Die Redaktion empfiehlt: »Willkommen in Night Vale« von Joseph Fink / Jeffrey Cranor Ein Western-Kracher in schöner »Integral«-Ausgabe

1. Februar 2017

Night Vale ist eine merkwürdige Stadt. In ihr leben nicht nur Menschen, sondern auch seltsame Wesen, die meist ziemlich grausig sind. Wer sich beispielsweise in die Bibliothek begibt, riskiert sein Leben; andere Menschen wechseln ständig ihre Gestalt. Im Rathaus herrschen furchterregende Monstren, in der Wüste rings um die Stadt kann man nachts die Lichter von seltsamen Flugobjekten sehen.

Das ist der Ausgangspunkt für eine der ungewöhnlichsten phantastischen Welten, die ich in den vergangenen Jahren kennenlernen durfte. Joseph Fink und Jeffrey Cranor begannen mit ihren Geschichten aus der seltsamen Stadt Night Vale vor einigen Jahren – sie wurden als Podcast im Internet verbreitet. Seit dem Frühjahr 2015 liegt mit »Willkommen in Night Vale« der erste Roman vor, der bei Klett-Cotta als Hardcover erschienen ist.

Es ist einigermaßen schwierig, die Handlung zusammenzufassen, weil sie auf verschiedenen Ebenen abläuft. Die Mixtur aus Science Fiction, allerlei Phantastik-Ideen und einem verschrobenem Krimi fesselte auf jeden Fall nicht nur mich, sondern vor allem viele andere Leser weltweit. Weil die Handlung so vielschichtig ist, kommt sie einem oftmals wie eine Sammlung von Kurzgeschichten und schnell hingeschriebenen Ideen vor – an solchen Stellen merkt man, dass der Roman tatsächlich auf Basis einer Radiosendung entstanden ist.

Schön erzählt ist beispielsweise der Versuch, die Stadt zu verlassen. Selbstverständlich hat Night Vale allerlei Nachbarstädte, die man beispielsweise mit dem eigenen Auto erreichen kann. Es gibt auch Busse, die in diese Nachbarstädte fahren. Eigentlich sollte es ganz einfach sein, sich in einen solchen Bus zu setzen, eine andere Ansiedlung zu erreichen und dort dann etwas zu erledigen. Doch Night Vale ist auch in solchen Fällen sehr ungewöhnlich ...

Eine Bibliothek ist in Night Vale ebenfalls nicht vergleichbar mit einer Bibliothek, wie man sie beispielsweise aus Mitteleuropa kennt. Zwar gibt es in ihr auch irgendwelche Informationen, aber diese kann man sich nicht einfach holen. Zudem wimmelt es in einer Bibliothek von Fallen, heimtückische Wesen liegen auf der Lauer, und viele Besucher des Gebäudes wurden nie wieder gesehen ...

Gestaltwandler und Monster, ganz normale Leute und gefährliche Bürokraten: Night Vale ist alles andere als eine gewöhnliche Stadt. In »Willkommen in Night Vale« nehmen Joseph Fink und Jeffrey Cranor die Leser gewissermaßen bei der Hand und führen sie durch eine Abfolge skurriler Kapitel. Einige Handlungslinien ziehen sich durch, womit ein unterhaltsamer Roman entsteht – es ist also weit mehr als eine phantasievolle Textsammlung.

Der Roman ist abwechslungsreich und spannend, er ist witzig und schräg, und er steckt voller phantastischer Einfälle. Mit klassischer Fantasy hat er nichts zu tun, eher mit einer Mixtur aus Popliteratur und moderner Phantastik. Mir hat er großen Spaß bereitet, und wer immer Lust hat, sich auf einen Genre-Mix einzulassen, ist hier bestens versorgt.

»Willkommen in Night Vale« ist als Hardcover mit Schutzumschlag bei Klett-Cotta erschienen, ist 378 Seiten stark und kostet 19,95 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-608-96137-9 kann man das Werk in allen Buchhandlungen bestellen, selbstverständlich auch bei Versendern wie Amazon. (Wer sich ein wenig einlesen mag, kann sich auf der Internet-Seite des Verlages mit der kostenlosen Leseprobe beschäftigen ...)

Es gibt auch eine E-Book-Version des Romans, unter anderem für den Kindle – diese kostet 15,99 Euro. Eine Hörbuch-Version gibt es bei verschiedenen Anbieten zu variablen Preisen; zu dieser kann ich leider nicht viel sagen. Wen es interessiert, der möge bei den entsprechenden Download-Anbietern schauen.

Klaus N. Frick