Logbuch: Bereits 75 NEO-Ausgaben

28. Juli 2014

Als wir auf dem PERRY RHODAN-WeltCon 2011 in Mannheim den ersten Roman unserer neuen Serie präsentierten, wurden wir mit einer großen Vorfreude begrüßt, in die sich aber auch große Skepsis mischte: eine neue Serie, die mit den Mitteln des klassischen Perryversums spielt – könnte das wirklich funktionieren?

Während ich diese Zeilen schreibe, kann ich nur feststellen: Es funktionierte. PERRY RHODAN NEO hat den Erfolg der laufenden PERRY RHODAN-Serie selbstverständlich nie erreicht oder gar überholt – das Original bleibt schließlich das Original. Aber NEO hat gezeigt, dass man mit dem Perryversum spielen kann und dass es möglich ist, die klassische Serie in einem anderen Licht zu präsentieren.

Ich will an dieser Stelle keinen Rückblick liefern. Dafür gibt es bessere Autoren, es werden sich bestimmt Menschen finden lassen, die einen klaren und auch kritischen Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre haben. Ich war als Redakteur stets an der Seite der Serie, habe sie begleitet und mit den Autoren diskutiert, habe mit Frank Borsch über die inhaltliche Richtung diskutiert und die Geschäftsführung von mancherlei Idee zu überzeugen versucht – ich bin alles andere als objektiv.

PERRY RHODAN NEO ist ein Versuch. Nach wie vor unternehmen wir etwas, das im amerikanischen Comic-Geschäft üblich ist: Man nimmt eine vorhandene Serie und erfindet sie gewissermaßen neu. Lässt Batman erneut durch Gotham City stromern. Lässt Spider-Man erneut nach dem Biss einer Spinne zu einem Superhelden wider Willen werden. Lässt Captain America, Thor, Daredevil, Superman und wie sie alle heißen in einem neuen Licht in die Comic- und mittlerweile auch Kino-Welt entweichen.

Der große Unterschied zwischen diesen Serien und uns ist: Wir haben die laufende Serie nicht abgebrochen, sondern haben eine Alternative angeboten. Wer mochte, musste sich um NEO nicht kümmern, sondern konnte weiterhin den gewohnten PERRY RHODAN lesen. Wer wollte, konnte wechseln. Und wer sich für zwei unterschiedliche Sichtweisen interessierte, schaute eben in PERRY RHODAN und in PERRY RHODAN NEO hinein.

Trotz aller Umfragen wissen wir selbstverständlich nie genau, wer eigentlich unsere Leser sind. Das ist normal, und so geht es allen Buch- und Zeitschriftenkollegen. Wir wissen immerhin, dass NEO-Leser sehr unterschiedlich sind und deshalb auch unterschiedliche Lesererwartungen haben. Manche von ihnen kennen die klassische PERRY RHODAN-Serie in und auswendig, andere wiederum sind völlig neu; manche lesen die Serie nur digital, andere hören sie als Hörbuch, wiederum andere sammeln die schönen Taschenhefte. Kein Wunder, dass die Erwartungen nicht unter einen Hut zu bringen sind – das ist unmöglich.

In den vergangenen Jahren haben die Autoren und die eine Autorin um Frank Borsch ein neues Universum entwickelt. Es ähnelt dem klassischen Perryversum, zeigt aber ganz andere Facetten. Die Mehandor, die Topsider und die Fantan haben mit den Vorbildern aus den frühen 60er-Jahren der PERRY RHODAN-Serie wenig zu tun, das Arkon-Imperium wirkt glaubhaft und ausgereift. Es gibt eine neue Kosmologie, die der Menschheit eine Rolle zuweist, die sich von der im klassischen Perryversum unterscheidet, und es gibt eine andere Art, Charaktere zu schildern.

PERRY RHODAN NEO ist eine eigene Welt, ein eigener Blick auf eine fiktive Zukunft. Ich bin stolz darauf, dass wir es auf 75 Romane gebracht haben, und ich bin sehr neugierig auf die weitere Zukunft der Serie. Und stolz darauf, diese Zukunft mitgestalten zu können, bin ich ebenfalls ...


Klaus N. Frick