Die Redaktion empfiehlt: »Reise nach Kalino« von Radek Knapp Phantasievoll-utopischer Kriminalroman

19. September 2013

Die kleine Stadt Kalino liegt am Rand der bekannten Welt, ist aber derart abgeschottet, dass es praktisch keine Kontakte nach außen gibt und auch keine Außenstehenden diese Stadt besuchen können. Es gibt nur Gerüchte über Kalino, aber nichts handfestes. Und doch scheint es in der Stadt einen Mord gegeben zu haben – und um diesen Mord aufklären zu lassen, benötigen die Menschen in Kalino den Kontakt zu einem Mann aus der »normalen Welt«, der ein Gespür für derart profane Themen hat.

Ausgerechnet Julius Werkazy wird mit den Ermittlungen beauftragt, ein eher unwichtiger Detektiv, der kein großes Ansehen genießt. Dass ihn zudem der geheimnisvolle Stadtgründer selbst nach Kalino einlädt, macht die Sache erst recht seltsam. Doch Werkazy, der dringend Geld benötigt, lässt sich auf das Spiel ein und fährt in die abgeschottete Stadt. Er trifft auf ein Utopia, in dem auf den ersten Blick alles sauber und schön ist, in dem er als sogenanntes Papiergesicht ständig auffällt und wo eine Reihe seltsamer Geheimnisse auf ihn warten ...

Soweit eine kurze Inhaltsangabe zu »Reise nach Kalino«, dem originellen Science-Fiction-Roman des Schriftstellers Radek Knapp, der ansonsten vor allem durch literarische Erzählungen und Romane bekannt geworden ist. Sein Roman greift ein klassisches Thema auf, orientiert sich an den Klassikern der utopischen Literatur und erinnert eher an Geschichten von Philip K. Dick als an gewöhnliche Science Fiction.

»Reise nach Kalino« spielt nicht in der Zukunft, sondern eher in einer parallelen Welt, über die man nichts erfährt. Weder wird klar, aus welchem Land Werkazy kommt, noch erfährt der Leser, wo Kalino genau liegt. Von den Beschreibungen her könnte die Handlung irgendwo in Europa spielen – aber letztlich ist das völlig gleichgültig. Knapp geht es in seinem Roman darum, eine utopische Gesellschaft mit ihren Schattenseiten zu schildern.

Das gelingt ihm richtig gut. Die Bewohner Kalinos sollen die perfekten Menschen werden, ideal gewachsen, gut aussehend, intelligent und sozial verträglich. Sie haben sich längst so weit von den normalen Menschen entfernt, dass sie nicht einmal mehr wissen, was der Tod eigentlich ist, oder sie keine gewöhnliche Nahrung mehr zu sich nehmen können.
Aber ist eine Gesellschaft wünschenswert, in der alles vorgeschrieben ist und alle offensichtlich nach dem Plan eines Gründungsvaters zu leben haben?

Aus einem solchen Thema könnte man einen intellektuellen Polit-Roman machen, ebenso eine inhaltlich-politische Analyse. Glücklicherweise verzichtet Radek Knapp darauf, sondern erzählt eine geradlinige, sehr unterhaltsame Geschichte. Aus der direkten Perspektive seines Detektivs blickt er auf eine immer fremdartiger werdende Welt; seine Beschreibungen sind treffsicher, seine Dialoge ausgesprochen gelungen. Sein Roman, der eigentlich als Krimi angefangen hat, wird zu einer phantastischen Story, zu einer Reise in eine unwirkliche Welt, die aber glaubhaft geschildert wird.

Ich fand das Buch spannend und mitreißend; es gehört zu den Büchern, die recht schnell einen Sog entfesseln und die einen als Leser in ihren Bann ziehen. Dass »Reise nach Kalino« weder ein herkömmlicher Science-Fiction-, noch ein normaler Kriminalroman ist, gefällt mir sowieso – das hebt ihn aus der Masse heraus und macht ihn doppelt interessant.

Erschienen ist der Roman vor ziemlich genau einem Jahr als Hardcover mit Schutzumschlag im Piper-Verlag; eine Taschenbuch-Ausgabe ist für das Frühjahr 2014 geplant. Die 256 Seiten kosten 19,99 Euro. Wer sich vorher einlesen möchte, findet auf der Internet-Seite des Piper-Verlages eine Leseprobe.

Kaufen kann man den Roman in allen Buchhandlungen; bestellbar ist er auch über das Internet, beispielsweise über Shops wie amazon.de.

Klaus N. Frick

 

Reise nach Kalino
Knapp, Radek
Piper Verlag
ISBN/EAN: 9783492302227
Reise nach Kalino
Knapp, Radek
Osterwold audio
ISBN/EAN: 9783869521367