Die Woche der Splitter-Tipps (Teil 3) »Cartland – Integral 1« von Laurence Harlé / Michel Blanc-Dumont

13. November 2013

Western-Klassiker mit phantastischen Zügen

Zu den modernen Western-Klassikern zählt nach Meinung vieler Comic-Fans die Serie »Jonathan Cartland«, die zehn Bände umfasst und ab den 70er-Jahren die Leser begeisterte. Hierzulande erschien sie anfangs in eher schlichten Comic-Alben, jetzt aber hat der Splitter-Verlag mit einer aufwendigen, schön gemachten Hardcover-Edition begonnen. Band eins habe ich bereits gelesen; dieser enthält die ersten vier Abenteuer sowie allerlei Zusatz-Material.

Bei »Jonathan Cartland« handelt es sich um eine Serie, die nicht aus der Sicht eines Revolverhelden oder Soldaten den Wilden Westen erzählt, sondern aus der Sicht eines Trappers. Zudem beginnt sie zu einer früheren Zeit als die meisten Western: lange vor dem Sezessionskrieg zwischen den Nord- und den Südstaaten. In dieser Zeit sind Trapper diejenigen, die »weiße Kultur« zu den Indianern bringen, mit diesen zusammenleben und von ihnen lernen.

Die ersten vier »Cartland«-Abenteuer zeigen den Trapper als einen Freund der Indianer. Als seine indianische Frau bei einem Überfall getötet wird, verliert er jegliche Haltung und wird zum Alkoholiker. Erst in neuen Aufgaben findet er einen Lebenszweck; so begleitet er beispielsweise einen Treck bis an die Westküste oder trifft auf einen indianischen Schamanen und dessen Geheimnisse.

Geschrieben wurde die Serie von Laurence Harlé, einer ausgesprochenen Expertin für die amerikanische Geschichte. Dass sie sich mit den Sitten und Gebräuchen der Indianer auskennt und weiß, wie sich Trapper verhielten, merkt man den ausgefeilten Geschichten an. Hier scheint alles zu stimmen, alles wirkt glaubhaft und überzeugend.

Mit seinen beeindruckenden Bildern schaffte es Michel Blanc-Dumont, den Wilden Westen plastisch darzustellen: menschenleere Landschaften, wilde Tiere, die Siedlungen der Indianer und die Städte der Weißen werden bei ihm zu realitätsnahen Abbildungen. Der Comic ist sauber recherchiert, die Geschichten sind spannend erzählt – so muss anspruchsvolle und zugleich unterhaltsame Comic-Literatur sein.

Für mich ist der erste Band der »Jonathan Cartland« ein Beleg dafür, dass beispielsweise der Western in Comic-Form immer wieder überzeugte. Bei dieser Serie kommt gelegentlich ein phantastisches Element in die Geschichte hinein, dann nämlich, wenn indianische Magie thematisiert wird oder unnatürliche Aspekte angesprochen werden. Das wird aber nie übertrieben dargestellt, und mit Fantasy hat das ganze nichts zu tun – den »normalen« Lesern fällt es womöglich nicht einmal auf.

Wie es sich für den Splitter-Verlag gehört, ist der erste Sammelband klasse gestaltet und piekfein gedruckt. Dazu kommen umfangreiche redaktionelle Beiträge, mit denen die Serie und ihre Schöpfer genauer vorgestellt werden. Ich mag solche Texte immer; sie vertiefen mein bisheriges Wissen über das Thema und bringen neue Informationen.

»Jonathan Cartland« sollten die Freunde des frankobelgischen Abenteuer-Comics auf jeden Fall antesten – in einem Comic-Bücherschrank findet das Buch auf jeden Fall einen schönen Platz. Auf der Homepage des Splitter-Verlages gibt es eine entsprechende Leseprobe.

Das Buch ist stolze 208 Seiten dick und kostet 36,80 Euro. Bestellen kann man's überall im Comicfach- und Buchhandel, ebenso bei Versendern wie amazon.de; wer die ISBN 978-3-86869-508-3 angibt, vereinfacht die Bestellung.
 

Klaus N. Frick
 

 

Cartland 1
Harlé, Lawrence/Blanc-Dumont, Michel
Splitter Verlag GmbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783868695083