Die Redaktion empfiehlt: »Subz« von Gabriel S. Moses Israelische Teenager im Comic

9. Oktober 2012

Ein ungewöhnlicher Comic-Band ist »Subz«: Hier wird keine durchgehende Geschichte erzählt, sondern die Bilder beschreiben eher eine Reihe von Stimmungen und Situationen. Zudem geht es in dem Comic um das gewöhnliche Leben von israelischen Vorstadtjugendlichen, die sich den ganzen Tag über mit Nichtstun und Kiffen beschäftigen.

Verantwortlich für den Comic ist Gabriel S. Moses, und der Untertitel des Bandes spricht für sich: »Biographien aus einer israelischen Vorstadt«. Die Vorstadt heißt Makabim, sie gehört zum Großraum Tel Aviv, und die jungen Leute wohnen ganz in der Nähe zu den Palästinenser-Gebieten. Von der Politik bekommen sie allerdings nicht viel mit: Wie viele andere Jugendliche in den USA oder in Westeuropa vertrödeln sie ihre Zeit.

Sie sitzen auf einer Bank, von der aus sie das Geschehen auf einem Verkehrsknotenpunkt beobachten können; sie kiffen in Wohngemeinschaften, sie trinken viel Alkohol. Und vor allem scheinen sie zu verdrängen. Denn irgendwann schlägt die Realität eben doch zu: Einer aus der Clique wird zum Militärdienst eingezogen, es gibt eine heftige Abschiedsparty, und danach verändert sich das Leben der einzelnen Personen.

Gabriel S. Moses erzählt keine durchgehende Geschichte, seine Bilder und Szenen erhellen nur Ausschnitte aus einem israelischen Alltagsleben. Seine Bilder sind eher künstlerisch als realistisch, zeigen zwar immer wieder klar definierte Gesichter und schöne Szenen, treiben aber nicht – wie in einem herkömmlichen Comic – die Geschichte voran. Sein »Subz« ist ein biografischer Comic, wie sie in den vergangenen zehn Jahren immer mehr in Mode gekommen sind, aber er bleibt fragmentarisch.

Ich fand sein Buch dennoch interessant: Es zeigt ein Land, über das man tagtäglich aus den Medien erfährt, aus einer ganz anderen Perspektive als üblich. In den grau-schwarzen Zeichnungen und den lakonischen Texten kommen Jugendliche vor, die unter anderen Bedingungen aufwachsen als die Jugendlichen hierzulande, die in ihren Träumen und Hoffnungen dennoch ähnlich sind.

»Subz« ist kein phantastischer Comic, keine Abenteuergeschichte, nichts dergleichen – in seiner Ansammlung von Bild und Text ist das ganze dennoch eine Graphic Novel, die lesenswert ist. Erschienen ist das Buch im Archiv der Jugendkulturen; es umfasst rund 120 Seiten in einem »quadratischen« Format und kostet 15 Euro.

Bestellen kann man das Buch in jeder Buchhandlung, über Versender wie amazon.de oder auch direkt über den Shop des Archivs der Jugendkulturen; im Buchhandel kann die ISBN 978-3-940213-65-5 behilflich sein.

Es gibt auch eine E-Book-Version des Buches, beispielsweise für den Kindle. E-Books kosten 9,99 Euro und sind über die einschlägigen Portale zu beziehen.
 

Klaus N. Frick
 

 

SUBZ
Moses, Gabriel S
Hirnkost
ISBN/EAN: 9783940213655