Der Redakteur erinnert sich: Die Heyne-Taschenbücher im Jahr 1995

14. September 2015

In den frühen 90er-Jahren zählte die Arbeit an den PERRY RHODAN-Taschenbüchern zu einer wichtigen Tätigkeit des Redakteurs. Ich hatte dabei viel mit dem Heyne-Verlag und seiner Redaktion sowie Herstellung zu tun, ebenso aber mit den PERRY RHODAN-Autoren. Bei den Taschenbüchern waren ganz andere Dinge zu beachten als bei den wöchentlichen Heftromanen.

Das begann beispielsweise im Jahr 1995 stets mit einem Anruf aus der Taschenbuch-Redaktion des Heyne-Verlages. Die Kollegin dort hatte von Science Fiction so gut wie keine Ahnung, was sie auch ehrlich zugab; unsere Taschenbücher erschienen nicht im regulären Science-Fiction-Programm, sondern waren als separate Reihe dem »allgemeinen Programm« zugeordnet worden.

Entsprechend vorsichtig war meist der Anruf: »Wir bräuchten wieder für die Verlagsvorschau sechs PERRY RHODAN-Titel. Wie weit sind Sie denn? Wann können Sie liefern?«

Meist kam der Anruf nicht aus heiterem Himmel, ich wusste also Bescheid und hatte in den Wochen zuvor bereits erste Vorarbeiten erledigt. Das lief alles quasi nebenbei.

Viele Taschenbücher entstanden in den regelmäßigen Telefonaten mit den Teamautoren, bei denen sich allerlei Ideen ergaben. Manchmal ließ ich aber »dezent durchblicken«, dass ich »ganz gern mal wieder« einen PERRY RHODAN-Roman von dem betreffenden Autoren hätte.

Wenn alles gut ging, hatte der betreffende Kollege – oder damals die eine Kollegin – irgendwann eine Idee und reichte dafür ein Exposé ein. Dabei gab es so gut wie keine Vorgaben. Das Taschenbuch sollte selbstverständlich im PERRY RHODAN-Universum spielen, musste sich aber nicht sklavisch an irgendwelche »Lücken« in der Handlung orientieren.

Viel wichtiger war mir, dass eine spannende Science-Fiction-Idee verwirklicht wurde. Der PERRY RHODAN-Redaktion war zu jener Zeit durchaus bewusst, wie gut und erfolgreich die amerikanische Konkurrenz war: Um neue Leser für PERRY RHODAN zu interessieren, reichte es nicht aus, für PERRY RHODAN-Fans allein zu schreiben. Die Handlung sollte ebenso für Leser »allgemeiner« Science Fiction nachvollziehbar und interessant sein.

Das eingegangene Exposé wurde zwischen Redaktion und Autor besprochen; eventuell äußerte ich besondere Wünsche. Oft kam es beispielsweise vor, dass zwei Autoren innerhalb kürzester Zeit eine sehr ähnliche Idee hatten oder ihre Handlung in einem sehr ähnlichen Umfeld ablaufen lassen wollten; das hatte ich zu koordinieren. Manche Autoren reichten gleich drei Exposés auf einmal ein und überließen mir die Auswahl des »besten« – wobei das in gewisser Weise eine Geschmacksache war.

Bereits nach »Annahme« des Exposés, was einem mündlichen Vertrag gleichkam, erhielt der Autor einen Termin, bis zu dem er zu liefern hatte. Ich entwarf zeitnah den Titel und Untertitel sowie einen Klappentext und sprach diese Details mit dem Autor ab. Letztlich musste der Autor in der Folge dann sowohl seinem eigenen Exposé als auch dem Klappentext folgen; dass dann die Handlung gelegentlich nicht mehr ganz so mit dem Klappentext übereinstimmte, ließ sich kaum vermeiden.

Kam dann der eingangs erwähnte Anruf aus München, wusste ich gleich Bescheid. Da all diese Vorarbeiten erledigt waren, war es für mich kein besonderer Aufwand, die Kollegin zu beliefern. Ich musste nur noch die Titel, Untertitel und Klappentexte zusammenstellen, ordentlich ausdrucken, in einen Briefumschlag stecken und an sie abschicken – dann waren die Texte zeitig genug in München. Meine Kollegin bei Heyne nutzte sie für die Vertreterkonferenz sowie die entsprechenden Prospekte des Verlages, und die eigentliche Produktion konnte dann dort weiterlaufen.

Nur ... damit war das eigentliche Taschenbuch noch lange nicht fertig. Ich informierte in dieser Phase meist schon Alfred Kelsner, den Illustrator der Titelbilder. Dieser bekam die Exposés zugeschickt und versuchte aufgrund dieser Vorgabe, seine Impressionen zu entwickeln; meist telefonierte er sogar ein- oder zweimal mit dem Autor, um eine möglichst hohe Übereinstimmung zu erzielen.

Auf die Spitze wurde dieses Prinzip in einem Fall getrieben, als sich der Autor besonders engagierte: Arndt Elmer rief tatsächlich in der Redaktion an und fragte, welche Farbe Alfred Kelsner für das Titelbild von »Das hohle Paradies« verwendet hat. Er sei gerade in der Endfassung für seinen Roman und wolle sich daran orientieren. Tatsächlich konnten sich so der Autor und der Grafiker mit der Redaktion absprechen – und wir hatten eine schöne Zusammenarbeit, die hoffentlich auch die Leser zufrieden stellte.

Irgendwann traf, sofern alles gut verlief, das fertige Manuskript des Autors im Verlag ein. Dort wurde es möglichst sofort gelesen. Ich telefonierte mit dem Autor, wir sprachen es gemeinsam durch. Üblicherweise wurde sehr schnell ein Vertrag verschickt, damit der Autor sein Geld bekommen konnte. Gelegentlich gab es größere Probleme; in diesen Fällen schickte ich das Manuskript zur Überarbeitung zurück– so etwas blieb aber die absolute Ausnahme.

In der Folge kam das Manuskript auf den großen Stapel (die Autoren lieferten leider nicht exakt in der Reihenfolge, in der die Romane später veröffentlicht wurden ...) und wurde bearbeitet, wenn es laut Heyne-Terminplan fällig war. Dabei achtete ich – wie bei den Heftromanen auch – auf stilistische und grammatikalische Sauberkeit, ebenso war mir wichtig, dass die Handlung stimmte.

Ich fand, dass Taschenbücher wesentlich einfacher zu bearbeiten waren als Heftromane: Bei dieser Tätigkeit musste ich nicht in den dickleibigen Ordnern mit den Exposés blättern oder vorherige Bände kritisch nachlesen. War ich mit der Bearbeitung fertig, schickte ich das Manuskript per Post an Heyne – dort waren dann die Kolleginnen in der Herstellung dran. Sie kümmerten sich um Satz, Druck und Bindung, bis hin zum Vertrieb des fertigen Produkts ...

 

Klaus N. Frick