Die Redaktion empfiehlt: »Oxford 7« von Pablo Tusset Science Fiction und Satire in einem

17. Januar 2014

Verfasst ein Autor, der vor allem durch Gesellschaftsromane und Satiren bekannt geworden ist, einen Science-Fiction-Roman, kann man fast schon sicher sein, dass er sich um einige »Regeln« der Science Fiction nicht kümmert. Dies gilt – und das muss ich im voraus einfach sagen – auch für »Oxford 7«, einen Roman des katalanischen Bestsellerautoren Pablo Tusset.

Der Roman spielt Ende des 21. Jahrhunderts, und es gibt Raumstationen und Raumschiffe. Wie das ganze aber technisch-wissenschaftlich funktionieren soll, darüber hat sich der Autor augenscheinlich keinerlei Gedanken gemacht. »Lupenreine« Science Fiction ist das also nicht, stattdessen präsentiert Tusset eine satirische Zukunftssicht, in der er ganz nebenbei seine spanisch-katalanische Heimat karikiert.

Erst einmal zur Handlung: Oxford 7 ist eine sogenannte Space-Universität, ein Habitat, das durchs All fliegt und in dem studiert werden kann. Es gibt eine künstliche Atmosphäre, man sieht die Erde, den Mond und die Sonne, die seltsamerweise ständig mit englischen Begriffen bezeichnet werden, und eigentlich könnte alles richtig gut sein. Doch die Studenten sind genervt durch die dauernden Regeln, die das Leben in der Universität kontrollieren.

Die Gesundheit wird ständig überprüft, Rauchen ist eine Straftat, und Punktekonten regulieren darüber hinaus den Aufenthalt der Studenten. Kein Wunder, dass die Studenten rebellieren und der dann beginnende Protest die halbe Universität lahm legt. Ein alter Professor wird zum Sprachrohr der Studenten, die sture Dekanin versucht ihre eigene Vergangenheit abzulegen, und drei Studenten beschließen, sich mithilfe eines Raumfahrers zur Erde durchzuschlagen.

Dort landen sie in Barcelona, das sich in dieser fernen Zukunft sehr verändert hat, treffen auf einen Systemgegner, der sich Franz von Assisi nennt, und erkennen, dass ihre Universität mehr mit Barcelona und der historischen Realität zu tun hat, als sie vorher dachten ...

Dieser kurze Abriss kann leider die Handlung nur unvollkommen darstellen. Vor allem am Anfang greift der Autor in kritisch-satirischer Weise den aktuellen Gesundheits- und Kontrollwahn auf, während er am Ende ein fast schon zynisches Porträt seiner Heimatstadt zeichnet: Das Barcelona der Zukunft ist ein heruntergekommenes Armenhaus, dessen Zentrum von grausamen Bewaffneten in Mönchskutten kontrolliert wird.

In den Dialogen zwischen seinen Hauptfiguren bringt Pablo Tusset immer mal wieder philosophische Überlegungen zu Staat und Politik ein. Wenn die drei Studenten und der sie kutschierende Raumfahrer nicht gerade flotte Sprüche austauschen, diskutieren die Dekanin und der alte Professor über komplexe Themen; das ist meist sehr unterhaltsam, zeigt aber auch, welche Schwerpunkte der Roman hat.

»Oxford 7« ist Science Fiction, und es ist ein abwechslungsreicher Roman mit vielen lesenswerten Passagen. Für Science-Fiction-Fans, die einen glaubhaften Ausblick in eine realitätsnahe Zukunft erwartet haben, bietet der Roman nichts. Wer aber lesen möchte, wie ein bekannter Literat mit den Mitteln der phantastischen Literatur arbeitet, sollte den Roman antesten – genügend Vergnügen wird er bei der Lektüre auf jeden Fall finden.

Der 285 Seiten starke Roman ist als Hardcover mit Schutzumschlag in der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen und kostet 19,90 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-627-001919 kann er überall im Buchhandel bestellt werden, selbstverständlich auch bei den einschlägigen Versendern wie beispielsweise amazon.de.

Den Roman gibt es auch als E-Book, unter anderem für den Kindle; als digitale Version kostet »Oxford 7« 9,99 Euro. Auf der Internet-Seite des Verlags gibt es eine Leseprobe. Wer übrigens auf die Taschenbuch-Version warten möchte: Die gibt es ab April 2014 bei Heyne ...

 

Klaus N. Frick

 

Oxford 7
Tusset, Pablo
FVA-Frankfurter Verlagsanstalt GmbH
ISBN/EAN: 9783627001919