Die Woche der Splitter-Tipps (Teil 2) Macherot u.a.: Percy Pickwick Gesamtausgabe 01

18. August 2015

Ein britischer Comic-Gentleman, neu entdeckt

Zu den frankobelgischen Comic-Klassikern, die im deutschsprachigen Raum immer mal wieder veröffentlicht wurden, zählt »Percy Pickwick«. Erfreulicherweise hat Toonfish – ein Teil des Splitter-Verlages – damit begonnen, die kompletten Geschichten über den skurrilen Engländer in einer sechs Bände umfassenden Gesamtausgabe zu publizieren. Ich habe den ersten Band mittlerweile gelesen und freue mich bereits auf die nächsten.

Das erste Buch enthält vier lange Geschichten mit dem Geheimagenten sowie drei Kurzgeschichten, die so gut wie unbekannt sind. Dazu kommen umfangreiche Informationen, in denen die Hintergründe des Comics beleuchtet und wichtige Hinweise zu den Schöpfern gegeben werden. Immerhin wirkten im Verlauf der Jahre und Jahrzehnte unterschiedliche Zeichner und Autoren an der Serie mit, so dass man sie nicht als das Werk eines einzelnen Künstlers betrachten kann.

Um was geht's eigentlich? Percy Pickwick ist ein Brite, wie er im Buche steht: ein wenig steif, ein wenig pedantisch, ein ehemaliger Geheimagent und nach wie vor ein begeisterter Pfadfinder. Er ist jederzeit bereit, alten Freunden zu helfen, weshalb er ständig in irrwitzige Abenteuer stolpert. Gleichzeitig verfügt er nach wie vor über all die Kenntnisse und Reflexe, die er während seiner Geheimdienstzeit erworben hat.

Kein Wunder, dass er bei Verfolgungsjagden und Schießereien ebenso erfolgreich bleibt wie bei detektivischen Ermittlungen und strengen Verhören. Bei seinen Fällen verschlägt es ihn ins gefährliche New York oder in abgelegene Dörfer, er kämpft öfter mit einem deutschen Spion, der aus dem Zweiten Weltkrieg übrig geblieben ist, oder hilft einem alten Pfadfinder-Kameraden, der mittlerweile als Nuklearwissenschaftler arbeitet und in Verdacht geraten ist.

Machen wir uns nichts vor: Die Geschichten sind für heutige Geschmäcker oftmals schlicht. Was in den späten 50er- und 60er-Jahren für jugendliche Leser geschrieben wurde, hat heute häufig einen antiquierten Charme. Manche Witze funktionieren einfach nicht mehr, dafür sind manche Klischees zu britischen Geheimagenten durch zahlreiche »James Bond«-Filme geradezu zementiert worden.

Wer klassische Funny-Comics mag und sich an »Asterix«- oder »Lucky Luke«-Geschichten zu erfreuen weiß, sollte sich an einem veralteten Humor allerdings nicht übermäßig stören – »Percy Pickwick« entstammt der selben Zeit und ist meiner Ansicht nach nicht schlechter als die genannten Klassiker.

Vor allem kann sich »Percy Pickwick« sehr wohl auf zeichnerischer Ebene mit den bekannteren Serien messen. Es handelt sich um klassische Funny-Geschichten, in denen die Hauptfiguren eindeutig wie Menschen aussehen, also nicht wie Tiere (in »Donald Duck« oder »Fix & Foxi« ist das ja so). Die Figuren werden karikiert, sie sind aber lebensecht genug gezeichnet.

Bewegungsabläufe und Action passen zur Zeit, die Hintergründe sind stets liebevoll ausgestaltet. Obwohl unterschiedliche Zeichner am Werk sind, bleibt der gelungene Stil der Bilder immer erhalten – sehr schön!

Um es klar zu sagen: Wer auf klassische frankobelgische Comics steht, für den dürfte diese Gesamtausgabe ein echter Leckerbissen sein. Wer sich in diesem Bereich nicht so gut auskennt, sollte sicherheitshalber die kostenlose Leseprobe auf der Internet-Seite des Toonfish-Verlages anschauen. Ich persönlich mag solche Comics sehr gern – aber das ist wirklich eine Sache des Geschmacks.

Das 176 Seiten umfassende Hardcover ist durchgehend in Farbe und sieht superschick aus. Es kostet 29,95 Euro und kann mithilfe der ISBN 978-3-86869-766-7 überall im Buch- und Comic-Fachhandel bestellt werden. Ebenso ist es bei Versendern wie Amazon oder direkt im Shop des Toonfish-Verlages erhältlich – übrigens auch schon die weiteren Fortsetzungen dieser gelungenen Gesamtausgabe!

Klaus N. Frick

Percy Pickwick. Sammelband 1
Macherot, Raymond/Azara, Jo-El
toonfish
ISBN/EAN: 9783868697667