Die Redaktion empfiehlt: »Nie mehr zurück« von Vivian Vande Velde Immer wieder verdammte 23 Minuten ...

5. Januar 2017

Zeitreisen gehören zur Science Fiction, seit diese Literaturgattung entwickelt wurde. Deshalb kann es nicht verwundern, dass immer wieder neue Versionen von Zeitreisegeschichten veröffentlicht werden. Zuletzt las ich »Nie mehr zurück« – eine rasante Mixtur aus Thriller und Jugendbuch mit einigen ausgesprochen gelungenen Ideen. Und weil mir die Lektüre so viel Spaß bereitet hat, möchte ich den Roman hier empfehlen.

Hauptfigur des Romans ist ein Mädchen mit vielen Problemen: Zoe ist fünfzehn Jahre alt, befindet sich in psychiatrischer Behandlung, hat Probleme mit Autoritäten und sieht aus, als würde sie auf der Straße leben. Zu allem Überfluss verfügt Zoe über eine Gabe, die ihr selbst rätselhaft ist: Wenn sie möchte, kann sie in der Zeit zurück reisen, leider aber immer nur genau 23 Minuten lang. Das gibt ihr die Möglichkeit, in die Zeit einzugreifen und damit das Leben von Menschen zu verändern.

Als sie Zeugin eines Banküberfalls wird, bei dem es Tote gibt, beschließt sie, das Ganze ungeschehen zu machen. Sie reist in die Zeit zurück, nimmt einige Änderungen vor und erlebt zu ihrem Entsetzen mit, dass die neue Entwicklung zu mehr Toten und größerem Chaos führt. Sie versucht es ein weiteres Mal, und sie scheitert wieder. Ihr wird bewusst, dass sie einen Plan entwickeln muss – aber wie soll das gehen, wenn sie immer nur 23 Minuten Zeit hat?

Unter Science-Fiction-Aspekten ist die Idee recht schnell auserzählt. Liest man den Roman aber als Thriller oder auch als Jugendbuch, gewinnt er von Kapitel zu Kapitel. Zoe muss nämlich feststellen, wie sich das Verhalten von Menschen ändert, wenn sie ihr Verhalten anpasst. Die Menschen, auf die sie trifft, sind mal freundlich, mal unfreundlich zu ihr – jedes Mal auf eine nachvollziehbare und trotzdem unterschiedliche Art und Weise.

Vivian Vande Velde war mir als Autorin bisher nicht bekannt, in den USA hat sie schon viele Romane veröffentlicht. Sie kann mit Figuren umgehen, sie hält die Perspektive ihrer Hauptfigur eisern ein und macht die Handlung damit jederzeit plastisch und nachvollziehbar. Sowohl die Krimi-Aspekte ihres Romans als auch die sozialen Themen – etwa das Verhalten der Nebenfiguren – steigern sich von Kapitel zu Kapitel. Und weil man als Leser stets auf Augenhöhe von Zoe bleibt, ist man unmittelbar in der Geschichte drin.

Klar: Hohe Literatur ist »Nie mehr zurück« nicht. Es handelt sich um ein Stück rasant geschriebener Unterhaltungsliteratur, die sich vor allem an Jugendliche richtet. Bei ihnen dürften die Überraschungen auch eher zünden als bei erfahrenen Lesern in erwachsenem Alter. Die aber können sich – so ging es zumindest mir – auf ein temporeiches Lesevergnügen einstellen. Weil das Buch erfreulich schlank ist, lässt sich die Lektüre auch flott bewältigen.

»Nie mehr zurück« macht Spaß und unterhält prächtig. Cooler Zeitreise-Thriller!

Erschienen ist der Roman als Paperback mit Klappbroschur bei Ivi – das ist ein Imprint des Piper-Verlages. Er ist 208 großzügig gesetzte Seiten stark und kostet 12,99 Euro. Wer sich ein ein wenig einlesen möchte, findet auf der Internet-Seite des Verlages eine kostenfreie Leseprobe. Mithilfe der ISBN 978-3-492-70415-1 kann »Nie mehr zurück« überall im Buchhandel bestellt werden, auch bei Versendern wie Amazon.

Es gibt selbstverständlich auch eine digitale Version des Romans, unter anderem für den Kindle. Das E-Book kostet 9,99 Euro.
 

Klaus N. Frick