Die Redaktion empfiehlt: »MPH – Schnelle Pillen« von Mark Millar / Duncan Fegredo Actiongeladener Science-Fiction-Comic

12. April 2017

Seit Jahren ist Mark Millar ein Garant für spannende Comic-Unterhaltung; der Autor hat zahlreiche Geschichten verfasst, die zu Erfolgen wurden oder als Basis von Kinofilmen dienten. Am populärsten dürfte dabei »Kick-Ass« geworden sein; doch der Comic »MPH« hat alle Chancen dafür, ebenso zu einem erfolgreichen Film zu werden. Es ist alles enthalten, was man für so eine Geschichte braucht: eine coole Idee, eine rasante Geschichte und ein Held, mit dem man mitfiebern möchte.

Doch erst einmal der Reihe nach: Held der Geschichte ist ein junger Mann namens Roscoe, der gern cool wäre, das aber gar nicht ist. Er hängt in Detroit herum, er hat eine Reihe von seltsamen Freunden, und er hat mit Drogen zu tun. Aber eigentlich ist er ein guter Kerl – doch das nutzt alles nichts, als er im Gefängnis landet.

Im Gefängnis schluckt Roscoe eine Droge – zumindest denkt er, dass es sich um eine solche handelt. Das Mittel heißt »MPH«, zumindest ist dieser Begriff auf die Pille gedruckt. Doch weit gefehlt: Die Tablette sorgt dafür, dass sich sein Verhältnis zu Geschwindigkeit und Zeit verändert. Er kann rasend schnell rennen – wie der rot gekleidete Superheld Flash aus den DC Comics. Erklärt wird das Ganze nicht, aber das spielt keine große Rolle.

Denn recht schnell erkennt Roscoe, was er mithilfe eines solchen Mittels alles machen kann. Er rüstet seine Kumpels damit aus, und dann geht eine rauschende Party ab, in der Drogen, Krachmusik und junge Frauen eine wichtige Rolle spielen. Ganz klar: Junge Leute, die glauben, nichts zu verlieren zu haben, werden nicht unbedingt Bildungsbürger werden, wenn sie in Kontakt zu solch einem Mittel geraten.

Millar weiß, wie man eine Geschichte erzählt, er hat sich über die verschiedenen Aspekte bei Zeitreisen seine Gedanken gemacht. Selbstverständlich ist sein Comic nicht intellektuell oder philosophisch, dürfte aber den einen oder anderen Leser zum Nachdenken bringen. Klar richtet er sich vor allem an junge Leute, die den Lebensstil der Helden – er wirkt wie die Fantasie eines HipHop-Songs – vielleicht sogar attraktiv finden, die dann aber auch erkennen sollten, worin der Preis liegen könnte.

Das Ende der Geschichte ist überraschend; wer schon viel Science Fiction gelesen hat, erwartet es allerdings irgendwann. Das stört aber nicht, weil es logisch erzählt und zu einem konsequenten Ende gebracht wird. (Bei mancher Szene sollte man über die Logik vielleicht nicht zu lange nachdenken.)

Der Zeichner überzeugt auch. Duncan Fegredo war mir nicht bekannt, obwohl er für Serien wie »Hellboy« gearbeitet hat. Seine Charaktere unterscheiden sich optisch und durch die Kleidung ganz klar, sie wirken eigenständig und glaubhaft. Die schnelle Action der Story übersetzt der Comic-Künstler in rasante Bilder; ich las die Geschichte in einem wahren Rausch und musste mich dazu zwingen, manche Seiten wegen der tollen Optik ein zweites Mal anzuschauen. Dabei bleibt Fegredo dem amerikanischen Mainstream zwar verhaftet, macht das aber sehr gut.

Der Begriff »cool« passt bei diesem Comic; er passt zum Zeitgeist und greift ihn gut auf. Das ist Science Fiction – schnell und bunt, voller Action und Spannung, aber auch mit einer Prise Humor. Empfehlenswert für Comic-Freunde, die amerikanische Comics schätzen.

Erschienen ist der rasante Science-Fiction-Comic ursprünglich in fünf Heften in den USA. Bei Panini Deutschland wurde die Story in einem Paperback veröffentlicht, das 140 Seiten umfasst und für 16,99 Euro überall im Comicfach- und Buchhandel und Amazon zu bestellen ist. Der Comic erschien bereits im Frühjahr 2016, aber er ist noch überall erhältlich. Die ISBN 978-3-95798720-4 ist dabei auf jeden Fall hilfreich.

Klaus N. Frick

 

MPH - Schnelle Pillen 1
Millar, Mark
Panini Verlags GmbH
ISBN/EAN: 9783957987204