Der Redakteur erinnert sich: Kalender, Schwarm und andere Themen

13. März 2014

Nachdem es schon seit Jahren regelmäßige Besprechungen zwischen mir und der Verlagsleitung des Zeitschriftenbereiches gab, wurde dies ab 2004 auch für den Moewig-Buchbereich eingeführt. Die Verlagsleiterin dort übernahm sogar die Bezeichnung »Jour Fixe«. Am Freitag, 10. Dezember 2004, kam eine Reihe von Themen auf die Tagesordnung, an denen sich in dieser Zeit immer wieder Konflikte entzündeten.

Unter anderem ging es um den PERRY RHODAN-Kalender, den der Buchverlag in diesem Jahr erstmals angeboten hatte. Die PERRY RHODAN-Redaktion hatte ihn produziert, der Buchverlag wollte ihn vertreiben. Den Kalender fand ich schön, die Bilder waren durch die Bank gelungen.

Allerdings hatte man leider darauf verzichtet, den Kalender in den Fachmedien zu bewerben, und man hatte ihn ebensowenig bei Kalender-Ausstellungen etwa während der Frankfurter Buchmesse präsentiert. Die einzige Werbung für den PERRY RHODAN-Kalender war in den PERRY RHODAN-Heftromanen gelaufen; man war im Buchverlag davon ausgegangen, ohne jegliches Engagement hohe Verkäufe zu erreichen.

»Die Verkaufszahlen sind desaströs«, begann die Verlagsleiterin und legte mir die Zahlen vor. So hatte beispielsweise eine große Kaufhauskette immerhin 1500 Kalender in ihr Angebot aufgenommen; davon waren aber bislang nur wenige Dutzend verkauft worden. Buchhändler hatten den Kalender praktisch nicht geordert, im Bahnhofsbuchhandel hing kein einziger, und auch andere Kaufhäuser wiesen keinerlei nachvollziehbare Verkäufe nach.

Ich wandte vorsichtig ein, dass der Zeitschriftenbereich sehr früh eine Zusammenarbeit vorgeschlagen hätte. Der Zeitschriftenvertrieb hätte den Kalender gern in sein Angebot aufgenommen, damit die Kalender dort vertrieben würden, wo auch die wöchentlichen PERRY RHODAN-Romane standen. Aus kalkulatorischen Gründen hatte der Buchverlag dieses Angebot ausgeschlagen. Man wollte sich auf den Buchhandel verlassen und nicht den Zeitschriftenhandel an den erwarteten Gewinnen beteiligen.

»Wir haben uns doch darauf verlassen, dass Ihre Fans den Kalender bei den Versendern bestellen«, so das Argument der Verlagsleiterin. »Aber die Versender haben ebenfalls viel zu wenig Kalender bestellt und verkauft.« Gemeint war damit vor allem der Transgalaxis-Versand, der bei dem Kalender-Projekt tatsächlich unser wichtigster Partner geworden war.

»Der Kalender muss als Paket verschickt werden, weil er kein gängiges Format hat«, erläuterte ich. In dem Bereich kannte ich mich mittlerweile aus, denn in den Wochen davor hatte ich genügend Fan-Beschwerden erhalten. »Damit ist der Kalender so teuer geworden, dass er für die meisten Leser unattraktiv ist.«

Ich verwies auf die Werbung, die in den Heftromanen gelaufen war. »Daran kann es nicht liegen«, so meine Aussage. Wir hatten sogar einen Beileger hergestellt. Wenn ein Leser diese Werbung wahrnahm, konnte er den Kalender über seine Buchhandlung bestellen. Theoretisch war das eine gute Möglichkeit; ich wusste aber, dass interessierte Kunden einen Kalender einfach gern in der Hand haben und durchblättern wollen, bevor sie ihn kaufen.

Das Gespräch ging so unerquicklich weiter, wie es begonnen hatte. Angesichts der schlechten Verkäufe müsste man sich von Seiten des Buchverlages überlegen, wie die Zusammenarbeit mit PERRY RHODAN »weiter strukturiert« werden könnte.

Und: Ob wir den Kalender denn verramschen könnten? Oder ob es eine Möglichkeit gäbe, die »zuviel gedruckten« Kalender einfach zu verschenken? Auf jeden Fall wolle der Buchverlag ein solches Experiment nicht wiederholen; das sei zu teuer und vor allem ohne jeglichen Erfolg.

Immerhin war das andere Thema viel positiver. Die »Schwarm«-Paperbacks, die wir – allerdings gegen den Willen des Buchvertriebs – vorbereitet hatten, seien mit großer Begeisterung aufgenommen worden. Der Handel habe viele Bücher bestellt, auch die Kaufhäuser hätten sie gut platziert. Ich zeigte die speziell eingerichtete »Schwarm«-Homepage, die der Verlagsleiterin rein optisch sehr gut gefiel.

Nur hatte sie ein Argument, das gegen die Internet-Seite sprach. »Man erfährt viel über den Inhalt, aber es müssten mehr verkäuferische Argumente auf die Seite – nur dann werden noch mehr Buchhändler die Bücher bestellen.«

Ich gab ihr Recht. Eine Redaktion setzt aus nachvollziehbaren Gründen auf Inhalte und deren Vermittlung, aber selbstverständlich mussten die Verkäufe stimmen. Auf meinen Notizzettel kritzelte ich, dass ich dringend mit Frank Borsch und Miriam Hofheinz darüber sprechen müsste – Frank würde weitere Texte schreiben, Miriam würde sie auf die Homepage platzieren. Vielleicht brachte das weitere Verkäufe.

Die anderen Themen waren relativ übersichtlich. Wir sprachen über die PERRY RHODAN-Silberbände und die ATLAN-Bücher, und wir kamen abschließend auf die Leipziger Buchmesse. Der Moewig-Buchverlag hatte sich dort zuletzt nur an einem Gemeinschaftsstand der baden-württembergischen Buchverlage präsentiert und nie mehr als drei oder vier Silberbände gezeigt.

»Wir werden mit PERRY RHODAN dort sein«, kündigte ich an. »Das ist sinnvoll, weil wir dort direkt auf Kunden und Lizenzpartner treffen und die Marke PERRY RHODAN stärker in den Vordergrund stellen können.« Ich erläuterte, dass wir mit einem kleineren Verlag zusammenarbeiten würden. Gemeint war Fantasy Productions, von dem die Verlagsleiterin an diesem Tag zum ersten Mal hörte. »Wir können ja nicht als PERRY RHODAN einen eigenen Messestand haben, also schlüpfen wir bei den Partnern unter.«

Sie stimmte zu, das sei ein guter Plan. Und so endete eine Besprechung, die so kritisch begonnen hatte, unterm Strich doch sehr positiv

Klaus N. Frick