Die Redaktion empfiehlt: »Wollodrin« von David Chauvel / Jérôme Lereculey Packender Fantasy-Comic in Doppelbänden

12. Juni 2015

Seit einiger Zeit erscheinen bei den deutschsprachigen Comic-Verlagen immer mehr Comics als Doppelbände – das ist für die Leser durchaus praktisch, weil sie so mehr Inhalt auf einen Schlag erhalten und die Handlung schneller voranschreitet. Gerade bei einem packenden Fantasy-Zyklus wie »Wollodrin« ist das durchaus angemessen: Die ersten zwei Doppelbände liegen vor, und zumindest ich bin begierig darauf, die nächsten Teile in der Hand zu halten.

Dabei handelt es sich bei »Wollodrin« auf den ersten Blick um ganz normale Fantasy, wie man sie schon oft gelesen und gesehen hat. In einer Welt der zwölf Königreiche, die mittelalterliche Züge aufweist, gibt es Stämme mit wilden Orks, die an den Grenzen der zivilisierten Menschheit leben; ebenfalls leben Zwerge in dieser Fantasy-Welt, und es würde mich nicht wundern, wenn demnächst Elfen auftauchen würden.

Ein wesentlicher Unterschied zu bekannten Fantasy-Welten: Die Orks sind nicht nur primitive Mordgesellen, die harmlose Menschen niedermetzeln – ihre Rolle ist eher mit der von Indianern im amerikanischen Western zu vergleichen. Verzweifelte Stämme leisten Widerstand gegen die Menschen, die sie immer weiter zurückdrängen. Der dauernde Kleinkrieg zwischen Menschen und Orks hat dazu geführt, dass auf beiden Seiten der Hass vorherrscht.

In dieser Welt schildert »Wollodrin« die Entwicklung einer ungewöhnlichen Freundschaft. Eine junge Frau, die sehr gut mit dem Schwert umgehen kann, und ein Ork-Krieger ziehen miteinander durch die Länder; sie erleben gemeinsam Abenteuer, und aus ihrer Sicht wird die Welt plastisch vorgestellt. Bei ihren Reisen werden sie in den andauernden Konflikt zwischen Menschen und Orks hineingezogen, sie müssen aber auch gegen Untote kämpfen oder geleiten eine Karawane von Auswanderern durch die Wildnis.

Eigentlich finde ich mittlerweile Geschichten, in denen Orks und Zwerge mitspielen, meist recht langweilig. Dem Autor David Chauvel gelingt es in dem vorliegenden Comic aber, das gesamte Thema so unterhaltsam und spannend zu präsentieren, dass ich jegliche Abneigung verlor. Das liegt an den klar geschilderten Charakteren. Bei Chauvel erhalten die Orks eine eigenständige Kultur – sie sind weder besser noch schlechter als die Menschen.

Der Autor entwickelt eine spannende Geschichte und liefert den Hintergrund zu einer interessanten Fantasy-Welt mit vielen Wesenszügen, über die ich gern noch mehr erfahren würde. Das ist mal ein richtig schöner Ansatz!

Ohne den Zeichner wäre das alles nichts. Jerome Lereculey hat noch keinen großen Namen, vermag es aber, Fantasy auf einem sehr hohen Niveau zu zeichnen. Ob er eine düstere Nacht gestaltet oder eine brutale Szene, das alles wirkt bei ihm sehr realitätsnah. Landschaften und Menschen, Orks und Tiere – das alles scheint ihm gleichermaßen zu gelingen. Er variiert die Größe der Bilder, er lässt einzelne Illustrationen buchstäblich in andere Bilder hineinwuchern.

Der Autor und der Illustrator erzeugen eine phantastische Welt, die mir sehr gut gefallen hat. »Wollodrin« hat das Zeug, auch solche Fantasy-Fans anzusprechen, die ansonsten mit Comics nicht zu viel anzufangen wussten. Eine echte Empfehlung – und ich bin schon jetzt gespannt auf die Fortsetzungen!

Der erste »Wollodrin«-Band trägt den Titel »Der Morgen der Asche«, ist 112 Seiten stark und kostet 22,80 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-86869-715-5 gibt's ihn in allen Buch- und Comic-Fachhandlungen. Der zweite Band mit dem Titel »Der Konvoi« hat die ISBN 978-3-86869-716-2, umfasst 112 Seiten und kostet ebenfalls 22,80 Euro.

Wer sich ein wenig im Voraus informieren möchte, schaue sich die Leseproben (Band 1 und Band 2) auf der Internet-Seite des Verlages an. Die sind schon aussagekräftig genug, finde ich ...

Klaus N. Frick

 

Wollodrin 1
Chauvel, David
Splitter Verlag GmbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783868697155
Wollodrin 2
Chauvel, David
Splitter Verlag GmbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783868697162