Die Woche der Ami-Comic-Tipps (Teil 4) »The Last Days Of American Crime« von Rick Remender / Greg Tocchini

20. Dezember 2012

Knallharter Krimi aus naher Zukunft

Der Splitter-Verlag ist vor allem dadurch bekannt geworden, dass er Science-Fiction- und Fantasy-Comics aus dem französischen Sprachraum in hervorragender Alben-Ausstattung im deutschsprachigen Raum veröffentlicht. Gelegentlich taucht ein Comic aus den USA im Splitter-Programm auf – und im vorliegenden Fall präsentiert dieser sogar eine besondere Geschichte: »The Last Days Of American Crime« ist ein Krimi, der in allernächster Zukunft spielt.

Der Comic ist in den USA angesiedelt, zu einer Zeit, in der das Land unter dem Druck der ausufernden Kriminalität fast zusammengebrochen ist. Doch die cleveren Köpfe in der Polizei und in den Geheimdiensten haben eine Lösung: Man sorgt dafür, dass mittels eines Impulses die Menschen soweit manipuliert werden, dass sie keinerlei Verbrechen mehr begehen können. Danach, so glaubt man, wartet eine glückliche Zukunft auf die Menschen in den Vereinigten Staaten.

Echte Kriminelle finden das selbstverständlich gar nicht toll. Und so entscheidet sich eine Gruppe von Gangstern dazu, ein letztes Verbrechen zu begehen, eines von der ganz großen Sorte. Das Ziel ist: Es muss so viel Geld erbeutet werden, dass es für die nächsten Jahrzehnte reicht. Um dieses Ziel zu erreichen, ist den Gangstern jedes Mittel recht – und da sie recht unterschiedliche Charaktere sind, kommt es recht schnell zu Konflikten innerhalb wie außerhalb der kleinen Gruppe.

Soweit der Ausgangspunkt zu einem knallharten Krimi, den sich der Autor Rick Remender ausgedacht hat. Seine »Helden« sind alles andere als nett, sondern wirklich ausgekochte Bösewichte, die über Leichen gehen. In einer nahen Zukunft, die sich nicht sehr von unserer aktuellen Zeit unterscheidet, haben sie nichts anderes vor, als ihren Traum vom großen Geld umzusetzen. Auf dem Weg dahin wird gemordet und geprügelt, dass alles zu spät ist. Das ist gemein und derb geschildert, das ist aber vor allem konsequent und lakonisch.

Unterstützt wird der Autor von dem Künstler Greg Tocchini, der in seinen Bildern nicht an heftigen Details spart, auf denen viel Blut und Gewalt zu sehen ist. Dieser Comic ist auf jeden Fall nichts für »schwache Nerven«, es geht heftig zur Sache. Die Bilder wirken, als seien sie absichtlich »grob« gemacht worden, und sorgen damit für einen starken Realitätsbezug. Tocchini kann Action toll darstellen, hat ein »Händchen« für coole Erotik und stellt die Figuren gut ins Zentrum der Geschichte – das ist schon alles ziemlich klasse.

Ich finde den Comic sehr gelungen: Er vermengt eine nicht unbedingt originelle Science-Fiction-Idee mit einer knalligen Krimi-Geschichte sowie nachvollziehbaren Charakteren. Man muss das Ausmaß an dargestellter Gewalt mögen, aber in vielen Fernseh-Krimis werden meiner Ansicht nach mehr Tote gezeigt.

»The Last Days Of American Crime« erschien im »Book«-Format, also dem Format amerikanischer Comic-Hefte. Bei Splitter heißt das: ein schickes Hardcover mit Schutzumschlag, perfekt gedruckt und ausgestattet. Der Comic-Band ist 172 Seiten stark und kostet 22,80 Euro.

Zu bestellen ist er überall im Comic- und Buchhandel, selbstverständlich auch bei Versendern wie amazon.de; die ISBN 978-3-86869-332-4 kann dabei behilflich sein. Der Splitter-Verlag selbst hat einen eigenen Shop, wo auch die kostenlose Leseprobe heruntergeladen werden kann.
 

Klaus N. Frick
 

 

The Last Days of American Crime
Remender, Rick/Tocchini, Greg
Splitter Verlag GmbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783868693324