwechselnd erzählte. Onat kam dagegen immer ein bisschen mürrisch und verschlossen rüber, ein Manko, dass Frank nach Lektüre des fertigen Manuskripts sofort erkannte – doch dazu später mehr.

Die Figur des Gardisten Aletai ter Irale machte mir dagegen schon allein deshalb viel Freude, weil ich bei seiner Ausgestaltung so gut wie keinerlei Vorgaben einhalten musste. Der junge Arkonide gehörte praktisch gänzlich mir, und ich konnte mit ihm nach Belieben verfahren.

Als Abgabetermin stand der 1. November in meinem Exposé, ein Datum, das sowohl in Nordrhein-Westfalen, meiner Heimat, als auch in Baden-Württemberg, dem Bundesland, in dem die Rastatter PR-Zentrale liegt, ein Feiertag war. Danach folgte ein Wochenende, und der kommende Montag war der 4. November. Ich fragte also Klaus N. Frick, ob ich eben dieses Wochenende nicht noch zur Nachkorrektur haben könne, wohl wissend, dass Abgabetermine im Seriengeschäft wichtiger sind, als der Geburtstag der eigenen Ehefrau. Klaus gestand mir die Extratage zu, und ich wurde tatsächlich auf den Punkt genau fertig.

(Teil 1 kam bereits gestern, Teil 3 kommt morgen.)

Rüdiger Schäfer