Logbuch: Die Graffiti als Sonderpublikation

12. Oktober 2012

Als im Jahr 1980 der PERRY RHODAN-Roman »Der Terraner« erschien, markierte dieser Band mit seiner Nummer 1000 nicht nur ein besonderes Jubiläum – er veränderte zugleich die PERRY RHODAN-Serie. Mir war das als »normalem Leser« zu dieser Zeit nicht bewusst, aber William Voltz beeinflusste mich durch seine moralischen Romane, die viele gesellschaftspolitische Aussagen »zwischen den Zeilen« enthielten – und viele andere Leser ebenfalls.

Das merkt man dem »Terraner« an. Voltz ging es beim Schreiben dieses Werkes nicht nur darum, einen packenden Science-Fiction-Roman zu verfassen. Ich bin mir hundertprozentig sicher: Er wollte darüber hinaus einen Querverweis zur aktuellen Zeit liefern.

Sein Roman trug den prophetischen Titel »Der Terraner«. Bekanntlich ist er in diesen Tagen erneut in den Handel gekommen: als Teil des PERRY RHODAN-Buches mit demselben Titel und der leider nicht so schönen Bandnummer 119. Der Roman zeigt eine weit entfernte Zukunft und blendet in die Vergangenheit, er präsentiert Außerirdische und Menschen.

Als wir im Jahr 2010 erstmals innerhalb der Redaktion darüber diskutierten, wie wir diesen Silberband bewerben sollten, kamen wir auf einen besonderen Inhalt: Es sind die Graffiti, an die ich mich über Jahrzehnte hinweg erinnern konnte. Die Idee war, diese Graffiti in einer Sonderpublikation zu veröffentlichen.

Die sogenannten Graffiti bildeten 1980 einen wesentlichen Schwerpunkt des PERRY RHODAN-Bandes. Es sind zehn kurze Texte, die das Leben und das Schicksal von Menschen wiederspiegeln. Sie greifen aktuelle Probleme des Jahres 1980 auf, stellen einfache Menschen ins Zentrum – und enden mit Perry Rhodan persönlich.

Für mich und für viele andere Fans der PERRY RHODAN-Serie war das damals eine wichtige Botschaft, angesichts der atomaren Rüstung zwischen Nato und Warschauer Pakt hatten viele von uns Angst vor einem Atomkrieg. Der Terraner wird durch Voltz' Graffiti zu einem Sinnbild einer positiv denkenden Menschheit. Diese kann den Aufbruch ins All nur schaffen, wenn sie die grundlegenden Schwierigkeiten auf der heimatlichen Erde meistert.

Diese Botschaft der PERRY RHODAN-Serie wurde von Voltz nicht nur kosmisch vermittelt, sondern auch in Form von menschlichen »Lebens-Impressionen«: Es geht um die Einheit der Erde, um Frieden für die Menschen, um ein gemeinsames Forschen in der Zukunft ...

Interessant oder auch erschütternd ist, dass viele der Themen, Graffiti: Die PR-Sonderpublikation zum HC119 »Der Terraner«die William Voltz im Jahr 1980 literarisch verarbeitete, im Jahr 2012 immer noch gelten. Nach wie vor werden in vielen Ländern der Erde Menschen unterdrückt, wird die Umwelt gnadenlos ausgebeutet, fallen Tiere und Pflanzen der unendlichen Profitgier zum Opfer.

Die positive Vision, die 1980 von William Voltz für die PERRY RHODAN-Serie definiert worden ist, gilt im Gegensatz dazu ebenfalls noch: Menschen sind Menschen – und die Unterschiede zwischen Nationen und sogenannten Rassen, zwischen Geschlechtern und Altersgruppen, zwischen Hautfarben und sexuellen Orientierungen, zwischen Religionen und Völkern verblassen, wenn man die Erde »von außen« betrachtet. Nur gemeinsam und vereint hat die Menschheit eine Chance.

»Er ist ein Terraner« – so schrieb William Voltz über Perry Rhodan. Als »Terraner« begrüßte er unter großem Jubel die Besucher des ersten PERRY RHODAN-WeltCons im Jahr 1980. Und »Wir sind Terra« wurde von den Autoren der heutigen Generation als Losung für »ihre« Menschheit ausgegeben.

Es mag ein wenig pathetisch klingen – aber die Botschaft dieser Graffiti und des Bandes »Der Terraner« hat mehr als drei Jahrzehnte überdauert. Es ist die zentrale Botschaft dieses Romans, und es ist die Botschaft der gesamten PERRY RHODAN-Serie. Aus diesem Grund haben wir die zehn Graffiti in Form einer E-Book-Publikation erneut veröffentlicht.

Illustriert wurden die Publikation von Marie Sann. Die Comic-Künstlerin ist Jahrgang 1986 und wohnt in Berlin. Sie gewann Wettbewerbe und veröffentlichte mehrere Comics; derzeit läuft im Splitter-Verlag mit »Frostfeuer« eine phantastischer Dreiteiler nach einem Roman von Kai Meyer.

Auf dem PERRY RHODAN-WeltCon 2011 in Mannheim unterstützte Marie Sann unter anderem die Präsentation von PERRY RHODAN NEO; für die neue Serie lieferte sie auch eine Reihe von Illustrationen.

Ich freue mich, mit dieser Publikation auch zwei Generationen zu verbinden: William Voltz und seine Texte stehen für den Aufbruchsgeist der 70er- und 80er-Jahre, Marie Sann steht für die künstlerischen Welten des beginnenden 21. Jahrhunderts.

Klaus N. Frick