Die Redaktion empfiehlt: »Nordseeblut« von Jens Lossau Der Horror, das sind die Erwachsenen

14. November 2014

Diesmal bespreche ich einen Roman, der schon seit drei Jahren im Handel ist. Das schadet allerdings nicht – den knalligen Schocker von Jens Lossau kann man als »zeitlos« betrachten, und er wird mit seinen Horror- und Thriller-Elementen auch jetzt noch überraschen und mitreißen.

Die Rede ist von »Nordseeblut«, einem Spannungsroman mit leicht phantastischen Elementen. Jens Lossau siedelt seinen Stoff in der Stadt Norden an der Nordsee an. Dort stellt er einen seltsamen Schriftsteller ins Zentrum seiner Geschichte und präsentiert zu diesem vier Jungs, die alle große familiäre Probleme haben. Aus einer eher albernen Idee des Schriftstellers, den Jungen ein monströses Wesen namens »Wengry« vorzugaukeln, entwickelt sich eine Geschichte, in der sich wirkliche Untaten, schreckliche Ängste und grausige Familienverhältnisse zu einem unentwirrbaren Garn zerknäulen.

Es gibt Kritiker, die Jens Lossaus Roman mit Stephen King vergleichen. Das ist sicher nicht zutreffend; die Meisterschaft des Amerikaners erreicht der Autor nicht. Aber »Nordseeblut« geht in dieselbe Richtung wie viele Stephen-King-Werke: In eine kleinbürgerliche Umgebung, die schon von Ängsten und Problemen geprägt ist, bricht ein fürchterlicher Schrecken ein – und alles wird nur noch schlimmer ...

Wo in Kings Roman aber oft die Familie und der Zusammenhalt über die Anfeindungen triumphieren können, bleibt in Lossaus »Nordseeblut« kaum Hoffnung. Die Monster, vor denen die Jungs eigentlich Angst haben müssten, sind nicht Wesen aus der Nordsee und ihre Gesandten, sondern die Eltern und die eigene Familie. Der schlimmste Schrecken geht von den Erwachsenen aus, sie sind der wahre Horror in diesem Roman.

Jens Lossau lässt eine Welle von Angst und Terror auf die Jugendlichen los. Was anfangs recht harmlos klingt, nach Streichen und einem eher albernen Scherz, steigert sich von Kapitel zu Kapitel. In schnellen, schlaglichtartigen Szenen beleuchtet der Autor die Verhältnisse der Jungen, zeigt die Familien, in denen sie leben müssen, und die wahren Probleme, vor denen sie stehen.

Das macht Lossau mit manchmal groben Szenen; wer als Leser eher »feinfühlig« ist, sollte vielleicht die Finger von dem Roman lassen. Wer aber gern einen Thriller mit phantastischem Hintergrund mag und einen deutschsprachigen Autor entdecken will, der zwischen Krimi und Phantastik wechselt, sollte einen Blick in »Nordseeblut« riskieren. Auf der Internet-Seite des Verlages steht eine kostenlose Leseprobe zur Verfügung.

Erschienen ist das Werk im Blitz-Verlag: als Hardcover mit Schutzumschlag, der eine eindrucksvolle Titelgrafik aufweist. Das Buch umfasst 274 Seiten, kam als limitierte Sammlerausgabe in den Handel und kostet 12,95 Euro.

Zu beziehen ist es überall im Buchhandel, die ISBN 978-3-89840-299-6 ist dabei behilflich. Selbstverständlich kann man »Nordseeblut« auch bei Versendern wie Amazon oder direkt beim Verlag bestellen.

Klaus N. Frick