Der Redakteur erinnert sich: Programm für die vierzig Jahre

31. Dezember 2013

Der Samstag, 8. September 2001, verging wie im Flug. Während ein fieser Dauerregen über Rastatt herunterging, hatten wir einen richtig schönen »Tag der offenen Tür«, den wir zum vierzigsten Geburtstag der PERRY RHODAN-Serie begingen. Überall waren Fans am Diskutieren, Essen und Trinken; einige Journalisten machten Interviews, filmten und fotografierten, die Johnny-Bruck-Ausstellung wurde ebenso rege besucht wie der Multimedia-Raum.

Zwischendurch öffnete ich sogar mein Büro, zumindest für einige Besucher. Was für mich seit vielen Jahren zur Arbeit und damit zur ganz gewöhnlichen Realität gehörte, fanden manche Besucher spannend. Staunend sahen sie die Regale mit den Original-Exposés an oder bewunderten spezielle PERRY RHODAN-Produkte, die es nie in den »freien Handel« geschafft hatten.

Um 14 Uhr besuchte ich das eigentliche Programm. Auf der Bühne in jenem Saal, der an normalen Tagen als Lagerhalle der Verlagsunion Pabel-Moewig diente, war Hermann Ritter als Diskussionsleiter tätig. Die Autoren Arndt Ellmer und Robert Feldhoff saßen mit ihm auf der Bühne, erzählten über ihre Arbeit, und er versuchte, weitere Enthüllungen über den künftigen Handlungsverlauf zu entlocken.

Obwohl ich den prasselnden Regen seit Stunden ignorierte, merkte ich an meinem Platz in einer der hinteren Reihen, dass das Rauschen lauter wurde. Ich verließ die Diskussionsrunde, an der sich die Fans lebhaft beteiligten, und ging hinaus. Von der Tür aus sah ich, wie in genau diesem Augenblick eine Dachrinne offensichtlich Risse bekam – und auf einmal prasselte Wasser ungebremst in den Verlagshof.

Schnell räumten wir den Informationsstand, die Kasse und den Stand der PERRY RHODAN-FanZentrale zur Seite, bevor die Unterlagen alle durchnässt waren. Am Problem änderte sich nichts. Weiterhin lief Wasser in den Hof, und dann schien auch noch die Kanalisation zu versagen: Auf einmal bildeten sich Pfützen im Hof, weil Wasser von unten hochgedrückt wurde, direkt zwischen den Biertischen und Bierbänken. Zumindest wuchsen die Pfützen nicht weiter und die Temperaturen blieben erträglich, aber die Lage war ungemütlich.

Ich kümmerte mich wieder um das Programm, denn jetzt musste ich auf die Bühne. Gegen 16 Uhr leitete Hermann Ritter eine Versteigerung ein, bei der es allerlei PERRY RHODAN-Objekte zu kaufen gab; ich stand ihm als Helfer zur Verfügung. Mit gewohnt launigen Bemerkungen schaffte er es, die Preise bei der Versteigerung zeitweise in unerwartete Dimensionen zu treiben. Bei manchen Objekten hatte ich erwartet, daß sie für wenige Mark weggingen, stattdessen erreichten sie stattliche Dimensionen.

Ausländische PERRY RHODAN-Ausgaben wie die chinesische Nummer eins waren besonders beliebt, aber auch Andrucke, Druckfilme oder spezielle Bücher, die nur einmal als sogenanntes Dummy angefertigt worden waren, fanden großen Anklang. Wir hatten über hundert verschiedene Dinge im Angebot, die Erlöse der Versteigerung sollten später zudem an die »Aktion Mensch« gehen. Insgesamt hatten wir am Ende der Versteigerung über 1900 Mark erlöst und waren damit sehr zufrieden.

Noch während der Versteigerung reisten die ersten Besucher ab. Langsam leerte sich der Verlagshof, in dem die Wasserpfützen sowieso immer größer wurden. Gegen 18 Uhr ging die Veranstaltung zu Ende, und wir konnten rasch mit den Aufräumarbeiten beginnen.

Grinsend drückte mir Klaus Bollhöfener wieder die Zange in die Hand, die er mir am Morgen schon einmal gegeben hatte. »Du wolltest die Schilder ja selbst wieder abmontieren«, erinnerte er mich mit feiner Ironie. Ich nickte fatalistisch und stapfte in den Regen hinaus. Nacheinander steuerte ich zu Fuß die Laternenpfähle und Verkehrszeichen an, an denen ich am Morgen die Park- und Hinweisschilder angebracht hatte.

Wie ich rasch feststellte, brauchte ich die Kneifzange nicht. Offensichtlich waren die PERRY RHODAN-Fans schneller als ich gewesen; einige Sammler hatten alle Schilder vorsorglich entfernt und als Souvenirs eingesteckt. Unverrichteter Dinge kehrte ich wieder zurück. Mein Spaziergang erbrachte zumindest, dass ich zum zweiten Mal an diesem Tag durchnässt wurde. In meinem Büro zog ich die mittlerweile getrockneten Kleidungsstücke vom Morgen wieder an.

Dank der guten Organisation der Kollegen ging es jetzt schnell. Wir packten Biertische und Bierbänke zusammen, die Catering-Firma räumte ihren Stand ab, die Lagerhalle wurde ausgeräumt. Gegen 19.30 Uhr drehte der Hausmeister mit seiner Kehrmaschine die Runden und fegte den Hof, und um 20 Uhr erinnerte nichts mehr an die Geburtstagsfeier zu 40 Jahren PERRY RHODAN.

Erschöpft und glücklich zugleich standen wir im Verlagshof. Immer noch regnete es, doch die Pfützen am Boden waren nicht größer geworden; aus der Dachrinne lief nach wie vor ein Rinnsal Wasser herunter. »Offensichtlich haben wir noch einmal Glück gehabt«, sagte ich erleichtert.

Den Ausklang bildete ein gemeinsames Essen mit den Kollegen, Autoren und Künstlern in einem italienischen Restaurant um die Ecke – und als ich gegen ein Uhr nachts in mein Bett purzelte, fühlte ich mich so richtig müde.

Klaus N. Frick