Die Woche der Graphic Novels (Teil 5) Peter Eickmeyer / Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues

24. April 2015

Der Antikriegsklassiker als Graphic Novel

Als vor einhundert Jahren der Erste Weltkrieg begann, stürzten sich Millionen von Männern aus Europa in ein fürchterliches Gemetzel – manche voller Siegesgewissheit, viele voller Angst. Nach dem Krieg entstanden zahlreiche Bücher, die sich mit dem Thema auseinandersetzten und sich teilweise sehr kritisch mit dem Krieg beschäftigten. Zu den wichtigsten Romanen seiner Zeit zählte »Im Westen nichts Neues« von Erich Maria Remarque, bis heute einer der bedeutendsten deutschsprachigen Romane überhaupt.

Zum Jubiläumsjahr nahm sich der Grafiker Peter Eickmeyer des Themas an. Er stammt aus der Nähe von Osnabrück, dem Geburtsort des Autors, und fühlte sich deshalb dem Roman besonders verbunden. Seine Graphic Novel ist kein »echter« Comic, sondern ein grafischer Roman – er verwandelte Remarques Roman in eine illustrierte Geschichte. Erschienen ist das Werk im Splitter-Verlag, allerdings nicht im Album-, sondern im kleineren Buchformat.

Remarques Roman sollte man meiner Ansicht nach gelesen haben. Seine Darstellung des Ersten Weltkriegs beeindruckt in ihrer klaren Sprache; das Leiden und Leben der Soldaten wird direkt geschildert. Ob es der Kampf in den Schützengräben und im Land dazwischen ist, die Schikanen durch die Vorgesetzten oder die Sprachlosigkeit bei einer Begegnung mit kriegsbegeisterten Menschen in der Heimat – das alles beschrieb Remarque zu seiner Zeit so eindeutig, dass sein Roman zu Recht zum Bestseller wurde.

1928 kam »Im Westen nichts Neues« erstmals in den Buchhandel. Die Nazis hassten das Werk, zugleich wurde es ein internationaler Erfolg. Bis heute erlebte es zahlreiche Neuauflagen in unterschiedlichsten Variationen, es wurde zudem verfilmt. Peter Eickmeyer, der 1964 geboren wurde, las es ebenfalls intensiv.

Bei seiner Arbeit setzte Eickmeyer auf eine ungewöhnliche Technik: Er schuf keinen typischen Comic, in dem es Sprechblasen oder Dialogzeilen gibt, stattdessen gibt es großformatige Bilder, die spezielle Szenen aus dem Buch illustrieren. Die von seiner Frau Gaby bearbeiteten und eingekürzten Texte ergänzen die Bilder, damit erzählen Bild und Text gewissermaßen den Roman nach. Dabei entsteht ein eigenständiges Kunstwerk, das einen speziellen Reiz entfaltet: kein packender Comic über den Ersten Weltkrieg, eher eine Sammlung von künstlerisch ansprechenden Bildern mit vielen Buchstaben.

Die Bilder sind meist düster, sie haben einen künstlerischen Anstrich, jedes von ihnen könnte als eigenständiges Werk bestehen. Aus diesem Grund nahm ich mir das Buch nicht nur einmal vor: Ich las den Roman in der gekürzten Version und fand ihn immer noch stark, ich schaute mir die Bilder während der Lektüre an, und ich betrachtete sie anschließend besonders intensiv. Eickmeyer schuf eine Graphic Novel, die nicht in herkömmliche Erzählsysteme passt.

Möglicherweise ist diese Adaption von »Im Westen nichts Neues« für einen Comic-Fan zu lahm. Eickmeyers Werk entzieht sich den herkömmlichen Kategorien, was es gleichzeitig zu etwas Besonderen macht. Gerade Menschen, die mit der Action heutiger Comics nicht viel anzufangen wissen, werden dadurch eventuell stärker angesprochen. Ein wissenschaftliches Nachwort ergänzt übrigens die bebilderten Seiten.

Das Hardcover umfasst 176 Seiten und kostet 22,80 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-86869-679-0 kann es überall im Buch- und Comic-Fachhandel bestellt werden, ebenso bei Versendern wie Amazon oder direkt bei Splitter. Auf der Internet-Seite des Verlages gibt es eine kostenlose Leseprobe.

Klaus N. Frick

Im Westen nichts Neues
Remarque, Erich Maria
Splitter Verlag GmbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783868696790