Die Redaktion empfiehlt: »Zwischen Barsoom und Peenemünde« von Rainer Eisfeld Zur Vergangenheit der deutschen Science Fiction

11. Februar 2016

Gelegentlich beklage ich mich darüber, wie wenig sich deutschsprachige Science-Fiction-Fans für die Geschichte »ihres« Genres interessieren. Während Bücher zur Comic- oder Musikgeschichte in den einschlägigen großen Verlagen veröffentlicht werden, bin ich als Science-Fiction-Fan froh, wenn ein kleiner Verlag wie der Verlag Dieter von Reeken sich solcher Themen auf angenehm-professionelle Weise annimmt.

Bereits 2014 erschien »Zwischen Barsoom und Peenemünde«, ein Sachbuch von Rainer Eisfeld, dessen Lektüre ich dieser Tage erst beendete. Da es sich eher um ein Lesebuch handelt, um eine Sammlung von Artikeln und kurzen Beiträgen, kann man immer mal wieder ein Kapitel lesen und das Buch danach zur Seite legen. Das tat ich, was wohl erklärt, warum ich für die Lektüre so viel Zeit benötigte.

Das Lesebuch deckt dabei die wesentlichen Themen ab, mit denen sich Rainer Eisfeld – emeritierter Professor für Politikwissenschaften – seit Jahrzehnten beschäftigt: die Frühgeschichte der deutschen Science-Fiction-Szene und die Legenden um Peenemünde, den Beginn der deutschen »Weltraumfahrt«. Dabei zeichnet sich Eisfeld stets dadurch aus, dass er einen kritischen Blick auf das Genre und sein Umfeld hat – wer seine Texte liest, erfährt über diverse Themen definitiv mehr.

Der Text, den ich am spannendsten fand, schildert die »verrückten Jahren« der britischen Science Fiction. Diese zeichnete sich in den 40er- und 50er-Jahren durch teilweise haarsträubende Geschichten in schlechtem Stil aus, wurden aber in großer Zahl in den deutschen Verlagen veröffentlicht. Der Leser bekam hierzulande eben nicht die anspruchsvolle Science Fiction präsentiert, sondern oft diejenige, die man preiswert veröffentlichen konnte. Eisfeld macht klar, dass die Science Fiction in Großbritannien durch eine länge Trivial-Epoche zu gehen hatte, bis profilierte Autoren das Genre aufwerteten.

Andere lesenswerte Aufsätze beschäftigen sich beispielsweise mit Anne Steul, die das erste eigenständige Fanzine im deutschsprachigen Raum veröffentlichte und später in Vergessenheit geriet, oder mit Walter Spiegl, der sich um die Fan-Szene verdient machte und für große Verlage arbeitete.

Eisfeld, der bereits als Jugendlicher als Übersetzer tätig war, liefert in seinem Buch zudem Kostproben seiner Art. Autoren wie Isaac Asimov oder A.E. van Vogt begeisterten in der Frühzeit der übersetzten Science Fiction die Fans; viele Leser mögen sie auch heute noch. Schaue ich mir Eisfelds Übersetzungen dazu an, finde ich die klassischen Beschreibungen und Szenen immer noch sehr ansprechend.

Ein Thema, zu dem der Autor immer wieder gearbeitet hat, ist der »Mythos Peenemünde«. Zwei Artikel im vorliegenden Buch widmen sich der Raketenforschung der Nazis und den Mythen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg um die V 2 und andere Mordmaschinen rankten. Eisfeld weist klar nach, wie viele Menschen den Forschungen zum Opfer gefallen sind und wie das Wissen darum nach dem Krieg verdrängt wurde. Da Peenemünde und die deutsche Raketenforschung auch immer einen Einfluss auf die frühe deutschsprachige Science Fiction hatten, sind solche Beiträge gerade für heutige SF-Fans interessant.

Seien wir ehrlich: »Zwischen Barsoom und Peenemünde« ist nicht unbedingt ein Buch, das einen leichten Einstieg in die frühe Science Fiction bietet. (Für solche Zwecke hat der Verlag andere Titel in seinem Programm.) Die Artikel sind aber durch die Bank lesenswert, und ich empfehle das Buch all jenen Science-Fiction-Lesern, die Freude an solchen Hintergründen haben.

Das Paperback ist 213 Seiten stark; es enthält viele Abbildungen und sogar Farbtafeln. Zum Preis von 20,00 Euro kann man es in jeder Buchhandlung bestellen; die ISBN 978-3-940679-89-5 kann dabei hilfreich sein. Versender wie Amazon bieten ebenfalls Bestellmöglichkeiten, zudem der Verlag selbst.
 

Klaus N. Frick