Die Redaktion empfiehlt: »Sardor 1« von Thomas Ziegler Phantastik wie aus einem Fiebertraum

24. Oktober 2013

»Der Eisenring wusste mehr als alle anderen Geschöpfe, Dinge oder Naturgewalten, die im Kosmos wohnten.« Kein deutschsprachiger Schriftsteller konnte so wuchtig schreiben wie er. »Der Eisenring wusste vom Tod ganzer Galaxien und vom Feuer, das in manchen abgelegenen Sphären loderte und Raum und Zeit zerfraß.«

Und kein Schriftsteller vermochte es so wie er, sogar in der abgedrehtesten Fantasy noch mit klaren Science-Fiction-Motiven zu operieren. »Er wusste, wo die eisverkrusteten, düsteren Welten der Nachtmahre im Schutz ausgedehnter Staubwolken durch das All trieben ...«

Die Rede ist von Thomas Ziegler, der im Jahr 2004 viel zu früh gestorben war. In den frühen 80er-Jahren sorgte er mit beeindruckenden Science-Fiction-Romanen für großes Aufsehen, schrieb zeitweise an der PERRY RHODAN-Serie mit und bereicherte diese mit kühnen Ideen. In dieser Zeit erschien auch seine »Sardor«-Trilogie, die jetzt beim Golkonda-Verlag in einer vollständigen Neuausgabe veröffentlicht worden ist.

Ich habe mit »Der Flieger des Kaisers« den ersten Roman gelesen und bin immer noch baff angesichts der Sprachgewalt, die mich bei der Lektüre geradezu überrollt hat. Um es vorwegzunehmen: Wer von der x-ten Fantasy-Kitschorgie die Nase voll hat, möge sich dieses Buch vorknöpfen. Hier lässt sich herausfinden, wie bereits vor dreißig Jahren ein deutschsprachiger Autor seine Art von Fantasy geschrieben hat – wegweisend bis heute, allerdings kaum massenkompatibel.

Ziegler erzählt seine Geschichte auf zwei Ebenen: einerseits aus der Perspektive eines deutschen Jagdfliegers, der aus einem Luftkampf des Ersten Weltkriegs in eine seltsame »andere« Welt verschlagen wird, andererseits die Sicht eines merkwürdigen Ritters auf dieser Welt, der Sardor beschwören will. Als die Wiedergeburt jenes mysteriösen Sardor, eines Helden aus tiefster Vergangenheit, erweist sich der deutsche Jagdflieger, der gleich zu Beginn eine Schlacht mithilfe seines Maschinengewehrs entscheidet.

Die Geschichte ist vergleichsweise banal. Dass es einen Helden aus unserer Welt in eine Fantasy-Welt verschlägt, gehört seit Beginn des 20. Jahrhunderts zur Fantasy dazu. Robert E. Howard und sein »Almuric« oder Edgar Rice Burroughs und sein »John Carter« sind die wohl bekanntesten Beispiele – doch deren Abenteuer waren bei aller Autorenfantasie sehr schlicht erzählt.

Bei Ziegler ist das anders. Seine Sprachgewalt hebt die Geschichte auf ein höheres Niveau. Wuchtige Beschreibungen, ausufernde Dialoge, intensive Gefühle – das alles wird in »Der Flieger des Kaisers« so präsentiert, dass es mich zumindest einfangen und begeistern kann. Der Roman liest sich wie ein Fiebertraum, wie ein riesenhaftes Gebirge aus kunstvollen Formulierungen.

Das muss man mögen, das ist auch deutlich anders als herkömmliche Fantasy. Wer sich aber auf den Roman einlässt, wird mit einer außergewöhnlichen Fantasy-Lektüre belohnt. Ich fand den ersten »Sardor«-Teil bei der erneuten Lektüre nach gut dreißig Jahren faszinierend und mitreißend.

Der Roman lohnt sich, übrigens nicht nur für jene Leser, die wissen möchten, was Thomas Ziegler denn außerhalb von PERRY RHODAN geschrieben hat. Auf der Seite des Golkonda-Verlages gibt es eine kostenfreie Leseprobe, die ich hiermit empfehle.

Erschienen ist der Roman als schön gestaltetes Paperback mit Klappbroschur – er umfasst 182 Seiten und kostet 14,90 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-942396-51-6 ist er über jede Buchhandlung lieferbar, selbstverständlich auch über Versender wie amazon.de. Es gibt den »Sardor« ebenso als E-Book; in dieser Form kostet er 4,99 Euro.

Der zweite und der dritte Band der Trilogie sind übrigens bereits im Handel; den dritten Band schrieb der Berliner Autor Markolf Hoffmann zu Ende. Ich habe sie noch nicht gelesen, möchte das aber alsbald nachholen. Selbstverständlich bin ich gespannt darauf, was Markolf auf die Vorlage von Thomas Ziegler »draufgesetzt« hat.

Klaus N. Frick

 

Sardor - Der Flieger des Kaisers
Ziegler, Thomas
Golkonda Verlag
ISBN/EAN: 9783942396516