Logbuch: Eine Handvoll Ewigkeit – Teil 1 Ein Werkstattbericht zu PERRY RHODAN NEO Band 52 von Rüdiger Schäfer

4. September 2013

Meine Arbeit an PERRY RHODAN NEO 52 hätte theoretisch unmittelbar nach der Fertigstellung von Band 44 beginnen können, denn der fleißige Frank Borsch lieferte die ersten Handlungsideen bereits in der Woche, in der ich mein Manuskript einreichte. Die neue Geschichte sollte auf Artekh 17 spielen, jenem arkonidischen Militärstützpunkt, der schon einmal eine herausragende Rolle im Krieg des Großen Imperiums gegen die Methans eingenommen hatte.

Für mich bedeutete das erst einmal wieder Lesen, Lesen, Lesen. In PR NEO 48 führt Michelle Stern unsere Helden nach Ghewanal, dem einzigen (Insel-)Kontinent auf Artekh 17. Im direkt anschließenden PR NEO 49 schildert Oliver Fröhlich die Erlebnisse Perry Rhodans und seiner Begleiter in den Tiefen des Planeten – im Zweistromland der Nethor. Am Ende des Romans überreicht Atlan schließlich den Zellaktivator, den Stiqs Bahroff monatelang getragen hat, an Perry Rhodan. Damit erhält dieser nach PR NEO 24 zum zweiten Mal das Angebot, relativ unsterblich zu werden.

Da die Bände 48 und 49 noch in der Entstehung begriffen waren (wir schrieben gerade einmal Mitte März) und mein Abgabetermin für Ende Juni angesetzt war, studierte ich zunächst lediglich die Exposés, und entschloss mich dann, die Korrekturen des siebten und achten ATLAN-Taschenhefts vorzuziehen, um später genug Zeit zum Schreiben zu haben. Außerdem wollte ich unbedingt mal wieder selbst etwas lesen, oder einfach nur ein paar lange Abende vor meiner PlayStation verbringen (ein virtueller Ferrari F40 setzt zwar keinen Rost an, wenn er zu lange in der Garage steht, ist aber trotzdem eine ständige Verlockung).

Da ich die Schreiberei neben meinem Hauptberuf betreibe, sind Disziplin und Planung für mich sehr wichtig. Deshalb bin ich durchaus stolz darauf, noch nie einen Abgabetermin überzogen zu haben. Manchmal allerdings bin ich anfällig für die zahlreichen Freuden und Ablenkungen des Lebens, und so beschäftigte ich mich in den kommenden Wochen viel zu oft lieber mit dem aktuellen »Tomb Raider«-Spiel, dem neuen Roman von Dan Brown, diversen Filmen und TV-Serien, und ähnlich kurzweiligen Dingen. Hinzu kamen ein paar Dienstreisen, der 70. Geburtstag meiner Mutter, der GarchingCon und die Vorbereitungen des eigenen Cons meines Leib- und Magenclubs ACD (ATLAN Club Deutschland), der im August stattfinden sollte.

Irgendwann gegen Mitte Mai fiel mir wieder ein, dass da ja noch ein NEO-Roman auf mich wartete und ich mich langsam an dessen Ausarbeitung machen musste. Ich nahm also Kontakt zu Michelle und Oliver auf, die mich prompt mit allem belieferten, was sie bis dahin produziert hatten. Dabei interessierten mich vor allem die Texte Michelles, da sie unsere Helden durch Ghewanal lotst, jenen Ort, an dem mein Band 52 hauptsächlich spielen sollte.

Ganz besonders hilfreich war dabei das Charakterblatt zur arkonidischen Rudergängerin Ihin da Achran, mit dem sich Michelle viel Mühe gegeben hatte. Darauf waren sogar detaillierte Angaben zu Eltern, Vorlieben, Abneigungen und dem allgemeinen Umfeld der Figur verzeichnet. Ich bediente mich schamlos, denn die vielen guten Einfälle, die die Kollegin notiert, dann aber nicht für den eigenen Roman verwendet hatte, waren einfach zu schade, um sie in der Versenkung verschwinden zu lassen.

Mit Oliver sprach ich derweil in der Hauptsache den Übergang zwischen Band 49 und Band 52 ab. Die zweibändige Lücke zwischen den Romanen war dem NEO-Jubelband 50 geschuldet, in dem Expokrat Frank Borsch höchstpersönlich die Lebensgeschichte von Titelheld Perry Rhodan enthüllt. Die entsprechenden Erinnerungen werden durch Atlans Übergabe des Zellaktivators an Perry ausgelöst. NEO 51 würde sich dann zunächst mit Crest und seiner Suche nach Thora beschäftigen, bevor ich mit meinem Band wieder an die Rhodan-Schiene anknüpfen sollte.

Das große und übergreifende Thema von PR NEO 52 ist zweifellos die Unsterblichkeit. Mich selbst hat dieses Thema schon als Leser fasziniert. Vor allem die Frage, ob das ewige Leben tatsächlich so erstrebenswert ist, wie es sich zunächst anhört. Verliert das Leben nicht an Wert, an Bedeutung, wenn es niemals zu Ende geht? Ist der Tod – auch wenn wir ihn weitgehend aus unserem Alltag verbannen – nicht dennoch eine ständige unterbewusste Mahnung, die Zeit, die uns zur Verfügung steht, nicht zu vergeuden? Verliert man den Bezug zu diesen Dingen, wenn man unsterblich ist?

(Teil zwei des Werkstattberichtes kommt morgen.)

Rüdiger Schäfer