Die Redaktion empfiehlt: »Zebulon« von Rudolph Wurlitzer Literarisch-phantastischer Western-Roman

30. Dezember 2015

Leider ist der »Western« als Genre ziemlich tot. Weder im Kino noch im Roman haben Geschichten, die im sogenannten Wilden Westen spielen, derzeit eine große Anhängerschaft. Im deutschsprachigen Raum gibt es immerhin einige Heftromanserien, in denen das Genre gepflegt wird – nicht unbedingt auf literarisch anspruchsvolle Art und Weise.

Umso besser, wenn dann ein Roman wie »Zebulon« daher kommt, der alle Western-Inhalte bringt, sie aber so vermittelt, dass einem beim Lesen immer mal wieder der Mund offenstehen bleibt. Und weil er phantastische Züge aufweist, könnte er die Leser dieser Zeilen sogar interessieren ...

Autor des Romans ist ein gewisser Rudolph Wurlitzer, der bisher nur Experten ein Begriff war. Der Mann verfasste – so seine Biografie – haufenweise Drehbücher für erfolgreiche Kinofilme, unter anderem Western, und schrieb darüber hinaus fünf Romane. Einer davon erschien 2012 im Residenz-Verlag im österreichischen St. Pölten und liegt seit 2014 als Taschenbuch in der Reihe »Heyne Hardcore« vor.

Sein Held Zebulon Shook ist in der Mitte des 19. Jahrhunderts unterwegs. Der lakonische Kerl lebt jenseits des Gesetzes, weiß mit seinen Waffen zu hantieren und zieht ansonsten ohne jegliche Moral durch die Lande. Weil er von indianischer Magie verhext wurde, ist er dazu bestimmt, ohne Ziel und ohne klaren Antrieb über die ewigen Weiten des Westens zu ziehen.

Er kämpft mit Indianern, er lebt mit ihnen zusammen; er tötet Männer im Vorbeigehen und unterhält eine verzweifelte Beziehung zu einer seltsamen Frau, die als Sklavin eines französischen Adeligen unterwegs ist. Seine Reisen führen ihn nach Mexiko, mit dem Schiff über die Karibik, in die feuchtheißen Ländereien Mittelamerikas und auf die Goldfelder von Kalifornien. Er ist im Gefängnis, er lebt auf einem Landsitz, er ertränkt seine Lage in schlechtem Alkohol.

Was hier nur grob zusammengefasst werden kann, ist eine rasante Abfolge von gewalttätigen Aktionen. Der Humor ist grob, die Action ebenfalls, und auf diese Weise entsteht ein schräges Kaleidoskop von der Eroberung des sogenannten Wilden Westens, wie ich es bisher noch nie gelesen habe. Manches der kurzen Kapitel enthält so viel Inhalt, dass es unter anderen Umständen für einen Heftroman gereicht hätte.

Zebulon ist einer der Helden, die man eigentlich nicht mag, an deren Schicksal man eigentlich gar keinen Anteil haben möchte. Aber alles wird so präsentiert, dass man doch mit viel Spannung und Interesse folgt. Auch die anderen Figuren in diesem Roman sind nicht gerade sympathisch, sondern eher unmoralisch und gewalttätig; das ist sicher nicht jedermanns Sache.

Eine einfache Lektüre ist »Zebulon« nicht unbedingt. Durch die schnellen Handlungswechsel, die Fieberträume des Helden und die indianische Magie wird eine erzählerische Ebene erreicht, die weit über der eines konventionellen Westerns liegt.

Ich fand den Roman stark und möchte ihn vor allem jenen Lesern empfehlen, die gerne etwas »Abseitiges« mögen, vor allem mit einem leichten Phantastik-Anstrich. Erschienen ist er als Taschenbuch im Heyne-Verlag; er umfasst 304 Seiten und kostet 9,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-453-67669-5 ist er in allen Buchhandlungen bestellbar, ebenso bei Versendern wie Amazon.

Es gibt selbstverständlich auch ein E-Book zu diesem Roman. Dieses ist allerdings teurer als das Taschenbuch – wohl weil der Preis von der gebundenen Ausgabe abgeleitet wird – und kostet 12,99 Euro. Das muss man dann schon sehr wollen ...
 

Klaus N. Frick