Die Redaktion empfiehlt: »Thorgals Jugend« von Yann / Roman Surzhenko Gelungener Ableger der Fantasy-Serie

20. Mai 2014

Immer wieder habe ich in den vergangenen Monaten auf die Fantasy-Serie »Thorgal« hingewiesen, die beim Splitter-Verlag in einer sehr schönen Gesamtausgabe in den Handel kommt: jedes Abenteuer in Form eines hervorragend gedruckten Hardcover-Bandes. Die Serie, deren Erfolg seit den frühen 80er-Jahren anhält, erscheint damit erstmals im deutschsprachigen Raum in einer Version, die alle Comic-Fans überzeugen dürfte.

Seit einiger Zeit wird die eigentliche »Thorgal«-Serie durch begleitende Serien und Trilogien ergänzt, die einzelne Figuren aus der Hauptserie ins Zentrum stellen und deren Schicksal beleuchten. Wenig überraschend ist, dass in einem solchen Umfeld auch die Jugendabenteuer des Helden präsentiert werden; mittlerweile ist der erste Band von »Thorgals Jugend« im Handel. Geplant sind insgesamt vier Teile.

Das Album mit dem Titel »Die drei Schwestern« erzählt die Geschichte des kleinen Jungen Thorgal, der bei den Wikingern lebt, wo er kaum akzeptiert wird. Während die Männer auf einem Raubzug sind, bedroht eine Hungersnot die Bevölkerung des Dorfes. Dem Jungen wird die Ration gestrichen – er muss also selbst schauen, wie er überlebt. Als er im Meeresarm vor dem Dorf drei riesige Wale entdeckt, scheint es so, als ob sich alles zum Guten wenden könnte: genug Fleisch für den Winter. Doch die drei Wale sind verzauberte Schwestern, und der kleine Thorgal beschließt, ihnen zu helfen ...
»Thorgals Jugend« ist typisch für die gesamte Serie. Das Abenteuer beginnt in einem herkömmlichen Wikinger-Umfeld, sieht aus wie eine ganz normale Action-Serie. Dann aber werden die übernatürlichen Einflüsse stärker, und spätestens mit dem Auftauchen der nordischen Götterwelt ist der Comic im Fantasy-Umfeld angekommen.

Die Geschichte wird von dem französischen Comic-Autor Yann routiniert erzählt; der Mann weiß, wie man Spannung aufbaut und Figuren führt. Die Zeichnungen stammen von Roman Surzhenko, der in den vergangenen Jahren durch verschiedene Comics bekannt wurde – sie sind sehr realitätsnah und überzeugen mich durch Detailtreue und klassischen Stil. Man merkt, dass sich Surzhenko am Stil des »Thorgal«-Gründers Grzegorz Rosinski orientiert, der zu dem Album immerhin noch das Titelbild beisteuert.

Der erste Band ist gelungen. Sowohl zeichnerisch als auch erzählerisch packt einen die Geschichte, ich ließ mich bereitwillig darauf ein. Thorgals Liebesgeschichte zu Aaricia wird in dem Jugendabenteuer schon angedeutet, die sich in der eigentlichen Saga zu einem wichtigen Bestandteil der Geschichten entwickelt. Das Ganze wirkt nicht wie ein unnützes Beiwerk zur Hauptserie, sondern ist ein eigenständiges Abenteuer, das auch ohne jegliche Vorkenntnisse gelesen werden kann – sehr gelungen!

»Die drei Schwestern« ist 48 Seiten stark, hat die ISBN 978-3-86869-620-2 und kostet 13,80 Euro. Es ist überall im Buch- und Comicfachhandel erhältlich, ebenso über Versender wie Amazon – auf der Internet-Seite des Splitter-Verlags gibt es wie immer eine schöne Leseprobe. Und natürlich empfehle ich den Comic all jenen, die auf toll gezeichnete Fantasy-Abenteuer stehen.
 

Klaus N. Frick