Logbuch: Denk ich an Robert ...

23. Juni 2016

Wenn ich mich an Robert Feldhoff erinnere, werde ich immer noch traurig. Der Autor und ich haben uns irgendwann in den 80er-Jahren kennengelernt, seit 1992 arbeiteten wir zusammen, und als er 2009 starb, schockierte mich die Nachricht. Und es fällt mir nach wie vor schwer, den Autor und Menschen Robert Feldhoff zu »fassen«.

Robert FeldhoffManche Dinge sind klar und eindeutig: Er war schlichtweg ein hervorragender Autor.

Robert Feldhoff schaffte es, auch auf den 60 Seiten eines Heftromans oder den Seiten eines Comic-Albums eine Reihe von faszinierenden Charakteren zu erschaffen, die er mit Problemen konfrontierte, an denen sie irgendwie wachsen mussten. Dabei stand er auf die schrägen Figuren, auf die Personen, die vordergründig ein Schwächling oder ein Feigling waren, die dann im Verlauf der Geschichte über sich hinauswuchsen.

Seine Figuren waren oft kleinwüchsige Männer, eher schwächlich und nicht unbedingt die Intelligenzbestien, und sie hatten oft Probleme mit dem anderen Geschlecht, waren unsicher und steckten häufig voller Komplexe. Welch ein Gegensatz zu dem Autor: Robert Feldhoff wirkte stets gesund und sportlich, kam bei der Damenwelt gut an und wurde trotz seiner eher unterkühlten Art von den Lesern stets geschätzt.

Gab er auf der Buchmesse oder bei einer Fanveranstaltung Autogramme, war er immer höflich, gleichzeitig zurückhaltend. Er beantwortete auch Fragen, die er eindeutig für dämlich hielt, in der ihm eigenen Art, sehr ruhig und sehr klar, nie verletzend und stets korrekt. Robert Feldhoff war nämlich nicht nur ein hervorragender Autor, sondern auch ein Mensch mit hervorragenden Qualitäten.

Er stellte sich hinter die Sache. »Die Leser wollen den Roman, nicht den Autor«, sagte er, nicht unbedingt wörtlich, aber sinngemäß. Ihm ging es nicht darum, die Leser mit einem epochalen Werk zu verblüffen. Er wollte seine Leser einfangen, wollte sie in die Handlung hineinziehen, wollte aber nicht, dass sie über ihn staunen. Sie sollten die Handlung toll finden, sollten hineintauchen in ein möglichst spannendes Abenteuer.

Für viele galt er als der »Kühle aus dem Norden«. Wer ihn näher kannte, wusste sehr wohl, dass er auch andere Seiten hatte. Zwar sah ich ihn nie ausgelassen tanzen – aber ich werde nie den Abend vergessen, als er in Bielefeld auf die Straße stürmte, mit einem »Allez les bleus!« dem erbärmlich kleinen Autokorso der französischen Fußballfans zujubelnd. Er lachte laut über seltsame Situationen und alberne Witze, er stromerte in fröhlicher Stimmung durch die Fußgängerzone fremder Städte – ich erinnere mich an einen lustigen Abend in Leipzig – und war dann allerdings in der Lage, gegen halb drei Uhr morgens mit dem Redakteur noch einmal eine neue Idee für einen Roman zu diskutieren.

Mit Robert redete ich stundenlang über die Arbeit, wir diskutierten Hunderte von Romanen durch. Wir spazierten durch das nächtliche Prag, wir schwitzten in San Antonio in Texas, wir saßen bei Fan-Veranstaltungen auf dem Podium oder stöberten in Comic-Läden durch Berge von bedrucktem Papier. Bei einem Spaziergang durch irgendwelche Hügel hinter Bielefeld entwarfen wir eine Romanserie, bei einem Spaziergang durch Wiesbaden redeten wir uns die Köpfe über ein zu schreibendes Computerspiel heiß, bei Seminaren in Wolfenbüttel diskutierten wir mit anderen Autoren, und in Ahrensburg saßen wir mit Leuten aus der Filmbranche zusammen, um einen Science-Fiction-Film zu entwerfen.

Robert Feldhoff steckte voller Ideen und Konzepte, und er wollte noch vieles umsetzen. Die Nachricht von seinem Tod wollte ich damals nicht glauben. Bis heute kann ich es nicht fassen, dass ich ihn nicht mehr anrufen und mit ihm über aktuelle Romankonzepte diskutieren kann.


Klaus N. Frick


(Dieser Text ist dem Comic-Band »Indigo« entnommen, in dem der Splitter-Verlag die acht »Indigo«-Comics nachgedruckt hat, die von Robert Feldhoff getextet und von Dirk Schulz gezeichnet wurden.)