Die Redaktion empfiehlt: »Todesengel« von Andreas Eschbach Über Gewalt und ihre Folgen

2. Oktober 2014

Der Schriftsteller Andreas Eschbach hat es in den vergangenen zehn Jahren geschafft, mit seinen erfolgreichen Romanen immer wieder packende Themen anzugehen. Noch nie aber war er so eng an eine aktuelle Diskussion angebunden wie bei seinem Thriller »Todesengel«, der bereits im Herbst 2013 in den Handel gekommen ist.

Eschbachs Held ist diesmal ein junger Journalist, der auf die Spur einer ungeheuerlichen Geschichte kommt: In der Stadt, in der die Handlung spielt, ist ein geheimnisvoller Mann unterwegs, der als eine Art Helfer in der Not auftaucht. Er greift ein, wenn harmlose Menschen von Gewalttätern angegriffen werden, und hilft den Opfern. Allerdings verhält sich der Unbekannte, der wie ein Engel wirkt – weiß leuchtend und mit Flügeln –, absolut rücksichtslos: Die Gewalttäter werden nicht vor ein Gericht gezerrt, sondern gnadenlos erschossen.

Selbstjustiz als ein Mittel, der Gewalt mancher Jugendlicher endlich Herr zu werden: Der Journalist ist fasziniert, und er will mehr über die Hintergründe erfahren. Er nimmt Kontakt zu einem der Opfer und seiner Familie auf, und er kommt Stück um Stück näher an den »Todesengel« heran. Die parallel ermittelnde Polizei nähert sich ebenfalls dem Täter, und so steigert sich die Spannung bis hin zum überraschenden, wenngleich konsequenten Ende des Romans.

Eschbachs Großstadt ist namenlos, die Geschichte könnte quasi überall spielen. Dennoch erinnern die Schauplätze oft an Stuttgart, wo der Autor lange Jahre lebte. Die Bundeswehr-Kaserne der KSK-Truppen ist in der Nähe der Stadt, in der alles spielt – im wirklichen Leben ist das Calw im Schwarzwald –, und der Südwestrundfunk wird als relevant erwähnt.

Andreas Eschbach nimmt sich in seinem Roman eines durchaus kritischen Themas an: Wie geht eine Gesellschaft mit dem Phänomen um, dass es eigentlich weniger kriminelle Jugendliche als früher gibt, die wenigen dafür immer härter zuzuschlagen scheinen? Der Autor selbst gibt keine Antwort, er lässt seine Helden danach suchen. Sowohl der Journalist als auch der Polizist, aus deren Sicht der Großteil der Handlung erzählt werden, haben ihre eigenen Antworten auf die gesellschaftlichen Fragen – und indem der Autor die gegensätzlichen Gedanken vorstellt, bietet er dem Leser die Möglichkeit an, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Dabei ist »Todesengel« kein bildungsbürgerliches Traktat, sondern ein ungemein spannender Roman mit vielen Wendungen. Die schnellen Szenenwechsel lassen den Leser buchstäblich durch die Handlung jagen, die unterschiedlichen Charaktere machen die Geschichte plastisch und stets nachvollziehbar. Der Autor hat einen rasanten Thriller geschaffen, der ein Stück bundesdeutscher Wirklichkeit auf eigenständige Art darstellt.

Die phantastischen Elemente sind übrigens sehr gering; der Roman ist weit davon entfernt, zum Science-Fiction-Genre zu zählen. Wie der Autor, der seine Verbundenheit zur Science Fiction nie geleugnet hat, es aber schafft, das Thema ohne Ressentiments und sehr nachvollziehbar zu behandeln, das fand ich stark. Absolute Empfehlung für Leser, die spannende Bücher mögen, bei denen es am ernsthaften Hintergrund nicht mangelt.

Erschienen ist »Todesengel« als Hardcover-Band mit Schutzumschlag; diese Ausgabe kostet 19,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-7857-2481-1 kann der Roman überall im Buchhandel bestellt werden, ebenso bei Versendern wie Amazon.

Selbstverständlich gibt es auch eine E-Book-Version; diese kostet 15,99 Euro. Auf der Internet-Seite des Lübbe-Verlages gibt es unter anderem eine kostenlose Leseprobe sowie weitere Informationen zu dem Autor und seinen Büchern.

Wer lieber Hörbücher mag, kommt bei »Todesengel« ebenfalls auf seine Kosten. Bei Lübbe-Audio erschien ein bearbeitetes Hörbuch, das auf acht CDs mit rund 552 Minuten Laufzeit eine Audio-Version des Romans liefert. Gelesen wird von Matthias Koeberlin; zur Qualität kann ich nichts sagen. Das Hörbuch kann mithilfe der ISBN 978-3-7857-4888-6 im Buchhandel und den Versendern bestellt werden; der Preis bewegt sich zwischen 14,99 und 19,99 Euro.
 

Klaus N. Frick

 

Todesengel
Eschbach, Andreas
Bastei Lübbe AG
ISBN/EAN: 9783785724811
Todesengel
Eschbach, Andreas
Bastei Lübbe AG
ISBN/EAN: 9783785748886